Leserbeitrag
Verbote sind einfach. Lösungen sind schwer.

Christian Denzler
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43 ParlamentarierInnen wollen die Prostitution verbieten. Als Grund wird das Verhindern des Menschenhandels vorgeschoben. Nützen wird es nichts aber Gewissen beruhigen.

Oft ist ein Verbot die schnellste und günstigste Reaktion auf ein Problem. Selten ist es jedoch eine wirkliche Lösung. Man vermeidet so die Auseinandersetzung damit. Durch das Verbot der Prostitution werden Prostituierte und Freier kriminalisiert, die jedoch in keinster Weise kriminell sind. Die Begründung, dass Frauen keine Ware sind und Sex nicht käuflich und somit jeder Mann, der eine solche Dienstleistung bezieht, die Strafe verdient hat (steht so nirgends, liest sich aber ganz leicht zwischen den Zeilen dieses Vorstosses) hinkt.

Falsches Bild von Prostituierten
Selbstverständlich ist die Frau keine Ware. Sex aber sehr wohl käuflich. Die Frauen in dem Gewerbe sind Dienstleisterinnen und bieten einen kostenpflichtigen Service an. Nicht mehr nicht weniger. Sie sind genauso sehr eine Ware wie wir alle, die wir als human Ressource in irgendeinem Dienstleistungsbetrieb arbeiten und uns täglich für Geld prostituieren (sorry aber ist in vielen Fällen so). Aus Sicht der Wirtschaft sind wir längst keine Menschen mehr, sondern Ressourcen, mit denen gerechnet werden, kann, die man streicht und wieder dazuholt. Wer Prostitution abschaffen will, muss die Wirtschaft abschaffen. Es muss endlich eine Enttabuisierung der Prostitution stattfinden. Wir müssen von dem «Prostitution-gleich-schlecht-Denken» wegkommen. Prostitution ist nicht schlecht so lange sie aus freien Stücken geschieht.

Frauen zu kriminalisieren, die sich bewusst für diesen Weg entschieden haben und mit dem Erbringen dieser Dienstleistung kein Problem haben wie auch Männer, die diesen Service konsumieren, ist durch und durch sinnlos ja sogar kontraproduktiv.

Menschenhandel bekämpfen, nicht eine Berufsgattung
Ja ich sage bewusst «Berufsgattung» denn als solches sollte das Ganze angesehen werden. Wer sind wir, dass wir jemandem vorschreiben wollen, wie er oder sie sein Geld zu verdienen hat (solange es keinem schadet) nur weil Prostitution nicht in unser ideologisches Weltbild passt? Wir reden hier wohlverstanden von freiwilliger Arbeit. Dass es auf den illegalen Strassenstrichen eine enorme Anzahl von Frauen gibt, die von der Strasse weg entführt und verschleppt wurden, um bei uns anzuschaffen, ist ein trauriger Fakt. Deswegen eine ganze Berufsgruppe und ihre Kundschaft zu Kriminallisieren ändert daran aber nichts. Dem Menschenhandel müssen wir anders Herr werden. Folgende Massnahmen könnten aktiv dem Menschenhandel entgegenwirken:

  • Strassenstriche gehören geschlossen und staatlich geprüfte Bordelle und/oder Striche à la Zürich Altstetten gehören installiert
  • Die Frauen benötigen einfachen Zugang zu Beratungen und Schutz vor Ausschaffung oder Strafe wenn sie zur Polizei gehen
  • Prostitution muss als Beruf anerkannt und enttabuisiert werden. Dass heisst staatlich geprüfte Arbeitsverträge mit Ferien, Sozialleistungen usw. in einem Arbeitnehmerverhältnis mit dem Bordell oder sie sind als selbständig erwerbend registriert mit allen Rechten und Pflichten
  • Prostituierte müssen Auflagen erfüllen (regelmässige Gesundheitschecks z. B.) usw.

Prostitution gehört genauso kontrolliert, wie jedes andere Berufsfeld auch. Dass das nicht ohne Aufwand und Geld zu machen ist, ist mir bewusst. Wir können aber nicht immer verlangen, dass der Staat gewisse Dinge regelt, überprüft und durchsetzt, dafür aber weder Geld noch Ressourcen aufwenden darf. Wenn wir das Problem ernsthaft angehen wollen, müssen wir investieren und auch ein wenig mehr Bürokratie in kauf nehmen. Ohne geht es nämlich nicht.

Wir müssen heute Aufklärung betreiben und die Polizei sensibilisieren, damit sie erkennen, welche Frauen freiwillig arbeiten und welche allenfalls gezwungen werden.

Das Problem wirklich lösen kostet. Wer keine grossen Kosten will, ist für Verbote.

Ursache Kapitalismus
Der Grund für Prostitution ist nicht der Menschenhandel, sondern der Kapitalismus. Das wusste schon Karl Marx. Ein System dass einen zwingt Geld zu verdienen aber nicht allen dieselben Chancen einräumt in Sachen Bildung, Arbeitssuche usw. bietet einen wunderbaren Nährboden für die Prostitution.

Der Menschenhandel kann durch Prostitution verstärkt werden, ist aber sicher nicht wegen der Prostitution entstanden. Um effektiv etwas gegen Prostitution zu unternehmen, müssen wir das System ändern. Wir müssen den Lebenshaltungsdruck von den Menschen nehmen und ihnen wieder Luft geben zum Atmen. Ich hoffe, dass die 43 ParlamentarierInnen, die diesen Vorstoss unterstützen, ebenfalls für ein bedingungsloses Grundeinkommen sind. Denn damit wird Prostitution massiv besser bekämpft als über starre Verbote.

Ich sehe diesen Vorstoss als Möglichkeit, über die Thematik zu diskutieren und allenfalls brauchbare Lösungen zu erarbeiten. Ein Verbot gehört aber definitiv nicht dazu.

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