Corona-Massnahmen

Ab Montag gilt an Zürcher Schulen Maskenpflicht für Erwachsene: Das sagen Limmattaler Schulleiter

Dass Erwachsene das Schulareal bald nur noch mit Maske betreten dürfen, stösst bei den Schulleitern auf Verständnis. In der Primarschule Birmensdorf thematisiert man das Szenario einer zweiten Schulschliessung.

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Auch in Weiningen werden Erwachsene ab dem Schulbeginn am Montag auf dem Schulareal Masken tragen müssen.

Auch in Weiningen werden Erwachsene ab dem Schulbeginn am Montag auf dem Schulareal Masken tragen müssen.

Limmattaler Zeitung

Ab kommendem Montag gilt bis Ende Jahr auf Schularealen im Kanton Zürich für Erwachsene Maskenpflicht. Dies teilte die Bildungsdirektion am Donnerstag mit. Damit soll der Schul- und Lehrbetrieb möglichst uneingeschränkt aufrechterhalten werden, wie es in der Mitteilung heisst. Bislang seien bei Coronafällen oft umfassende Quarantänemassnahmen nötig gewesen. Mit einer Maskenpflicht liessen sich diese reduzieren (siehe Zweittext unten).

Bei den Schulleitern in der Region stösst dieser Entscheid auf Verständnis: «Ich unterstütze die neue Regel», sagt beispielsweise Martin Stalder, Schulleiter der Oberstufe Weiningen. «Sie ist ein Zeichen dafür, dass wir das Coronavirus ernst nehmen.» Auch wenn man sich über die Wirkung einer Maskenpflicht auf dem ganzen Schulareal streiten könne, finde er die Schutzmassnahme sinnvoll, sagt er. «Würde unter den Lehrern unserer Schule das Virus ausbrechen, hätten wir aufgrund der Quarantäneregeln ein Problem.» Die Maskenpflicht sei eine einfach umzusetzende Massnahme. Da die Eltern bisher schon dazu angehalten waren, das Schulgelände nicht zu betreten, richte sich die Massnahme vor allem an die Lehrpersonen und die anderen Mitarbeiter der Schule. «Bis jetzt haben nur Personen aus der Risikogruppe zwingend eine Maske tragen müssen.»

Arbeit mit Kindern soll möglichst uneingeschränkt funktionieren

Ob die Maskenpflicht nur während der Schulzeit oder auch beispielsweise abends gilt, ist für Stalder noch nicht klar. «Wir werden die Regel auf jeden Fall mit Vernunft umsetzen. Wenn zum Beispiel bei einem Elterngespräch die Abstandsregel eingehalten werden kann, werden wir die Eltern nicht zwingen, eine Maske zu tragen», sagt er. Tobias Rohrer, Schulleiter der Primarschule Birmensdorf, sagt hingegen: «Gemäss unseren aktuellen Informationen verstehen wir die Maskenpflicht so, dass auch der abendliche Gang ins Yoga in der schulischen Turnhalle der Regel unterliegt.»

Auch Rohrer findet die erweiterte Maskenpflicht im Schulbetrieb vertretbar. «Wir sind uns mittlerweile an Schutzmassnahmen wie das Abstandhalten gewöhnt. Das Maskentragen kennen wir schon aus den Läden», sagt er. Er sei froh, dass die Lehrpersonen in den Klassenzimmern keine Masken tragen müssen, sofern der Abstand nicht länger als 15 Minuten weniger als anderthalb Meter beträgt. «Sonst hätte ich Vorbehalte gegenüber der Maskenpflicht», sagt er. «Die Arbeit mit den jungen Kindern soll möglichst uneingeschränkt funktionieren.» Da die neue Regel eine Erweiterung des schon bestehenden Schutzkonzepts der Schule sei, sieht Rohrer keine Schwierigkeiten in deren Umsetzung.

Ein Problem, das sich aus einerstrengen Maskenpflicht ergeben kann, zeigt sich auf dem Boden: Überall liegen gebrauchte Einwegmasken herum. Für Stalder ist aber klar, dass sich dieses Problem auf dem Schulareal aufgrund der neuen Maskenpflicht nicht verschärfen wird. «Da nur Erwachsene von der Regel betroffen sind, bin ich sicher, dass diese ihre Masken korrekt entsorgen werden», sagt er.

Birmensdorf thematisiert das Szenario einer Schulschliessung

«Vorbereitungen für einen möglichen zweiten Lockdown haben wir noch nicht getroffen», sagt Stalder. Er könne nicht beurteilen, ob es zu einem solchen kommen werde. Die Schule könnte aber auf jeden Fall von den Erfahrungen vom Frühling profitieren. «Ich wäre froh, wenn ein allfälliger zweiter Lockdown keine solche Hauruck-Übung wäre wie der erste.» Eine halbe Woche Vorbereitungszeit würde genügen. «Im März wurde am Freitag nach Schulschluss kommuniziert, dass die Schulen am Montag geschlossen werden.»

