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«Was unser Strom wirklich kostet»: Sehr gut besuchtes Podium im Naturama

Marcel Siegrist
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Die Entwicklung der Strompreise nehmen zur Zeit in der Medienberichterstattung breiten Raum ein. Diesem kontrovers diskutierten Thema ging der Verein KAAZ! am vergangenen Freitagabend in einer öffentlichen Podiumsdiskussion auf den Grund.

Rund 50 Interessierte besuchten die Veranstaltung, die von Dr. Rudolf Rechsteiner, alt Nationalrat und Energieexperte, mit einem Inputreferat eröffnet wurde. Rudolf Rechsteiner zeigte auf, inwiefern die erneuerbaren Energien dazu beitragen, die Strompreise zu senken. So beispielsweise die Produktion von Solarstrom in der Mittagszeit am Höchsten. So steht genügend Strom zur Verfügung und die früheren Höchstpreise für Strom in dieser Tagesperiode sind völlig eingebrochen. Dagegen haben sich die Preise für fossile Energie in den vergangenen 15 Jahren beinahe verdoppelt. Insofern tragen die neuen Methoden zur Gewinnung erneuerbarer Energie letztlich zur Senkung der Strompreise bei.

Am anschliessenden Podium nahmen Dr. Hans-Kaspar Schrrer (CEO, Industrielle Betriebe der Stadt Aarau), Beat Flach (Nationalrat GLP) und Dr. Reto Müller (Präsident AVES, Aktion für eine vernünftige Energiepolitik Schweiz) teil. Stefan Ulrich (Journalist, srf) leitete das Podium kompetent und sicher und führte die Teilnehmer immer wieder zu den Kernfragen des Abends zurück: Sind die Kosten für Atomstrom bisher zu günstig veranschlagt worden? Stimmt es, dass die Produktion von Strom aus erneuerbaren Energiequellen hoch subventioniert ist? In der Diskussion spiegelte sich die ganze Komplexität dieser Fragestellungen wieder. Einig war man sich darin, dass die Strompreise heute grundsätzlich zu tief sind, denn das grösste Potential für die Energiewende liegt in der Energieeffizienz, d.h. im Einsparen von Energie (Gebäude, Herstellungsprozesse etc.). Mit einem tiefen Strompreis werden hier falsche Anreize gesetzt. Tiefe Strompreise haben zur Folge, dass es schwierig wird, bestehende Kraftwerke zu erneuern.

Uneinig waren sie die Podiumsteilnehmer darin, ob die Preise für Atomstrom zu tief veranschlagt sind. Vor allem sind die Fonds für die Nachsorgekosten (Atommüll-Lagerung) sind nicht genügend alimentiert. Diese Kosten wird wohl tatsächlich die Allgemeinheit tragen müssen.

Die Podiumsteilnehmer diskutierten engagiert, sachkundig und fair. Das verstehen wir unter politischer Meinungsbildung und nicht das abspulen von auswendig gelernten und polarisierenden Statements. Das Publikum dankte es und stellte viele Fragen. Die Diskussionen wurden beim reichhaltigen Apéro weitergeführt unter dem Motto: Bleiben wir im Gespräch!

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