Chilbi

In Dietikon kann man am Wochenende übers Wasser laufen

Drei Generationen der Schausteller-Familie Bourquin sind auf der Chilbi am Zelgliplatz mit ihren Attraktionen vertreten. Dabei ist die Familie selbst schon sehr spannend.

Gabriele Heigl
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Mike (links) und Sacha Bourquin legen letzte Hand an beim «Waterball», bevor das Wasser in das Areal gelassen wird.

Mike (links) und Sacha Bourquin legen letzte Hand an beim «Waterball», bevor das Wasser in das Areal gelassen wird.

Gabriele Heigl

Es gibt Familien, in denen sich gehäuft Ärzte, Rechtsanwälte, Landwirte oder Lehrer finden, oft über Generationen hinweg. Aber mit der Branchentreue des Waadtländer Schausteller-Clan Bourquin können wohl die wenigsten Familien mithalten. Grossvater, dessen Ehefrau, die Söhne und ihre Frauen, der Enkel und seine Freundin, der Cousin des Grossvaters und sein Sohn – alle aktive Schausteller.

An diesem Wochenende ist der Dietiker Zelgliplatz Einsatzort der Bourquins. Mit Willy (69), Sacha (45) und Mike Bourquin (24) sind gleich drei Generationen bei der Chilbi vertreten.

Heinz Illi Sicherheits- und Gesundheitsvorstand der Stadt Dietikon «Wir sind sehr zufrieden, es läuft super. Die Bourquins haben es geschafft, dass der Platz wieder als Chilbiplatz etabliert ist.»

Heinz Illi Sicherheits- und Gesundheitsvorstand der Stadt Dietikon «Wir sind sehr zufrieden, es läuft super. Die Bourquins haben es geschafft, dass der Platz wieder als Chilbiplatz etabliert ist.»

Zur Verfügung gestellt

Der Jüngste unterbricht seine Aufbauarbeiten und nimmt sich Zeit für ein Gespräch. In seinem Wohnwagen plaudert er über das Schausteller-Leben im Allgemeinen und die Dietiker Chilbi im Besonderen.

In seinem mobilen 45-Quadratmeter-Zuhause fehlt es ihm an nichts: Fussboden-Heizung, grosser Flatscreen-Fernseher, WLAN, ausladende Sitzmöbel, gut bestückte Küche mit Edelstahl-Kühlschrank, Badezimmer, grosser Schlafraum. 365 Tage im Jahr wohnt er mit seiner Freundin in diesem mobilen Heim und geniesst es: «Eine Wohnung brauche ich nicht. Mir gefällt es so.»

Im Winter hat er einen festen Stellplatz in der Nähe von Versoix, wo sich auch andere Schweizer Schausteller einfinden. Zwar hat Mike Bourquin eine KV-Ausbildung absolviert, aber es stand für ihn schon lange fest, dass er auch wie der Rest der Familie als Schausteller durch die Lande fahren wollte.

Er liebt die Abwechslung. «Wir haben so vielfältige Aufgaben: Transport, Aufbau, Reparatur, Elektrik, Metallbau, am Wochenende dann die Arbeit an der Kasse. Eintönigkeit kommt bei uns nicht auf.» Besonders gut gefällt ihm die «Ambiance», wenn die Besucher kommen, die Lichter, die Musik, die Stimmung. Auch Grossvater Willy denke nicht ans Kürzertreten. «Er will nicht nur im Wohnwagen sitzen, muss immer etwas machen, sonst wird ihm schnell langweilig», so Enkel Mike.

Die Stadt spielt mit

Es ist Willy Bourquin zu verdanken, dass die Dietiker Chilbi 2013 nach mehreren Jahren Pause einen Neustart hinlegen konnte. Seine Anfrage bei der Stadt im Frühjahr 2013 hatte die Sache wieder in Gang gebracht. Nun tritt Willy Bourquin bereits im vierten Jahr als Organisator auf. Darüber, dass Bourquin Erfolg hat, freut man sich auch bei der Stadt. Heinz Illi, Sicherheits- und Gesundheitsvorstand der Stadt Dietikon: «Wir sind sehr zufrieden, es läuft super.

Die Bourquins haben es geschafft, dass der Platz wieder als Chilbiplatz etabliert ist.» Auch die 25 Marktstände entlang der Oberdorfstrasse, deren Organisation Peter Hutter aus Kriessern obliegt, geben der Stadt Anlass zur Freude. Allerdings bemühe man sich auch, dass die Schausteller gute Bedingungen in Sachen Infrastruktur vorfänden. «Jetzt muss nur noch das Wetter mitspielen», so Illi.

Der Organisator Willy Bourquin.

Der Organisator Willy Bourquin.

Zur Verfügung gestellt

Neue Attraktion «Ranger»

In diesem Jahr ist es Willy Bourquin gelungen, sechs grosse Fahrgeschäfte und vier kleinere Vergnügungsstände wie etwa Schiessbuden nach Dietikon zu holen. Mit dem «Ranger» ist auch eine neue Attraktion dabei, die mit Loopings die Fahrgäste begeistern soll. Die Bourquins selbst sind mit gleich zwei Fahrgeschäften vertreten: Sohn Sacha ist der Chef beim Autoscooter, Enkel Mike bietet mit dem «Waterball» etwas schweizweit Einzigartiges an. Dabei kann man in einem Plastikball übers Wasser laufen, ohne nass zu werden. Zusammen mit seiner Freundin Cécilia Wetzel (24) hat er zwei dieser Attraktionen auf verschiedenen Chilbis in der Schweiz im Einsatz.

«Dietikon ist ein guter Platz»

Es sei nicht immer einfach im Schaustellergeschäft, die Einkünfte schwankten – auch wetterbedingt – stark. «Aber wir tun unser Bestes.» Eine erfolgreiche Saison beginne im Winter, wenn die Bourquins die kommenden Chilbi-Termine aufgleisen. «Bis zu 60 Platzanfragen schicken wir dann raus», so Mike Bourquin. Am Ende stehen dann etwa 15 bis 20 Zusagen. Es gibt gute und weniger gute Plätze. Mit dem in Dietikon sind die Bourquins sehr zufrieden. «Ein guter Platz», meint Mike. Leider bleibe den Schaustellern nicht viel Zeit, sich in der Nähe ihrer jeweiligen Einsatzorte umzusehen. «Vielleicht schaffe ich es mal nach Zürich. Mehr ist nicht drin.»