Dietikon

Jasmina Ritz: «Die Stadt kann aus dem Schatten heraustreten»

Jasmina Ritz hatte keinen einfachen Job. Als Dietiker Standortfördererin war sie während der letzten vier Jahre unter anderem für die Themen Image und Zentrumsbelebung verantwortlich-beides durchaus anspruchsvolle Bereiche für die Bezirkshauptstadt.

Bettina Hamilton-Irvine
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Jasmina Ritz vor der «Krone» in Dietikon, die sie als positives Beispiel für die Entwicklung der Stadt bezeichnet.

Jasmina Ritz vor der «Krone» in Dietikon, die sie als positives Beispiel für die Entwicklung der Stadt bezeichnet.

Limmattaler Zeitung

Der neue Standortförderer

Am 1. November übernimmt Michael Seiler die Leitung der Standortförderung Dietikon. Seiler hat eine kaufmännische Lehre bei einer Grossbank absolviert und war danach noch vier Jahre dort tätig. Im Jahr 1995 wechselte er in die Werbebranche, später arbeitete er viele Jahre lang im Marketingbereich. Seit 2005 ist Seiler als selbstständiger Marketing- und Kommunikationsberater und Projektleiter sowie Hochschuldozent für Marketing und Kommunikation. Er hat die Ausbildung zum Betriebsökonomen absolviert und diverse Weiterbildungen besucht, unter anderem im Bereich Medientraining, Coaching und Dozententraining.

Und beides Bereiche, in denen Veränderungen nur sehr langsam geschehen. Wer sich mit schnellen Erfolgen schmücken will, ist hier fehl am Platz.

Eine Querschnittfunktion

Trotzdem wirkt Ritz, die heute ihren letzten Arbeitstag bei der Stadtverwaltung hat, noch immer gleich begeistert von ihrer Aufgabe wie am Anfang. Im Februar 2010, als sie knapp sechs Monate als Standortfördererin absolviert hatte, sagte sie gegenüber der Limmattaler Zeitung: «Ich habe das Gefühl, ich habe den spannendsten Job auf der Stadtverwaltung.» Würde sie das heute immer noch unterschreiben? Die Antwort kommt wie aus der Pistole geschossen: «Absolut», sagt sie und strahlt. «Das ist ja lustig», fügt sie dann an: «Ich hatte gerade mein Austrittsgespräch und habe dort genau das Gleiche gesagt.»

Als Standortfördererin zu arbeiten sei deshalb so spannend, sagt Ritz, weil es eine «Querschnittfunktion» sei, in der man mit unglaublich vielen verschiedenen Firmen und Personen zu tun habe: «Man ist am Puls der Stadt.» Als Höhepunkte ihrer Zeit in Dietikon nennt die 39- Jährige die intensivierte Zusammenarbeit mit den Wirtschaftsverbänden, die Workshops zur Zentrumsentwicklung, das neue Gebietsmanagement im Industriegebiet Silbern oder den neu ins Leben gerufenen Anlass «Politik trifft Wirtschaft».

Gleichzeitig kann die Tatsache, dass die Bandbreite der Themen so gross ist, auch zur Herausforderung werden. «Standortförderung ist per se schon uferlos», sagt Ritz. So hätte sie sich manchmal gewünscht, sie könnte noch mehr Projekte starten - doch müsse man sich fokussieren. «Es hätte noch so viele Möglichkeiten gegeben», sagt sie.

Dass sie Dietikon nun trotzdem verlässt, liege aber nicht etwa daran, dass es ihr verleidet wäre, betont Ritz, die selber in Zürich wohnt. Im Gegenteil: «Die Stadt befindet sich in einem spannenden Urbanisierungsprozess, der sehr viel Positives bewirken wird», sagt sie. Das sei eine riesige Chance: «Dietikon hat wirklich das Potenzial, aus dem Schatten heraustreten.»

Neue Schlagzeilen über Dietikon

Wichtig sei aber, so Ritz, dass man den Veränderungen gegenüber offen bleibe: «Es bringt nichts, den alten Zeiten nachzutrauern. Man kann die Zeit und die gesellschaftlichen Entwicklungen nicht ändern.» Gerade im Bezug auf das Stadtzentrum müsse man sich ehrlich fragen, was es leisten könne und was es hergebe. Sie selber sehe es weniger als Shoppingparadies, wo man alles bekomme, denn eher als Treffpunkt mit Märkten und Cafés - «was ja heute schon gut funktioniert».

Ein positives Beispiel, das zeige, wie die Stadt reife, sei für sie auch die Wiederbelebung des altehrwürdigen Gasthofs Krone, sagt Ritz: «Plötzlich liest man ganz neue Schlagzeilen über Dietikon, wird im Zusammenhang mit Gastronomie und Architektur angesprochen.»

Dass positiv über Dietikon gesprochen wird, ist laut Stadtpräsident Otto Müller auch teilweise der Verdienst der Standortfördererin. «Sie hat der Stadt Dietikon ein Gesicht gegeben und ist erfolgreich als Botschafterin aufgetreten», sagt er. Auch ihre gezielte Medienarbeit habe der Stadt zu mehr Präsenz verholfen.
Das sieht Bruno Hofer, Limmattaler Standortförderer, ebenso: Jasmina Ritz habe es verstanden, in Dietikon Aufmerksamkeit für die Standortförderung zu genieren - nicht zuletzt dank ihres gekonnten Networkings.

Auch ihr Schlieremer Pendant, Standortförderer Albert Schweizer, lobt Ritz, die er als «aufgestellt, zielstrebig und loyal» beschreibt, in den höchsten Tönen: Sie habe sich sogar über die Erfolge in Schlieren gefreut, sei nie rechthaberisch oder eine «Eigenbrötlerin» gewesen. Ritz habe dem Beruf beste Ehre erwiesen: «So hat sie partnerschaftlich mit der Wirtschaft eine Wirtschaftsstrategie erarbeitet, um die ich sie beneide.»

Weiterhin fürs Limmattal tätig

Aus nächster Nähe wird Ritz zwar nicht mehr miterleben, wie sich Dietikon weiterentwickelt. Trotzdem wird sie dennoch irgendwo ein Teil davon sein: Ab Dezember baut Ritz für Halter AG eine privatwirtschaftliche Plattform zur Vermarktung des Limmattals auf. Das Angebot, etwas Neues ins Leben rufen zu können, habe sie nicht ausschlagen können, sagt Ritz. Und dass sie so dem Limmattal weiterhin verbunden bleibe, sei ein zusätzlicher Bonus.