Mein Ding

Dieser Schlieremer lebt seinen Bubentraum – und exportiert seine Ware bis nach Asien

Robert Huber hat sich nach einer schwierigen Zeit sein eigenes Geschäft aufgebaut: Er stellt Plattenspieler-Vorverstärker her. Mit seinem Beruf hat er seine Leidenschaften, die Musik und Elektronik, vereint.

Michelle Panza
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Robert Huber baut Plattenspieler-Vorverstärker

Robert Huber baut Plattenspieler-Vorverstärker

Michelle Panza

Robert Huber aus Schlieren stellt Plattenspieler-Vorverstärker mit einem eleganten Touch her. «Ich produziere Vorverstärker der gehobenen Klasse. Beispielsweise solche, die mit Gold verziert sind», sagt er. Seine Vorverstärker seien die teuersten der Welt. Dieses Produkt dürfte allerdings den wenigsten ein Begriff sein.

Bei einem Plattenspieler-Vorverstärker handelt es sich um ein Gerät, das man braucht, um Vinyl-Platten zu entzerren. Es verstärkt die tiefen Töne und dämpft die hohen. Der Kaufpreis variiert zwischen 55 000 und 80 000 Franken. Dabei sah es anfänglich nicht so aus, als ob Huber diesen Karriereweg einschlagen würde. Denn er absolvierte eine Lehre als Radio- und Fernsehelektriker. Anschliessend besuchte er das Abendtechnikum, wo er sich zum Elektroingenieur ausbilden liess.

Doch vor vier Jahren verlor er seine Arbeitsstelle, da das Unternehmen, für das er über 30 Jahre gearbeitet hatte, schliessen musste. «Ich stand im Alter von 52 Jahren auf der Strasse», sagt Huber. Er habe gewusst, dass er keinen Job mehr finden würde, da er für die meisten Stellen überqualifiziert und somit auch zu teuer sei, wie er sagt. Aus der Not machte er jedoch eine Tugend und wagte den Schritt in die Selbstständigkeit, was sich bald auszahlen sollte.

Einer seiner Plattenspieler-Vorverstärker. Seine Ausführungen sind mit echtem Gold versehen. 

Einer seiner Plattenspieler-Vorverstärker. Seine Ausführungen sind mit echtem Gold versehen. 

Michelle Panza

Von der Passion zum Beruf

Bereits von Anfang an stand fest, dass sein künftiges Geschäft etwas mit Musik beinhalten würde. «Ich spiele unter anderem Klavier, Orgel und Zugposaune», sagt er. Musik begleite ihn bereits sein Leben lang: «Es ist meine grösste Leidenschaft.» Sie sollte jedoch nicht die Einzige bleiben. Sein Faible für alles Elektronische entdeckte er erst ein Jahr, bevor er seine Lehrstelle antrat. «In den 70er- und 80er-Jahren haben Kollegen und ich viel herumgetüftelt», sagt er. Schon während seiner Zeit bei seinem früheren Arbeitgeber hat er experimentiert und mit einem Freund zusammen technisches Equipment hergestellt.

Seine Plattenspieler-Vorverstärker sind alle handgefertigt. Huber stellte seine ersten Exemplare kurz nach der Geschäftsgründung an einer Messe in München aus, wo gleich ein japanischer Händler auf ihn aufmerksam wurde. Dieser bot ihm an, seine Produkte in Japan zu vertreten. Von da an begann das Geschäft zu laufen. «Meine Produkte sind in den 50 bekanntesten Tonstudios der Welt anzutreffen», sagt Huber stolz.

Robert Huber stand auf der Strasse – doch er hat sich zurückgekämpft.

Robert Huber stand auf der Strasse – doch er hat sich zurückgekämpft.

Michelle Panza

«Möchte nicht stehen bleiben»

Huber hat sich seinen Traum erfüllt. Und es läuft gut. «Ich habe zum richtigen Zeitpunkt, das richtige Produkt auf den Markt gebracht», sagt er. Vor fünf oder sechs Jahren seien Plattenspieler plötzlich wieder in Mode gekommen. Das Geschäft floriert, sodass er inzwischen zwei Angestellte beschäftigt, die ihm in der Produktion unter die Arme greifen. Hier ist der Aufwand gross. Es dauert drei Monate, um zehn Stück herzustellen. Er exportiert sie nach Taiwan, Korea, Japan, China und Hongkong. Und in der Schweiz? «Ich habe gar keine Kapazitäten, um noch mehr zu produzieren», sagt Huber, lacht und verwirft die Hände. Denn er ist bereits an einem neuen Projekt: «Ich möchte nicht stehen bleiben. Ich bin daran, einen ultimativen Vorverstärker zu entwickeln, bei dem man verschiedene Geräte anschliessen kann.»