Limmattalbahn

Die nächste Baustelle heisst Schlieren

Die Schlieremer Verkehrskommission will die Prüfung einer alternativen Linienführung für die Limmattalbahn. Die Limmattalbahn AG prüft jetzt bereits eine mögliche Alternative.

Nicole Emmenegger
Drucken
Teilen

Limmattaler Zeitung

Lange galt die Linienführung der Limmattalbahn durch Schlieren als sicherer Wert – befürwortet durch den Stadtrat, ohne hörbare Kritik der politischen Parteien: Auf der Badenerstrasse sollte das Tram von Altstetten her in die Stadt rollen – bei der Migros am Kesslerplatz zum Spital Limmattal abbiegen – und schliesslich über die Spitalstrasse zur Kantonsschule in Urdorf weiterfahren. Doch jetzt könnte einiges anders werden. Die Schlieremer Verkehrskommission konnte sich letzte Woche zur geplanten Strecke äussern (az Limmattaler Zeitung berichtete). Ihre Forderung an den Stadtrat und an die Limmattalbahn AG: Sie sollen eine Alternative zum so genannten «Spitalbogen» prüfen.

Laut Stadtrat Jean-Claude Perrin, der den Vorsitz in der Verkehrskommission hat, gibt es mehrere Kritikpunkte an diesem Abschnitt: An der Kesslerstrasse werde eine massive Beeinträchtigung des Ortsbildes befürchtet, so Perrin. Aufgrund der starken Steigung der Strasse zieht die Limmattalbahn AG dort unter anderem eine abgesenkte und teilweise überdeckte Linienführung in Betracht. Ein weiterer Kritikpunkt: Der geplante neue Stadtteil Schlieren West werde mit der Limmattalbahn nicht erschlossen, wenn diese die Badenerstrasse bereits beim Kesslerplatz verlässt.

«Wir müssen jetzt die Grundsatzfrage beantworten, ob nur das Spital oder auch der neue Stadtteil an die Tramlinie angebunden werden soll», so Perrin. «Mit einer alternativen Linienführung wäre beides möglich.» Da ein Neubau des Spitals geplant sei, müsse dieses nicht mehr zwingend – wie bisher geplant – von der Südseite her erschlossen werden, wo der heutige Haupteingang liegt.

Die Limmattalbahn AG prüft jetzt bereits eine mögliche Alternative. Im Mai wird der Stadtrat laut Perrin voraussichtlich noch einmal Stellung nehmen können.

Politische Kräfte eingebunden

Die Variante, die nun unter die Lupe genommen wird, stand bereits in einer früheren Phase der Streckenplanung zur Diskussion: Die Limmattalbahn würde – statt beim Kesslerplatz abzubiegen – auf der Badenerstrasse weiterfahren und später in einen Tunnel abbiegen. Durch diesen würde die Stadtbahn in die Färber-hüslistrasse gelangen und das Spitalgelände von der Nordseite her erreichen. Weil früher lediglich eine Sanierung des Spitals vorgesehen war und der Haupteingang auf der Südseite verblieben wäre, war diese Variante vom Stadtrat verworfen worden.

Dass sich jetzt die Schlieremer Verkehrskommission zur erneuten Prüfung äussern konnte, hängt nicht zuletzt mit dem Streit um die Linienführung in Dietikon zusammen. Als im Februar die definitive Strecke präsentiert wurde, kritisierten Vertreter der Ortsparteien, der Dietiker Stadtrat habe sie bei der Planung übergangen. «Was in Dietikon ausgelöst wurde, hat uns sensibilisiert», sagt der Schlieremer Stadtrat Perrin. Deshalb habe man die Verkehrskommission zu einer Stellungnahme eingeladen. In der Kommission sind sämtliche Gemeinderatsparteien, die Schlieremer Gewerbe- und Wirtschaftsorganisationen, der Hauseigentümerverband sowie weitere Fachleute vertreten.

Bereits Gehör verschafft hat sich die Motion Contra Limmattalbahn von SVP-Gemeinderat Thomas Grädel und 14 Mitunterzeichnenden, die im Juni im Schlieremer Parlament behandelt werden soll. Die Motion fordert einen Verzicht auf die Limmattalbahn und bezeichnet diese als zu teuer und unnötig. Ob es die Limmattalbahn überhaupt braucht – darüber hat die Verkehrskommission laut Perrin nicht befunden. «Es ging um die Frage: Soll der Stadtrat noch einmal auf den Entscheid der heutigen Linienführung und Haltestellenanordnung zurückkommen?», so Perrin. Der Entscheid über die Realisierung einer Limmattalbahn liege schlussendlich bei den Stimmberechtigten der Kantone Zürich und Aargau, und nicht bei der Stadt Schlieren. «Aber wir sollten jetzt die Chance nutzen und bei der Ausarbeitung des Projektes die optimalste Lösung für Schlieren anstreben.»

Alternativlösung ist realistisch

Und was sagt die Limmattalbahn AG dazu, dass sich Schlieren deutlich später als Dietikon noch einmal mit der Tramstrecke befasst? «Grundsätzlich gingen wir davon aus, dass nach der Entscheidung in Dietikon die gesamte Linienführung bereinigt ist», sagt Geschäftsführer Daniel Issler. Vom fachlichen Standpunkt her spreche jedoch nichts gegen die vorgeschlagene Variante in Schlieren. Im Gegenteil: «In einer Variantenstudie von 2009 hat diese Lösung aufgrund ihres Potenzials sogar am besten abgeschnitten», so Issler.

Auch zeitlich gerate das Projekt der Limmattalbahn durch die neue Diskussion in Schlieren nicht in Bedrängnis: «Unser Ziel, bis Ende 2011 das Vorprojekt fertig zu erstellen, ist dadurch nicht gefährdet. Wir gehen davon aus, dass wir den Planungsrückstand für diesen Bereich wettmachen können.»