Birmensdorf
Fachstelle für Seniorenschutz erklärt Vorgehen von Betrügern gegen ältere Menschen

Am kantonalen Netzwerktreffen für Altersfachpersonen im Birmensdorfer Gemeindezentrum Brüelmatt hat sich die Fachstelle Seniorenschutz vorgestellt. Diese ist bei den Limmattaler Gemeinden auf Interesse gestossen.

Lydia Lippuner
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Am Netzwerktreffen erklärte Daniela Meury von der polizeilichen Fachstelle Seniorenschutz, wie Betrüger gegen Senioren vorgehen.

Am Netzwerktreffen erklärte Daniela Meury von der polizeilichen Fachstelle Seniorenschutz, wie Betrüger gegen Senioren vorgehen.

Lydia Lippuner

«Hallo. Ich bin es. Grüss dich», sagte eine Stimme in den Telefonhörer. «Rainer?», fragte die Seniorin zurück. «Ja. Ich bin unterwegs. Ich rufe dich vom Handy an. Hast du Bargeld zu Hause?», fragte die männliche Stimme auf dem Tonband, das über die Lautsprecher im Zentrum Brüelmatt am Montagnachmittag abgespielt wurde. Das Beispiel des aufgenommenen Enkeltricks nahm Fahrt auf. Den Teilnehmern des Treffens «Netzwerk Kommunale Fachpersonen Alter Kanton Zürich» im Birmensdorfer Gemeindezentrum Brüelmatt dürfte es beim aufdringlichen Betteln des vermeintlichen Enkels mulmig geworden sein.

Die Polizistin und Fachbeauftragte für den Seniorenschutz bei der Kantonspolizei Zürich Daniela Meury, die auf Anfrage des Netzwerks «Kommunale Fachpersonen Alter Kanton Zürich» ein Referat über die Fachstelle Seniorenschutz hielt, unterbrach die Aufnahme. Sie sagte: «In dieser Manier geht das nun noch rund zehn Minuten weiter. Es tut einem richtig leid, zu hören, wie diese Betrüger mit den Leuten umgehen. Es ist dreist und gemein.»

Bettelbetrüge haben zugenommen

Es gebe ganz unterschiedliche Betrugsmaschen, sagte Meury. Momentan hätten die Fälle von Enkeltrickbetrug ab und die Fälle von Bettelbetrug zugenommen, sagte sie. Dabei würden Leute direkt auf der Strasse angesprochen. Die Betrüger erzählten ihren Opfern, dass sie die Miete nicht bezahlen können, Krebs haben oder eine Operation bevorsteht. Daraufhin würden die Betrogenen, bei denen es sich oft um Senioren handle, Geld vom Bankomaten abheben und den Tätern ihre Adressen geben. Später stünden die Betrüger dann unangemeldet vor der Haustür ihrer Opfer und forderten noch mehr Geld.

«Wir hatten einen Fall, bei dem ein Senior über einen Zeitraum von anderthalb Jahren 294'000 Franken weitergegeben hat», sagte Meury. Der Senior habe immer wieder Geld ausgehändigt, da er so unter Druck gesetzt worden sei.

«Es geht jedoch nicht in erster Linie um Zahlen», sagte die Polizistin und Fachbeauftragte für Seniorenschutz, Daniela Meury.

«Es geht jedoch nicht in erster Linie um Zahlen», sagte die Polizistin und Fachbeauftragte für Seniorenschutz, Daniela Meury.

Lydia Lippuner

Bislang wurden der Fachstelle 2000 Fälle gemeldet

Die Fachstelle für Seniorenschutz der Kapo Zürich kümmert sich darum, dass solche Fälle ans Licht kommen und Senioren sowie deren Umfeld sensibilisiert werden. Dabei gehe es nicht in erster Linie darum, die Senioren direkt zu beraten, sondern sie zu informieren und sie allenfalls an Fachleute weiterzuvermitteln. Die Fachstelle existiert seit zwei Jahren und hat in dieser Zeit laut Meury schon rund 2000 Fälle bearbeitet. «Es geht jedoch nicht in erster Linie um Zahlen», sagte Meury. Sondern darum, Licht ins Dunkle zu bringen und Opfern die Scham vor dem erlittenen Betrug zu nehmen. Die Kantonspolizei sei für eine solche Aufgabe prädestiniert, da sie gut vernetzt sei und hierarchisch arbeite, sagte Meury.

Im Referat klärten Meury und ihre Kollegin, die Gerontologin Agnes Leukens, auch über Fälle von Verwahrlosung oder häuslicher Gewalt an Senioren auf – und wie man Anzeichen dafür erkennen könne. Zum Beispiel wiesen blaue Flecken in der Achselgegend oder Oberschenkelinnenseiten auf eine Misshandlung hin, sagte Leukens. Und:

«Man hat oft ein Bauchgefühl, dass irgendetwas seltsam ist.»

Laut Leukens spielen sich aber immer noch viele Gewalt-, Verwahrlosung- und Betrugsdelikte hinter verschlossenen Türen ab. So komme es beispielsweise bei nur gerade einem Drittel der Betrugsdelikte zu einer Anzeige, sagte Leukens. Es gebe also noch viel Arbeit, bis die Leute besser sensibilisiert seien. Auch sei das Bedürfnis nach Information und Vernetzung gross: Das Angebot sei auf offene Ohren gestossen, sagte Meury auf Nachfrage.

Falsche Polizisten rufen auch Limmattaler an

Gemeindepräsident Ernst Brand (parteilos) sagte: «Es ist wichtig, dass man miteinander Probleme lösen kann. So kommt man besser zum Ziel.»

Gemeindepräsident Ernst Brand (parteilos) sagte: «Es ist wichtig, dass man miteinander Probleme lösen kann. So kommt man besser zum Ziel.»

Lydia Lippuner

Dass das Angebot gut ankommt, zeigte sich auch bei einer Befragung der Zuhörerinnen nach dem Vortrag. Simone Anna Heitlinger ist Gerontologin und OK-Mitglied der Regionalgruppe Dietikon, die den Anlass im Gemeindezentrum Brüelmatt organisiert hat. Sie war begeistert vom Treffen und der kantonalen Fachstelle Seniorenschutz. Sie habe Letztere auch schon kontaktiert.

Auch für Kathrin Schäpper von der Koordinations- und Beratungsstelle in Schlieren war der Anlass interessant. «Es ist wichtig, zu netzwerken», sagte sie. Der Seniorenschutz sei auch in ihrer Arbeit ein grosses Thema. «Wir hatten schon Anrufe von falschen Polizisten», sagte sie. Zudem hätten auch schon Bettler die Senioren in der Alterssiedlung besucht und bedrängt. Deshalb sei der Schutz für die Senioren, den die Fachstelle fördern wolle, auch für das Limmattal von Interesse.

Ernst Brand (parteilos), Birmensdorfer Gemeindepräsident, war zu Beginn des Nachmittags ebenfalls zugegen. Er legte den Fokus auf die Zusammenarbeit der Generationen. «Es ist wichtig, dass man miteinander Probleme lösen kann», sagte er. So komme man besser zum Ziel.