Leserbeitrag
Wenn das Leben Purzelbäume schlägt

Regula Santschi
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Am 29. April besuchte der amtierende Mister Handicap Michael Fässler die Schüler von Pfr. Samuel Stucki und Gilbert Schuppli, in Riedholz.

Manchmal schlägt das Leben Purzelbäume. Manchmal nimmt unser Leben eine plötzliche Wende. Es gibt Tage, da gehen wir am Abend als andere Menschen zu Bett, als wir am Morgen aufgestanden sind. Manchmal schlägt das Schicksal Purzelbäume.

Einen solchen Purzelbaum hat Michael Fässler erlebt. Er war ein begeisterter Sportler. Er war wie geboren für das Eis. Er war ein ehrgeiziger junger Mann. Seine Leidenschaft war das Hockeyspiel. Und dann kam jener Tag im November 2005. Michael war in Bern beim SCB im Training. Er merkt, wie er plötzlich den Stock nicht mehr in der Hand greifen konnte. Er fällt ihm aus den Händen. Michael fällt selber zu Boden, umringt von seinen Kollegen. - Michael erleidet eine Hirnblutung. Er fällt in eine tiefe Bewusstlosigkeit. Für mehr als sechs Wochen! Er wird linksseitig gelähmt. Er muss neu anfangen. Ganz von vorne. Jede alltägliche Verrichtung wird zur Herausforderung. Eine lange Zeit der Rehabilitation mit Tiefschlägen und Höhenflügen.

Michael hat sich in all dem auch die Frage gestellt: warum? Warum musste mir das passieren? Michael zweifelte. Da sagte ihm ein junger Mensch: „Michael, Eishockey war dein Leben. Nun hast Du eine neue Aufgabe erhalten.“ Die Aufgabe, auch mit einer Behinderung ein glückliches und erfülltes Leben zu leben. Diese neue Aufgabe will Michael angehen und erfüllen.

Für Michael ist sein Schicksalsschlag nicht der Anlass, das Leben aufzugeben. Er jammert nicht. Sondern er konzentriert sich auf das, was er noch kann. Sein Handicap ist darum für ihn: seine Stärke. Genau so wie im Golfsport das Handicap die Stärke angibt! Für Michael Fässler ist sein Handicap, seine Behinderung, nicht eine Schwäche, sondern eine Stärke.

Im letzten Jahr wurde er in Luzern zum nationalen Mister Handicap gewählt. Er ist nun Botschafter für Menschen mit einer Behinderung. Michael erfüllt diese Aufgabe mit Begeisterung. Seine Worte sind eindrücklich, gehen tief. Er ruft die Menschen dazu auf, das eigene Leben zu lieben, mit allem was dazugehört. Wenn man ihm zuhört, dann spürt man eine tiefe Dankbarkeit. Dankbarkeit für jeden einzelnen Tag des Lebens, ja für jeden einzelnen Atemzug. Denn nichts ist selbstverständlich.

Im Spital sah er jeden Morgen die Sonne aufgehen. Er entdeckte, dass jeder Tag etwas Besonderes ist.

Seit 2007 ist Michael im Nationalkader für Tischtennis im Rollstuhl. Am 28. April 2013 hat er eines seiner Ziele erreicht: er wurde Schweizermeister. Nun will er weiter. Michael ist handicapiert. Sein Lebensschicksal hat Purzelbäume geschlagen. Aber die Welt steht im offen. Die Welt da draußen, und die Welt in den Herzen der Menschen.

Pfr. Samuel Stucki, Riedholz.

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