Dietikon

Ernst Joss: «Der VPOD wurde populistisch»

Der Verband des Personals öffentlicher Dienste verwehrt dem Dietiker Ernst Joss die Unterstützung für seine Wiederwahl in den Stiftungsrat der Personalvorsorgekasse BVK – nun nimmt Joss Stellung.

Alex Rudolf
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Ernst Joss ist vom Vorgehen des VPOD enttäuscht.

Ernst Joss ist vom Vorgehen des VPOD enttäuscht.

Die Fronten zwischen dem Dietiker AL-Gemeinderat Ernst Joss und dem Verband des Personals öffentlicher Dienste (VPOD) sind verhärtet. Diese Woche wurde bekannt, dass der Personalverband Joss und Guido Suter die Unterstützung für ihre Wiederwahl in den Stiftungsrat der Personalvorsorgekasse des Zürcher Personals BVK verweigert. Dies, weil die beiden nicht zusichern wollten, die für BVK-Stiftungsräte geltende Schweigepflicht über interne Geschäfte zu verletzen.

Herr Joss, sind Sie vom VPOD Zürich enttäuscht?

Ernst Joss: Ja. Dass Guido Suter und ich – wir beide sind langjährige, aktive Gewerkschafter – nicht mehr zur Wahl empfohlen werden, ist durchaus enttäuschend. Diese ganze Situation belastet mich ein wenig. Aber man muss mit solchen Ereignissen auch lernen umzugehen.

In der sogenannten Wahlvereinbarung – ein Fragebogen für mögliche Kandidaten des VPOD – wurde verlangt, die Schweigepflicht, die für BVK-Stiftungsräte gilt, zu ignorieren. War Ihnen klar, dass dies zu Problemen führt, als Sie dies nicht zusichern wollten?

Ich wusste von der ersten Sekunde an, dass mir möglicherweise die Unterstützung entzogen wird. Zu einem Gespräch der Findungskommission wurde ich nicht eingeladen. Offiziell wurde mir der Entscheid zuerst per Mail und dann noch brieflich mitgeteilt.

Ernst Joss

Heute sitzt der 70-jährige Ernst Joss als Arbeitnehmervertreter im 18-köpfigen Stiftungsrat der BVK. Der Physiker, Pensionskassenexperte und ehemalige Mittelschullehrer ist pensioniert und sitzt für die Alternative Liste im Dietiker Gemeindeparlament.

Der VPOD will also über Stiftungsratsentscheide vorinformiert werden. Was bringt ihm das konkret?

Der VPOD-Sekretär sagt, dass er erst aus der Zeitung erfahren habe, wie die BVK ihre Zinssätze gestaltet. Auch ich bin an einer guten Zusammenarbeit mit dem Verband interessiert. Dies war einfacher, als die BVK noch zum Kanton, also der öffentlichen Hand, gehörte und Vernehmlassungsverfahren Teil des Entscheidungsprozesses war. Ein entsprechendes Verfahren brauchen wir künftig wieder. Dafür werde ich mich einsetzen.

Das Verhältnis zwischen dem Zürcher VPOD und dem BVK-Stiftungsrat ist nicht erst seit gestern zerrüttet.

Seit Monaten fährt der VPOD eine populistische Kampagne gegen die BVK und ihre Sanierungspläne mit der Senkung des technischen Zinssatzes und des Umwandlungssatzes. Ich sage bewusst «populistisch», weil der VPOD bis auf die Forderung nach Sanierungsbeiträgen zu keinem Zeitpunkt kommuniziert hat, was er wirklich will, welcher Weg aus seiner Sicht gangbar wäre. Er kritisiert, ohne eine alternative Lösung zu präsentieren.

Können Sie sich dieses Verhalten erklären?

Nein. Im VPOD gibt es eine Arbeitsgruppe BVK, in der ich einsitze. Darin meldete ich schon lange vor der Bekanntgabe der Zinssatzsenkung an, dass diese bald zum Thema werden würde. Jeder, der sich mit der Materie auskennt, konnte dies voraussagen. Ich fand es wichtig, dass die Gewerkschaft zu diesem Schritt eine Haltung einnimmt.

