Dietikon
350 Gespräche in vier Stunden: Die Dietiker Sekundarschüler nutzten ihre Chancen an der Lehrstellenbörse

110 Schülerinnen und Schüler suchten in der Turnhalle der Schule Luberzen nach einer passenden Lehrstelle. Viele von ihnen hatten hier das erste Bewerbungsgespräch.

Carmen Frei
Drucken
Teilen
Die zukünftigen Lehrlinge konnten sich für verschiedene Unternehmen anmelden und ein Gespräch führen.

Die zukünftigen Lehrlinge konnten sich für verschiedene Unternehmen anmelden und ein Gespräch führen.

Carmen Frei / «Limmattaler Zeitung»

Für einmal wurde in den Turnhallen des Schulhauses Luberzen nicht geturnt. Wo sonst Reck und Bänke stehen, reihten sich am Mittwochmorgen stattdessen Tische aneinander. Personalverantwortliche von verschiedenen Firmen interviewten hier die Schülerinnen und Schüler der dritten Sekundarstufe. An der inzwischen sechsten Lehrstellenbörse in Dietikon nutzten diese Gelegenheit gut 110 Schüler.

350 Gespräche waren es, die Schulleiterin Andrea Kengelbacher dafür koordinieren musste. Bei 20 Unternehmen aus der Region konnten sich die Jugendlichen aus zwölf Klassen für ein fünfzehnminütiges Bewerbungsgespräch melden.

Die Schülerinnen und Schüler finden die Lehrstellenbörse eine gute Chance

Und die Schülerinnen und Schüler schätzen das Angebot. «Die Lehrstellenbörse ist eine gute Möglichkeit, die man nutzen sollte», findet der 15-jährige Jamil de la Rosa. Er hofft, dass er nach den Gesprächen an der Lehrstellenbörse eine Lehrstelle als Carrosseriespengler findet.

Auch Schulpräsident Reto Siegrist findet die Scharnierfunktion wichtig, die die Lehrstellenbörse zwischen der Schule und dem Berufsleben einnimmt. Er meint:

«Es ist ganz zentral, dass wir unseren Sekundarschülern diese Chance geben.»

Es sei aber auch für die Betriebe wichtig. Laut Andrea Kengelbacher machen auch immer wieder neue Firmen mit. In diesem Jahr waren dies beispielsweise die Zahnpflegefirma Curaden, die Informatikfirma T&N ICT Solutions oder die Social-Media-Agentur Heissi Marroni Medien.

Nadine Angst (14) schwankt noch zwischen dem Detailhandel oder der Ausbildung als Fachfrau Betreuung: «Ich hatte bereits das Gespräch als Fachfrau Betreuung, das ist gut gelaufen. Es ist mein erstes Bewerbungsgespräch, aber ich war schon öfters schnuppern. Ich werde nun noch eine Woche in beiden Berufen schnuppern gehen und schauen, bei welchem Beruf ich am meisten Freude habe. Dann werde ich mich entscheiden.»
4 Bilder
Jamil de la Rosa (15) sucht eine Lehre als Carrosseriespengler: «Ich hatte schon ein Gespräch bei der Emil Frey AG. Ich hoffe, dass ich so eine Lehrstelle finde. Ein weiteres Gespräch habe ich nun noch bei Mercedes-Benz.»
Alfred Talaj (15) will eine Lehre als Automobilmechatroniker oder Kaufmann beginnen: «Ich hatte schon drei Gespräche, nun habe ich noch ein viertes. Die Lehrstellensuche ist in diesem Jahr wegen Corona schwieriger geworden. Ich wollte eigentlich noch als Informatiker schnuppern gehen. Aber das ist nicht möglich, da sie alle im Homeoffice sind. Bei mir hat dieser Umstand die Berufswahl beeinflusst. Die Lehrstellenbörse ist eine Chance und man kann direkt mit den Personen sprechen, die auch in den Unternehmen arbeiten.»
Erina Kadriu (15, links im Bild) würde am liebsten Fachfrau Gesundheit werden, hatte nun aber ein Bewerbungsgespräch bei einer Kindertagesstätte: «Es war das erste für mich, nun habe ich einen Probetag. Ich habe auch gute Rückmeldungen erhalten. Die Lehrstellenbörse ist sehr hilfreich, es ist eine sehr gute Idee.»Leondina Ljutvijoski (15, Wunschberuf: Kauffrau): «Ich hatte an der Lehrstellenbörse mein zweites Gespräch. Das erste hatte ich bereits, nachdem ich einmal schnuppern ging. Jetzt ist es mir sehr leicht gefallen. Es ist sehr lässig, dass es so etwas wie die Lehrstellenbörse gibt. Sie ist eine gute Chance.»

