Pensionskasse

Kindergärtnerinnen benachteilt: Gewerkschaft wittert «Rentenklau»

Die Gewerkschaft VPOD wirft dem Kanton Zürich vor, die Kindergärtnerinnen bei den Pensionskassenbeiträgen benachteiligt zu haben. Das Volksschulamt weist den Vorwurf zurück.

Philipp Lenherr
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Kindergärtnerinnen mit einem vollen Pensum sind im Kanton Zürich neu zu 88 statt 100 Prozent angestellt. (Symbolbild)

Kindergärtnerinnen mit einem vollen Pensum sind im Kanton Zürich neu zu 88 statt 100 Prozent angestellt. (Symbolbild)

KEYSTONE

«Rentenklau bei Kindergartenlehrpersonen» lautet der Titel einer Mitteilung, die der Verband Personal öffentliche Dienste (VPOD) Zürich gestern verschickt hat. Der Vorwurf ist die Folge eines Lohnstreits, welche die klagenden Kindergärtnerinnen und Verbände kürzlich verloren haben. Vor etwas mehr als zwei Monaten hat das Bundesgericht ihre Klage wegen Lohndiskriminierung abgewiesen. Das Gericht sah keine Anhaltspunkte für die behauptete Lohndiskriminierung.

Früher hatte der Kanton Zürich für die Kindergartenlehrerinnen eine eigene Lohnkategorie. Der Lohn für ein volles Pensum entsprach 87 Prozent von demjenigen der Primarschullehrerinnen.

Auf Basis dieser früheren Regelung wurde auch das neue Arbeitszeit- und Lohnmodell erarbeitet. Dieses ist Bestandteil des neu definierten Berufsauftrags, der sowohl für die Kindergartenstufe wie auch die Primarstufe gilt und am 1. August in Kraft getreten ist. Die Kindergärtnerinnen werden nun nicht mehr in eine eigene Lohnklasse eingestuft, sondern in diejenige der Primarlehrpersonen. Bei Übernahme aller Lektionen einer Stelle beträgt der Beschäftigungsgrad jedoch nur 88 Prozent. Unter dem Strich ändert sich also fast nichts.

«Beiträge zurückbehalten»

Aber eben nur fast, wie jetzt der VPOD festgestellt hat. «Der Kanton hat die Arbeit auf Kindergartenstufe zu einer Teilzeitbeschäftigung degradiert. Gleichzeitig werden Kindergartenlehrpersonen als Vollbeschäftigte betrachtet, um rechtmässig geschuldete Sparbeiträge zurückzuhalten», wird Fabio Höhener, Gewerkschaftssekretär VPOD Lehrberufe, in der Mitteilung zitiert.

Tatsächlich führt der neue Anstellungsgrad von 88 Prozent zu Änderungen bei der beruflichen Vorsorge. Zur Berechnung des bei der Pensionskasse BVK versicherten Lohns wird der Koordinationsabzug vom Jahreseinkommen abgezogen. Bei einem Beschäftigungsgrad von 100 Prozent betrug der Koordinationsabzug im vergangenen Jahr 24 675 Franken. Bei Teilzeitangestellten entsprechend weniger, für 87 Prozent beispielsweise 21 467 Franken. Für die einzelnen Kindergartenlehrpersonen ist nun also der versicherte Lohn angestiegen. Das wiederum führt zu etwas höheren Arbeitnehmer- und Arbeitgeberbeiträgen, die einbezahlt werden müssen. Letztlich resultiert daraus eine höhere Rente.

VPOD fordert Nachzahlung

Der Vorwurf des VPOD bezieht sich nicht auf die neue, sondern auf die alte Regelung. Durch den vollen Koordinationsabzug seien den Kindergärtnerinnen Pensionskassenbeiträge entgangen. Der VPOD fordert vom Kanton eine rückwirkende Einzahlung dieser Beiträge. Beim Lohn sei man von einer Teizeitstelle ausgegangen – beim Koordinationsabzug aber nicht.

Marion Völger, Chefin des kantonalen Volksschulamts, weist den Vorwurf auf Anfrage zurück. «Bezüglich der Sozialleistungen ist die neue Regelung für die Kindergartenlehrpersonen vorteilhaft», sagt sie. Rückwirkende Forderungen liessen sich daraus aber nicht ableiten.

Erfolgreiche Lohndiskriminierungsklage

Die frühere Regelung basierte auf Verhandlungen, die der Kanton mit Arbeitnehmervertreterinnen – darunter auch dem VPOD – geführt hatte. 1999 hatten die Kindergärtnerinnen mit einer Lohndiskriminierungsklage Erfolg. Statt 80 der Prozent des Lohns von Primarschullehrpersonen wurden neu 87 Prozent bezahlt. Auch die Schaffung einer eigenen Lohnklasse und der Beschäftigungsgrad von 100 Prozent gehörten zur ausgehandelten Lösung.

Im Vergleich zu vielen privatwirtschaftlichen Arbeitgebern bietet der Kanton Zürich seinen Angestellten bezüglich Pensionskasse einzelne Vorteile: Dass der Koordinationsabzug bei Teilzeitangestellten reduziert wird, ist gesetzlich nicht vorgeschrieben. Wird dies nicht gemacht, hat es vor allem bei kleinen Pensen drastische Auswirkungen auf die Höhe der zukünftigen Rente. Und auch bei der Aufteilung der Beiträge zwischen Arbeitgeber und Arbeitnehmern weicht der Kanton zugunsten seiner Angestellten vom Gesetz ab: Der Kanton bezahlt das das anderthalbfache ein wie die Angestellten.