Uitikon

Filmclub-Präsident Willi Grau: «Die Kreativität ist grenzenlos»

Willi Grau ist Präsident der Vereinigung Zürcher Film- und Videoamateure und kommt vom Filmvirus nicht mehr los. Diese Leidenschaft zieht sich durch sein ganzes Leben und scheint für ihn kein Ende zu nehmen.

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Willi Grau

Willi Grau

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Der Samstag ist ein grosser Tag für den Uitiker Willi Grau, geboren 1946, Präsident der Vereinigung Zürcher Film- und Videoamateure. Dann findet in Uitikon das regionale Filmfestival der Nordostschweiz statt. Hier treffen sich die besten nicht professionellen Video-Autoren der Region und zeigen ihre Werke. Darunter ist mit «Lockruf vom Ende der Welt» auch ein 19-minütiges Werk von Willi Grau.
Mit der Konfirmation begann es
Angefangen hats bei Willi Grau, dem ehemaligen Wirtschaftsprüfer und Finanzvorstand der reformierten Kirchgemeinde, nach der Konfirmation. Er bekam eine 8-Millimeter-Filmkamera geschenkt. Später ging es weiter mit den Formaten Super-8, den analogen Video-Formaten 8 und Hi8 und schliesslich mit digitalem Video. Mittlerweile dreht er im High-Definition-Format.
Willi Grau hat im Laufe seines Lebens seine vierköpfige Familie gefilmt, hat den Alltag dokumentiert und diese Filme im Familienkreis gezeigt. Unspektakulär. «Ich hatte wegen des Berufs und der Familie zu wenig Zeit für Wettbewerbsfilme.»
Eine «dramatische Veränderung»
Seit der Pensionierung 2003 hat sich seine Situation «dramatisch verändert», wie er sagt. Denn: «Ich brauche sehr viel Zeit für das Hobby. Dramatisch heisst etwa, dass er im vergangenen November im kanadischen Churchill an der Hudson Bay in den Ferien weilte, um Eisbären zu filmen. 13 Stunden Filmmaterial sind dabei zusammengekommen.
Was macht er damit? «Dieses Material zu sichten und zu schneiden, braucht 200 bis 300 Stunden Zeit. Aber ich schreibe sie nicht auf. Es sind viele, viele Stunden», sagt er ohne Pathos in der Stimme. Im Jahr stellt er so zwei bis drei Projekte her und ist nebenbei noch Klubpräsident.
Dieses Hobby hat ihm eine Menge Auszeichnungen eingebracht. In seinem Schneideraum zu Hause im Dorfteil Ringlikon sind sie fein säuberlich aufgereiht. Es gibt Klubwettbewerbe, regionale Wettbewerbe wie in Uitikon, wo man sich für die Schweizer Wettbewerbe qualifizieren kann. «In die Schweiz-Wertung bin ich mit meinem Filmen fast immer gekommen.» Er hofft, dass dies mit seinem neusten Film, den er in Uitikon zeigt und der von der Tierwelt in der Antarktis handelt, wieder gelingt. Der Film dauert 19 Minuten, hergestellt ist er aus 16- bis 17-stündigem Rohmaterial.
Doch, Willi Grau hat Ambitionen mit seinen Amateurwerken und das sind sie alle. Es würde ihn reizen, die Schweiz einmal an der Unica, dem internationalen Amateurfilmfestival unter dem Patronat der Unesco, zu vertreten. Bis dahin reist er weiterhin in der Welt herum. Seine Ferien sucht er sich aber nur teilweise nach seinen Filmprojekten aus. Manchmal ist es auch nur Zufall. Seine Frau wollte nach Bhutan, so kam er zu seinem Film. Auch den Hausbau vor zehn Jahren begleitete er mit der Kamera.
«Das Schneiden ist eine Kunst»
Was ist das Faszinierendste am Filmen? Willi Grau kennt eine Fülle von Argumenten: «Es ist ungemein vielseitig. Die Kreativität ist grenzenlos, und es braucht gute Ideen, die es umzusetzen und zu gestalten gilt.» Dann, unverzichtbar für einen guten Film, ist die Dramaturgie, die den Zuschauer reinzieht. Ferner bezeichnet Willi Grau die Kameraführung als «starken Punkt von mir». «Auch einen professionellen Kommentar hinzukriegen, ist anspruchsvoll. Schliesslich kommt die Musik hinzu.» Er wähle aus bestehenden Stücken aus, doch gebe es Amateurfilmer, die selber komponierten.
Das Festival im Üdiker-Huus ist etwas dokumentarfilmlastig, zeigt aber laut Willi Grau dennoch ein breites Spektrum. Zu sehen sind unter anderem Animations- und Spielfilme. «Es richtet sich an die Klubmitglieder, aber auch an die Leute aus der Umgebung. Wir hoffen natürlich, dass der eine oder andere der Zuschauer Interesse an der Mitgliedschaft in einem Filmklub bekunden würde», so Grau. Denn das Durchschnittsalter der Klubmitglieder sei doch relativ hoch. «Junge machen schon kurze Filme, stellen sie auf Youtube, und das wars», hat Willi Grau die neuen Zeiten beobachtet.