In Birmensdorf thematisiere man das Szenario einer möglichen zweiten Schulschliessung, sagt Rohrer. «Im März hat schliesslich kaum jemand an einen Lockdown geglaubt.» Zudem seien auch konkrete Massnahmen ausgearbeitet worden, die in Kraft treten würden, wenn eine ganze Klasse in Quarantäne gehen müsste, sagt er.

Fast 800 Schüler standen bisher im Kanton Zürich unter Quarantäne

In den Zürcher Schulen gilt ab kommenden Montag eine Maskenpflicht für Erwachsene. Nebst den Schulgebäuden gelten die Regeln auch in Betreuungsräumen, Sporthallen und auf den Pausenplätzen. Im Unterricht allerdings gilt die Maskenpflicht nicht, falls der Mindestabstand von eineinhalb Metern eingehalten werden kann oder wenn Lehrer und Schüler mit Plexiglaswänden voneinander getrennt sind. Die Massnahme gilt vorerst bis Ende Jahr, kann jedoch je nach epidemiologischer Lage verkürzt oder verlängert werden.

Betroffen sind von den Massnahmen nebst den Lehrpersonen auch das Schulpersonal, Behördenmitglieder oder Eltern. Für Schülerinnen und Schüler sowie Lernende gilt die Regel an den Schulen der Gymnasialstufe und der höheren Berufsbildung.

Harte Quarantäne

Die Zürcher Bildungsdirektion begründet den Schritt mit den stark steigenden Corona-Fallzahlen in den vergangenen Wochen. Allerdings geht es laut Bildungsdirektorin und Regierungspräsidentin Silvia Steiner (CVP) nicht nur um die Ansteckungen an sich, die man vermeiden will: «Im Vordergrund steht die Vermeidung der Quarantäne.» Werde eine solche angeordnet, seien die Massnahmen sehr hart. «Dann sind die Kinder zuhause eingesperrt», sagt Steiner. Für die Eltern sei die Betreuung dann nur zu stemmen, wenn sie etwa Ferien nehmen könnten. Solche Situationen wolle man vermeiden.

Ein Szenario, das im Kanton Zürich seit dem Schulbeginn im August mehrfach eingetreten ist. An der Volksschule mussten kantonsweit bis zu den Herbstferien 30 Klassen unter Quarantäne gestellt werden, dazu 4 Horte. Betroffen von diesen Massnahmen waren 795 Schülerinnen und Schüler, dazu 96 Erwachsene. Laut der Bildungsdirektion folgten Quarantänemassnahmen an vielen Orten, weil die Abstände nicht eingehalten worden sind. Auf Volkschulstufe wurden bis zu den Herbstferien 60 Erwachsene positiv auf das Coronavirus getestet, dazu 86 Schülerinnen und Schüler. Gemessen an die vielen Personen im Schulbereich – 160’000 im Bereich der Volksschule – seien diese Zahlen gering, sagt Silvia Steiner.

Auf der Gymnasialstufe ist das Verhältnis der Angesteckten ausgeprägter: Dort steckten sich 153 Schülerinnen und Schüler mit dem Coronavirus an, aber nur zwei Lehrpersonen. Dazu kommen zwei Fälle in Schulsekretariaten und ein positiver Fall einer Gesangslehrperson. Die Fälle verteilen sich in der Sekundarstufe auf insgesamt 60’000 Personen.

Mit Masken schlechter zu verstehen

Auch wenn die Bildungsdirektorin in Sachen Fallzahlen in den Schulen beschwichtigt, stellt sich bei den neuen Massnahmen eine Frage: Warum gilt die Maskenpflicht ausgerechnet im Unterricht nicht – also dort, wo laut gesprochen wird und die Gefahr von Tröpfcheninfektionen deshalb laut Wissenschaftlern umso grösser ist? Silvia Steiner sagt dazu, unterrichtende Lehrpersonen seien nicht mit laut singenden Opernsängern zu vergleichen. «Was sich bewährt hat, daran halten wir fest.» Mit Masken sei man im Unterricht schlechter zu verstehen und viele Schulen hätten in Plexiglasscheiben investiert. Zudem seien meist die Erwachsenen untereinander, die sich anstecken würden. Zu den Schutzmassnahmen zählt auch das regelmässige Lüften.

Die Zürcher Bildungsdirektion sagt, die meisten Ansteckungen würden – wo bekannt – in Freizeit und Familie geschehen. Es gebe aber auch zunehmend Fälle in Schulen selbst, etwa in Sekundarschulen oder in einem Klassenlager.