Nadine Angst (14) schwankt noch zwischen dem Detailhandel oder der Ausbildung als Fachfrau Betreuung: «Ich hatte bereits das Gespräch als Fachfrau Betreuung, das ist gut gelaufen. Es ist mein erstes Bewerbungsgespräch, aber ich war schon öfters schnuppern. Ich werde nun noch eine Woche in beiden Berufen schnuppern gehen und schauen, bei welchem Beruf ich am meisten Freude habe. Dann werde ich mich entscheiden.»

Carmen Frei / Limmattaler Zeitung

Marcel Hirzel von Heissi Marroni Medien findet die Veranstaltung eine gute Sache. «Uns gibt es seit letztem Jahr, aber wir beschäftigen bereits eine Lehrtochter», sagt er. Die Lehrlinge seien schliesslich ihre Zukunft.

Auch Mike Paul von Mercedes-Benz sagt, er könne den Schülerinnen und Schülern durch das Angebot ein gutes Bild der Jobs vermitteln. Er stellt ihnen die Berufe Automobilfachmann, Automobilmechatroniker sowie Reifenpraktiker vor. Mercedes-Benz werbe auch selbst bei den Schulhäusern, erklärt seine Kollegin Manuela Remondini. So sei man letztes Jahr zur Börse gekommen.

Für alle Schülerinnen mindestens ein Gespräch

«Viele Unternehmen bieten in der eigenen Firma einen Schnuppertag an. Wir sagen dann, sie sollen doch zu uns an die Lehrstellenbörse kommen», sagt Kengelbacher. Für sie ist es wichtig, dass sie jeder Schülerin und jedem Schüler mindestens ein Gespräch anbieten kann. Es sei eine enorme Arbeit, aber es lohne sich.

«Viele fürchten Absagen und bewerben sich gar nicht erst. Hier ist eine Bewerbung im Gegensatz dazu enorm niederschwellig»,

sagt sie. «Manche haben bis zu vier Vorstellungsgespräche, andere nutzen die Chance für ein Probeinterview.» In den beiden Turnhallen können die Schülerinnen und Schüler auch ihr Dossier überprüfen lassen oder einen Bewerbungsfilm erstellen.

Die Coronapandemie beeinflusst die Bewerbung

Gerade in diesem Jahr sei der Bewerbungsprozess wegen Corona schwieriger geworden, findet der 15-jährige Alfred Talaj. An der Lehrstellenbörse interessieren ihn die Berufe Kaufmann oder Automobilmechatroniker. «Ich hatte schon drei Gespräche, nun habe ich noch ein viertes», sagt er. Er findet die Lehrstellenbörse eine tolle Möglichkeit, direkt mit den Personen aus den jeweiligen Unternehmen zu sprechen.

Den direkten Kontakt schätzen laut Kengelbacher auch die Unternehmen. Denn die Zeugnisse seien wegen der Coronapandemie nicht gleich aussagekräftig wie in anderen Jahren. Im Gespräch könnten die Unternehmen so mehr über die Bewerbenden erfahren und es käme auch zu Anstellungen, die sonst nicht zustande gekommen wären.

Viel Aufwand auf beiden Seiten

«Das herkömmliche Bewerbungsverfahren ist inzwischen mit sehr viel Aufwand verbunden, sowohl für Bewerbende als auch für die Unternehmen. Hier haben die Unternehmen zwar vier Stunden Arbeit. Dafür gibt es einige, die nach diesem Morgen ihre drei Lehrlinge haben», erklärt Kengelbacher.

Die Hürden für die Bewerbenden würden ebenfalls immer höher gelegt. Vor allem das Motivationsschreiben sei etwas vom Schwierigsten für die Schülerinnen und Schüler: «Hier gehen wir sozusagen zurück zu den Wurzeln», sagt sie.

Aktuelle Nachrichten