Bezirksgericht Dietikon
Portugiese würgte Freundin fast zu Tode und legte Feuer im provisorischen Polizeigefängnis

«Es war ein heftiges Würgen», urteilte das Dietiker Gericht, nachdem es sich aussergewöhnlich lange zur Beratung zurückgezogen hatte. Der 25-jährige Täter erhält 18 Monate Freiheitsstrafe unbedingt und 8 Jahre Landesverweis.

David Egger
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Buch, Plastik und WC-Papier angezündet: Im provisorischen Polizeigefängnis (Propog) auf dem Zürcher Kasernenareal tickte der nun verurteilte Gewalttäter einmal mehr aus.

Buch, Plastik und WC-Papier angezündet: Im provisorischen Polizeigefängnis (Propog) auf dem Zürcher Kasernenareal tickte der nun verurteilte Gewalttäter einmal mehr aus.

Matthias Scharrer

Vor dem Gerichtssaal benannte der Staatsanwalt den Knackpunkt. Und sagte zur Verteidigerin: «Ihr Mandant hat einen Fehler gemacht – er ist in die Schweiz zurückgekommen.» Eigentlich wollte der heute 25 Jahre alte Portugiese nur für zwei Wochen im Land sein, doch dann klickten die Handschellen und seither, seit dem Februar 2020, ist er in Haft.

Zuerst im provisorischen Polizeigefängnis in ­Zürich. Dort zündete er am dritten Tag eine Plastikschaufel, ein Buch sowie eine Rolle WC-Papier an. Wegen den Löscharbeiten und dem Rauchgestank musste seine Zelle speziell gereinigt werden. Es folgten Aufenthalte im Gefängnis Cazis GR, in der Pöschwies in Regensdorf und zuletzt in Rheinau. Um die Psyche des Mannes steht es schlecht.

Der Portugiese war unter anderem in der Justizvollzugsanstalt Cazis in Graubünden inhaftiert.

Der Portugiese war unter anderem in der Justizvollzugsanstalt Cazis in Graubünden inhaftiert.

Keystone

Es war eine On-Off-Beziehung voller Leidenschaft

Die Anzeige, die zur Verhaftung führte, hatte seine Ex-Freundin, eine Frau aus dem Limmattal, im Jahr 2018 eingereicht. Damals ging die dreijährige Beziehung in die Brüche. Wegen Kleinigkeiten flammte Streit auf. Dann wieder Versöhnung, Trennung und dann wieder von vorne. Eine On-Off-Beziehung, bis der Mann nach Portugal ging.

Für die Frau und den Staatsanwalt war klar: Der Mann hat sie gewürgt, eingesperrt, bedroht und mit der Veröffentlichung von Nacktbildern zu nötigen versucht, die Beziehung mit ihm wieder aufzunehmen.

Für den Mann und die Verteidigerin war dagegen klar: Die Frau ist eine Lügnerin, eine Meisterin der Manipulation, der Staatsanwalt ebenso. Der Portugiese hingegen habe nur in der Wohnung der Ex-Freundin zwei Türen beschädigt. Dazu das Feuer im Polizeigefängnis. Sachbeschädigung und ansonsten Freispruch, verlangte die Verteidigerin. Der Staatsanwalt forderte vier Jahre und vier Monate Freiheitsstrafe. Und zehn Jahre Landesverweis.

Ein schwieriger Fall, zumal die Anklage total elf einzelne Taten umfasste und eindeutige Beweise Mangel­ware waren. Letzten Donnerstag nahmen sich die Dietiker Richterinnen unter dem Vorsitz von Benedikt Hofmann nach der Verhandlung am Morgen Zeit bis kurz nach 19 Uhr. Dann verkündete er das Urteil. Es lautete 18 Monate Freiheitsstrafe unbedingt und 8 Jahre Landesverweis. Dank Unter­suchungshaft und vorzeitigem Strafvollzug hat der Mann nur noch etwa drei Monate im Gefängnis vor sich.

Das Bezirksgericht brütete stundenlang über dem Urteil.

Das Bezirksgericht brütete stundenlang über dem Urteil.

Gabriele Heigl

Das Gericht erachtete es als erwiesen, dass der Portugiese die Frau für drei Tage gefangen hielt und sie in sehr konkrete Lebensgefahr brachte.

«Es war ein heftiges Würgen. Es gibt keinen Grund dafür, am eigentlichen Kern des Geschehens zu zweifeln»,

sagte Richter Hofmann. Und er fügte an: «Das genaue Motiv kennen wir nicht, aber es kann nur ­etwas Nichtiges ­gewesen sein. Man kann die Tat nur als ganz ­niedriges dominantes Gebaren qualifizieren.» Auch die Sachbeschädigungen und die Androhung, Nacktbilder zu veröffentlichen, erachtete das Gericht als erwiesen.

Zur Freiheitsstrafe hinzu kommt eine 200-Franken-Busse. Kann der Mann diese nicht bezahlen, muss er eine Woche länger im Gefängnis bleiben. Zudem werden ihm die Verfahrenskosten auferlegt.

Flughafen Lissabon: Sobald der Verurteilte seine Strafe fertig abgesessen hat, muss er die Schweiz verlassen. Er will zurück nach Portugal zu seinem Kind.

Flughafen Lissabon: Sobald der Verurteilte seine Strafe fertig abgesessen hat, muss er die Schweiz verlassen. Er will zurück nach Portugal zu seinem Kind.

Keystone

Der Portugiese will möglichst schnell zurück in seine Heimat, zu seiner neuen Freundin. Ob diese überhaupt noch etwas vom nun verurteilten Gewalttäter wissen will, steht in den Sternen. Nach seiner Verhaftung habe sie ein Kind von ihm geboren, sagte er. Der Mann ist mehrfach vorbestraft – wegen Hehlerei und Waffen, fahrlässigem Verstoss gegen das Personenbeförderungsgesetz und das Waffengesetz, Hinderung einer Amtshandlung und Hehlerei.

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