Wagi

Der Verein «Historic Schlieren» gleist alte Eisen wieder auf.

Der Verein «Historic Schlieren» lässt die legendäre Wagi Fabrik wieder auferstehen. Das Rollmaterial der Wagi hat an diesem Wochenende einen grossen Auftritt beim Fahrzeugtreff des Dampfbahn-Vereins Zürcher Oberland in Bauma.

Daniel Diriwächter
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Schlieren Wagi
18 Bilder
Lassen die Geschichte der Wagi Schlieren nicht verstummen - (v.l.n.r) Georges Peier, Thomas Stauber und Patrick Bigler (Historic Schlieren)
Der Schlieren Schok Die Wagi schliesst nach 90 Jahren (zvg)
Das Ende 1985 wird das Areal grösstenteils Abgerissen (Hans Bachmann)
Am 17 Sept 16 feierte der Schlieren ABt 202 des VPM sein Jubiläum mit der Historic Schlieren (C. Bänninger)
Das Werk in Schlieren im Jahre 1975 (Historic Schlieren)
Das Team begutachtet den historischen Bierwagen welcher ebenfalls in Bauma beim Schlieremer Stand zu begutachten ist. Was in seinem innern ist, konnte noch nicht in Erfahrung gebracht werden. (Historic Schlieren)
Wer kannte sie nicht. Die Schlieren Aufzüge in aller Welt. (Historic Schlieren)
Patrick Bigler zeigt Einblicke in die SWS Archivalien (Historic Schlieren)
Schlieren war neben der SIG Neuhausen führend im Schienenfahrzeugbau (Archiv SWS)
Schlieren liefert mit der BBC und der FBW den ersten Gelenktrolleybus der Schweiz (Archiv SWS)
Schlieren war während Jahren führend im Aufzugsbau (Archiv SWS)
Schlieremer Hebebocksysteme wurden weltweit exportiert (Archiv SWS)
Der damals schnellste Aufzug der Welt 1958 für das Atomium Brüssel (Archiv SWS)
Arbeiten am Wagenkasten in Schlieren Bild (Archiv SWS)
Schlieremer Rolltreppen waren welweit im Einsatz (Archiv SWS)
Das Tram 2000 wurde massgeblich in Schlieren entwickelt (Archiv SWS)
Blick in die Hallen des Wagonsbau (Archiv SWS)

Schlieren Wagi

Daniel Diriwächter

Es war der 31. August 1985, als in Schlieren die Erde stillstand: Die Schweizerische Wagons- und Aufzügefabrik AG Schlieren (SWS), genannt Wagi, schloss aus wirtschaftlichen Gründen ihre Tore. Massive Proteste konnten das Ende einer Ära nicht aufhalten. Der Schlieremer Patrick Bigler war damals fünf Jahre alt und wohnte in unmittelbarer Nähe zur Fabrik.

Er war zu jung, um zu verstehen, was genau vor sich ging. Aber dass etwas Unfassbares geschehen war, war auch ihm klar. Heute ist Bigler Vorstandsmitglied des Vereins «Historisches Erbe Schweizerische Wagons- und Aufzügefabrik AG Schlieren» – kurz: Historic Schlieren. «Die Wagi ist mehr als nur eine Busstation, wie viele Leute heute glauben», sagt Bigler.

Er selbst hatte nie direkt mit der SWS zu tun, die Erinnerungen aus seinem Umfeld prägten ihn allerdings sehr. «Mein erster Vortrag handelte von der Wagi», erinnert er sich.

Ein Museum auf vielen Ebenen

Gegründet wurde der Verein 2007 als Interessensgemeinschaft (IG) von Thomas Stauber und Georges Peier, deren Sammelleidenschaft zur Berufung wurde. Damals noch an die Vereinigung Heimatkunde Schlieren angegliedert, werden dort bis heute unzählige Archivbestände oder Fabrikerzeugnisse der SWS aufbewahrt.

Mittlerweile benötigt man aber mehr Platz – sei es räumlich oder im kollektiven Gedächtnis. Im April dieses Jahres wurde die IG in einen Verein umgewandelt, als Gründungsmitglieder fungierten neben Stauber und Peier auch Patrick Bigler. Er ist der Leiter für das historische Erbe der Fabrik. Seine Aufgabe ist die Recherche sowie die Vernetzung. Ausserdem unterhält er die Vereinswebsite.

Sie ist ein digitales Museum mit einer Fülle an Informationen und Bildern, die laufend erweitert werden. «Wir erhalten viele Anfragen nach alten Plänen oder auch von ehemaligen Mitarbeitern, die ihre damaligen Kollegen suchen.»

Das nächste Ziel von Historic Schlieren sei ein Ausstellungsort, an dem die umfassende Sammlung dauerhaft gezeigt werden kann, sagt Bigler. Eine Lokalität auf dem Wagi-Areal habe man bereits gefunden.

Die Verhandlungen mit dem Vermieter sowie der Stadt laufen – denn es ist auch eine Frage der Finanzen. Historische Wagen oder Aufzüge werde man dort aber vorerst nicht bestaunen können: «Für den Verein steht die Geschichte im Vordergrund, nicht der Unterhalt von Rohmaterial», hält Bigler fest.

Das Rollmaterial der Wagi hat an diesem Wochenende einen grossen Auftritt. Denn Historic Schlieren ist am Fahrzeugtreffen des Dampfbahn-Vereins Zürcher Oberland in Bauma prominent vertreten. Es ist das erste Mal seit 31 Jahren, dass die Wagi wieder «aktiv» wird.

Auch ein vor über 100 Jahren in der Wagi gebauter Feldschlösschen-Brauereiwagen wird dort zu sehen sein. Um ihn rankt sich ein Mysterium: «Der Wagen lässt sich nicht mehr öffnen, also wissen wir nicht, was sich darin befindet», so Bigler. Sechs weitere Schienenfahrzeuge aus der Wagi sind ebenfalls auf dem Gelände anzutreffen. Die SWS wird also quasi wieder eröffnet: als gelebte Geschichte.