Im Januar gab die BVK bekannt, dass ihre Performance für das Jahr 2016 die Erwartungen übertrifft. Ist dies für Sie eine Genugtuung, dass die BVK mit Ihren Sanierungsplänen gut gefahren ist und nun andere Pensionskassen zu vergleichbaren Massnahmen greifen?

Wir waren sehr früh dran mit unserem Sanierungsprogramm. Einerseits war dies wohl gut, andererseits gab es den Gegnern der Massnahmen sehr viel Zeit, die BVK anzugreifen.

War die frühe Kommunikation ein Fehler?

Nein. Der Entscheid wurde richtigerweise sofort kommuniziert.

Wie haben Sie die Kampagne des VPOD – wie Sie es nennen – als dessen Vertreter im BVK-Stiftungsrat erlebt?

Es war durchaus speziell. Das Empfehlungsschreiben an alle der BVK angeschlossenen Organisationen, das einen Pensionskassenwechsel hin zu einer Kasse mit einer hochriskanten Anlagestrategie riet, war wohl die Krönung dieser Schlammschlacht. Ich reagierte intern sofort. Immerhin schaltete sich der VPOD Schweiz ein und riet von einem Wechsel zu dieser Pensionskasse ab.

War dies der Ursprung Ihres Bruchs mit dem Verband?

Wann dieser genau passiert ist, lässt sich wohl nicht klar sagen. Der VPOD macht es mit seinen Aktionen schon länger schwer, als seine Vertretung im Stiftungsrat zu sitzen. Es ist doch klar, dass ich daran interessiert sein muss, dass möglichst viele Organisationen der BVK angeschlossen bleiben.

Wird Ihre Arbeit als Stiftungsrat dadurch erschwert, dass Ihr eigner Verband Ihnen den Rückalt entzieht?

Aktuell funktioniert es gut. Der Stiftungsrat besteht aus je neun Arbeitnehmer- und Arbeitgebervertretern, die Kompromisse finden müssen. Schwierig wird es wohl erst, wenn die Sprengkandidaten, welche der VPOD aufzustellen gedenkt, gewählt würden.

Weil sich diese durch den Bruch der Schweigepflicht unter Umständen strafbar machen würden?

Nicht nur. Eine geeinte Arbeitnehmervertretung ist in diesem Gremium zentral. Diese wäre dann wohl aber viel schwieriger zu erreichen und könnte letztlich zur Stärkung der Arbeitgeberseite führen.

Wie gross schätzen Sie Ihre Chancen auf eine Wiederwahl ein? Immerhin können Sie noch auf die Unterstützung des Verbands der vereinigten Personalverbände zählen.

Für die Wahlen im Mai bin ich optimistisch. Dies auch wegen der Anzahl Mitglieder der verschiedenen Personalverbände. Jene der Vereinigten Personalverbände ist wesentlich grösser als diejenige des VPOD. Zudem denke ich auch, dass ich trotz fehlender Unterstützung von der Spitze auf einige Stimmen aus dem VPOD zählen kann. Denn es sind bei weitem nicht alle glücklich mit der aggressiven Kampagne, die der Vorstand in letzter Zeit führt.

Wie würde es weitergehen für den Fall, dass der VPOD trotzdem einen oder mehrere seiner Kandidaten in den Stiftungsrat bringt?

Die Zusammenarbeit im Stiftungsrat würde wohl schwierig. Man muss aber auch sagen, dass 18 Personen darin einsitzen und die Entscheidungen nach dem Mehrheitsprinzip gefällt werden. Das ist vergleichbar mit dem Bundes- oder Regierungsrat. Auch wenn gegen den eigenen Willen entschieden wird, trägt man als Stiftungsratsmitglied das Resultat nach aussen mit.