Dietikon

Nach Grosskontrolle: 4500-Franken-Busse könnte wegfallen

Ein Mann rekurriert gegen den Strafbefehl, den er nach der Grosskontrolle im Niderfeld-Areal erhalten hatte.

David Egger
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Buschwerk, Baracken und alte Fahrzeuge: das Gebiet Bodacker im Niderfeld-Areal.DEG

Buschwerk, Baracken und alte Fahrzeuge: das Gebiet Bodacker im Niderfeld-Areal.DEG

David Egger

Wie ein rechtsfreier Raum: So zeigte sich das Dietiker Niderfeld-Areal der Stadt- und der Kantonspolizei, als sie dort am 4. Februar 2016 zu einer Grosskontrolle aufkreuzten: Geflügel und Kleintiere wurden illegal gehalten, Bauvorschriften missachtet und Abfälle sowie Fahrzeuge gesetzeswidrig entsorgt. Das ist nur ein Teil aller festgestellten Verstösse. Die meisten betreffen Umweltschutzbestimmungen. Auch Elektro-Installationen wurden beanstandet.

Um all das überhaupt zu erkennen, wurden die Polizisten unterstützt vom kantonalen Amt für Abfall, Wasser, Energie und Luft sowie den Elektrizitätswerken des Kantons Zürich (EKZ) und der städtischen Hochbauabteilung. Auch Sicherheitsvorstand Heinz Illi (EVP) war bei der Kontrolle vor Ort.

Beschuldigt ist ein Rentner

Einer der Männer, der es mit der Polizei zu tun bekam, forderte gestern am Bezirksgericht Dietikon einen vollumfänglichen Freispruch. Zuvor hatte das Statthalteramt ihn mit Strafbefehl vom 25. Mai 2016 verurteilt: zur Zahlung von 3000 Franken Busse und 1500 Franken Gebühren. Eine happige Summe für den sonst unbescholtenen Schweizer Rentner, der eine Fläche im Gebiet Bodacker mietet, einem der Teilareale des Niderfelds.

Drei Altfahrzeuge abgestellt

Der Fehler des Rentners: Auf der von ihm gemieteten Fläche standen ein alter Lastwagen, ein alter Lieferwagen und ein alter Sattelauflieger (einfach gesagt ein Anhänger ohne Vorderachse).

Das Problem dabei: Aus Sicht der Behörden hätte er die Fahrzeuge auf einer befestigten Fläche abstellen müssen, die unter anderem mit einem Ölabscheider ausgestattet ist. Denn alte Fahrzeuge verlieren eher Flüssigkeiten als neue. Die drei Fahrzeuge sind gemäss Strafbefehl aber einfach so auf dem Kiesboden im Gebiet Bodacker gestanden, das in einem Gewässerschutzbereich liegt – im Niderfeld existiert eine ungenutzte Grundwasserfassung. Mit seinem Verhalten habe sich der Beschuldigte des Stehenlassens von Fahrzeugen ausserhalb bewilligter Anlagen schuldig gemacht. Zudem habe er die Sorgfaltspflicht zur Vermeidung nachteiliger Einwirkungen auf Gewässer verletzt, heisst es im Strafbefehl weiter.

Dass die drei Fahrzeuge dort waren, bestritt der Rentner nicht. Allerdings seien die Fahrzeuge schon dort gestanden, als er die Fläche vor gut 30 Jahren übernommen hatte. «Die, die Fahrzeuge hingestellt haben, haben sich aber einfach nicht mehr gemeldet», sagte der Mann. Auch seine Versuche, sie zu erreichen, blieben stets ohne Erfolg.

«Noch nie beanstandet worden»

Zudem zweifelte der Mann das Risiko für die unterirdischen Gewässer an: «Der Boden unter den Fahrzeugen war furztrocken und ihre Unterseite blitzblank.» Da habe gar nichts auslaufen können. Zudem sei der Lieferwagen auf einer Holzplatte gestanden. Mehrmals betonten er und seine Anwältin, dass die Behörden in den letzten 30 Jahren auch nie etwas beanstandet hätten, obwohl auf dem Niderfeld nun seit Jahrzehnten Fahrzeuge abgestellt werden. «Mein Mandant handelte also in gutem Treu und Glauben», machte die Anwältin klar.

In ihrem Plädoyer zerpflückte sie dann den Strafbefehl, da dieser zum Beispiel nicht präzisiert, ob dem Mann vorsätzliches oder fahrlässiges Verschulden angelastet wird.

Dass die Kritik der Anwältin zumindest nicht ganz grundlos ist, machte Bezirksgerichtsvizepräsident Bruno Amacker zum Ende der Verhandlung klar: Der Strafbefehl stehe auf schwachen Füssen. «Es stellen sich ein paar Fragen», so Amacker. Das Gericht braucht daher noch etwas Zeit. Das Urteil soll dem Beschuldigten und seiner Anwältin nächste Woche mitgeteilt werden.