Mein Ding: Krankenmobilien reparieren

Artur Gantert: "Dafür hatte ich schon immer ein Händchen"

Artur Gantert ist Rentner und arbeitet unentgeltlich im Krankenmobilien-Magazin des Alters- und Gesundheitszentrums an der Oberdorfstrasse in Dietikon. Dabei beschäftigt sich der gelernte Automechaniker mit der Reparatur von Rollatoren, Krücken oder Rollstühlen.

Christian Tschümperlin
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Artur Gantert demonstriert, wie er einen Rollator repariert.

Artur Gantert demonstriert, wie er einen Rollator repariert.

Christian Tschümperlin

Menschen, die unentgeltlich etwas leisten, sind rar geworden. Einer davon ist Artur Gantert. Entspannt sitzt er im Krankenmobilien-Magazin im Untergeschoss des Alters- und Gesundheitszentrums an der Oberdorfstrasse in Dietikon und sagt: «Man darf auch mal etwas machen, ohne Geld dafür zu verlangen.» Ganters Lohn ist die Freude an der Arbeit. «Nichts tun ist nicht mein Ding», sagt der inzwischen 73-Jährige. Seit seiner Pensionierung ist der Dietiker froh um jede Abwechslung.

Auf seine nachberufliche Herausforderung stiess er als frischgebackener Rentner an der alle zwei Jahre durchgeführten Infoveranstaltung des Seniorenrates Dietikon für Neusenioren. Verschiedene Vereinigungen stellten sich vor, so auch der Verein Krankenmobilien Limmattal (KML), der ein Magazin betreibt, das Rollatoren, Krücken oder Rollstühle an Pflegebedürftige abgibt. Dem gelernten Automechaniker entging nicht, dass auch Krankenmobilien der Reparatur bedürfen.

Er dachte nicht lange nach und meldete sich spontan als freiwilliger Werkstatttüftler. Für die Präsidentin des KML, Margrith Stähli, ein Glücksfall. «Früher mussten wir für Reparaturen Externe beauftragen», sagt sie. «Jetzt haben wir einen Profi im Haus. Herr Gantert wirkt sehr bescheiden im Hintergrund, fast unsichtbar. Er ist unser Sechser im Lotto.»

Ein Händchen für Mechanik

Die Freude des stillen Schaffers an seiner jetzigen Betätigung kommt nicht von ungefähr. Gantert wuchs auf einem Bauernhof nahe der baden-württembergischen Stadt Stetten auf. Dort kam er schon früh mit Maschinen in Berührung und reparierte etwa Traktoren. «Dafür hatte ich schon immer ein Händchen», sagt er. Später wählte er deshalb eine Lehre zum Automechaniker. Die Gefährte, mit denen er sich heute befasst, sind zwar um einiges langsamer, dennoch bereiten sie ihm Freude. Denn dank ihnen weiss Gantert etwas Sinnvolles mit seiner Zeit anzufangen. «So bist du noch für etwas da», sagt er.

Im Lager reihen sich Rollstühle, Rollatoren, Rollator-Rollstuhl-Kombinationen sowie der neueste Verkaufshit, Rollatoren mit integriertem Einkaufswagen, aneinander. «Seit ich hier arbeite, haben sich die Rollatoren nicht grundlegend verändert», sagt Gantert. Das alles sei eher unspektakulär. Auf Nachfrage weiss er dann aber doch zu erzählen, dass die Rollatoren etwas leichter geworden sind, da die neuen Modelle aus Aluminium gebaut sind.

Nicht verändert hat sich der Umstand, dass die Kugellager der Räder manchmal ausschlagen, wie es im Fachjargon heisst, oder dass die Bremsdrähte irgendwo hängenbleiben und abreissen. Für ihn ist das Ersetzen von Kugellagern oder Drähten ein Kinderspiel. «Wenn man nicht zwei linke Hände hat, repariert man das mit links», sagt Gantert.

Krankenmobilien für die Ukraine

Es klopft an der Tür. Ein älterer Herr steht an der Schwelle und erwähnt den Tod seiner Schwiegermutter. «Wir haben noch einen fast neuen Rollstuhl zu Hause», sagt er. Stähli verweist den Herrn an die Verwalterin, Ganters Arbeitskollegin, die für den Kundenkontakt zuständig ist. «Rollstühle in gutem Zustand kaufen wir ab und vermieten sie an unsere Kunden weiter», sagt Stähli.

Etwas ältere Krankenmobilien dagegen werden an ausländische Hilfswerke verschenkt, etwa in die Ukraine. «Die Standards in der Schweiz sind hoch», sagt Gantert. Auch die Krankenmobilien, die in die Ukraine gingen, seien noch absolut brauchbar.

Seine Beschäftigung im Krankenmobilien-Magazin bedeutet ihm viel. Leider wurden seine Herzprobleme in letzter Zeit schlimmer. Wie lange er noch die Kraft hat, Rollatoren zu reparieren, steht in den Sternen. Gantert hofft deshalb, in absehbarer Zeit einen würdigen Nachfolger zu finden.