Statthalterwahl

Leimgrübler liegt vor Hofmann - Steffen weiss noch nicht, ob er nochmal antritt

Die Ausgangslage für den zweiten Wahlgang ist spannend: Adrian Leimgrübler erhält die meisten Stimmen, Simon Hofmann ist ihm dicht auf den Fersen. Ramon Steffen gelingt ein Achtungserfolg.

Sophie Rüesch
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Gäbe es nicht die Sache mit dem absoluten Mehr, wäre der neue Statthalter des Bezirks Dietikon der alte: Adrian Leimgrübler (FDP), der im Dezember 2015 nach 14 Jahren im Amt fristlos entlassen wurde, konnte gestern die meisten Stimmen für sich entscheiden. Weit hinter sich lässt er den Zweitplatzierten Simon Hofmann (FDP) aber nicht: Mit 5302 oder 36,3 Prozent der Stimmen liegt Leimgrübler nur 235 Stimmen vor dem Stadtzürcher und offiziellen Kandidaten der Bezirksparteien, der auf 5067 oder 34,7 Prozent der Stimmen kommt. Dass es zwischen Leimgrübler und Hofmann eng werden würde, war abzusehen. Die grosse Überraschung dieses ersten Wahlgangs ist das gute Abschneiden des Dritten im Bunde, Ramon Steffen (parteilos): Er konnte mit 4046 Stimmen 27,7 Prozent der Stimmen holen und sorgte so auch dafür, dass die beiden Favoriten das absolute Mehr von 7299 Stimmen bei weitem verfehlten.

Steffen entscheidet «in nächsten Tagen»

«Angesichts meiner Aussenseiterposition und beschränkten finanziellen Mitteln für den Wahlkampf bin ich ziemlich zufrieden mit dem Resultat», sagte ein entspannter Steffen gestern am Telefon. «Immerhin trennen mich nur sieben Prozent der Stimmen vom offiziellen Kandidaten.» Ob er angesichts des guten Abschneidens nun zum zweiten Wahlgang vom 21. Mai antreten will, liess er gestern noch offen: «Ich werde erst in den nächsten Tagen entscheiden, ob ich erneut antreten werde.»

Auf diesen Entscheid warten nun die anderen Kandidaten, die beide wieder antreten wollen, gespannt. Eine Einschätzung, wem Steffen die meisten Stimmen abgegraben hatte – und damit, wer von einem möglichen Verzicht Steffens im zweiten Wahlgang am meisten profitieren würde –, wagten gestern beide nicht. Klar ist für Leimgrübler nur: «Steffen konnte sicher deshalb viele Stimmen holen, weil das Stimmvolk verunsichert war.» Im intensiven Abstimmungskampf habe er eine Alternative zum im Strafverfahren verstrickten Ex-Statthalter und dem «im Limmattal völlig unbekannten Stadtzürcher» Hofmann geboten.

«Das Limmattal ist bereit für einen Neuanfang»

Dass ihm seine Ortsfremdheit zum Nachteil gegenüber dem Urlimmattaler Leimgrübler gereicht haben dürfte, räumt auch Hofmann selbst ein; auch die Vorwürfe der Befangenheit, die Steffen geäussert hatte, weil Hofmanns Vater Ueli zurzeit in Dietikon als Statthalter-Stellvertretern amtet, hätten ihm wohl geschadet. «Ganz glücklich bin ich schon nicht mit dem zweiten Platz», sagte Hofmann gestern, kurz nachdem die Resultate bekannt waren. Dennoch ist er froh, dass ihn nur ein kleiner Abstand zum Erstplatzierten trennt und er mit intakten Chancen in den zweiten Wahlgang gehen kann. «Ich entnehme diesem Resultat vor allem, dass das Limmattal bereit für einen Neuanfang ist.»

Die FDP des Bezirks Dietikon zeigte sich in einer gestrigen Mitteilung trotz Zweitplatzierung ihres Kandidaten glücklich über das Resultat. «Simon Hofmann konnte überzeugen, auch wenn er das absolute Mehr verfehlt hat.» Mit seinem «achtbaren» Resultat habe er «eine gute Ausgangslage für den zweiten Wahlgang geschaffen», in den die Bezirks-FDP mit ihrem «integeren, unbelasteten Kandidaten» und mit «grossen Elan» antreten werde.

Leimgrübler zeigte sich gestern sehr zufrieden mit seinem Resultat: «Ich freue mich, dass mir trotz aller Widerwärtigkeiten im Wahlkampf so viele Leute das Vertrauen ausgesprochen haben.» Mit dem ersten Platz hatte er nicht gerechnet, zumal die meisten Leute wohl bereits abgestimmt hätten, bevor die Staatsanwaltschaft bestätigte, dass sie das Strafverfahren gegen ihn einstellen wolle. «Jetzt, wo das Verfahren vom Tisch ist, schaue ich einem zweiten Wahlgang optimistisch entgegen», sagt Leimgrübler, der die letzten Monate als «sehr belastende Zeit» beschreibt. Unter diesen neuen Voraussetzungen hofft er, dass er ungeachtet der Entscheidung Steffens im zweiten Wahlgang von mehr Leuten als wählbarer Kandidat wahrgenommen wird als im ersten.

So intensiv und emotional der Abstimmungskampf auch geführt wurde: Allzu viele Stimmbürgerinnen und Stimmbürger lockte die Statthalterwahl, die üblicherweise in stiller Wahl entschieden wird, nicht an die Urne. Die Stimmbeteiligung im Bezirk betrug 34 Prozent.

Die Chronologie

  • Juli 2015: Aufgrund einer Beschwerde reicht der kantonale Ombudsmann bei der Oberstaatsanwaltschaft Anzeige gegen Statthalter Adrian Leimgrübler (FDP) wegen des Verdachts auf Begünstigung und Rechtspflegedelikte ein. Die Zürcher Justizdirektion gibt eine aufsichtsrechtliche Untersuchung in Auftrag.
  • August 2015: Gegen Leimgrübler wird ein Strafverfahren eingeleitet.
  • September 2015: Die Staatsanwaltschaft durchsucht das Statthalteramt. Leimgrübler wird freigestellt.
  • Dezember 2015: Die Justizdirektion entlässt Leimgrübler fristlos. Sie stützt sich dabei auf einen Bericht, der die Amtsführung im Statthalteramt Dietikon beleuchtet. Leimgrübler legt Rekurs ein.
  • Juli 2016: Die FDP des Bezirks Dietikon teilt mit, dass sie Leimgrübler für die kommende Wahl nicht mehr aufstellt.
  • September 2016: Die FDP nominiert Simon Hofmann als Kandidaten für die Statthalterwahl. Er wird von allen Parteien unterstützt. Leimgrübler gibt bekannt, dass er ebenfalls wieder antritt.
  • November 2016: Ramon Steffen (parteilos) kandidiert ebenfalls.
  • Mitte November 2016: Der Gesamtregierungsrat stützt den Entscheid der Justizdirektion und lehnt den Rekurs Leimgrüblers gegen seine fristlose Entlassung ab. Leimgrübler zieht den Rekurs ans Verwaltungsgericht weiter.
  • 7. Februar 2017: Die Staatsanwaltschaft bestätigt, dass das strafrechtliche Verfahren gegen Leimgrübler eingestellt werden soll. (BHI)