Leserbeitrag
«Rezepte» für eine gute eheliche Partnerschaft?

Marcel Siegrist
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Glückliche und andauernde Partnerschaft braucht Kompetenzen des Einzelnen sowie Kompetenzen des Paares, nämlich wie sie miteinander kommunizieren, ob und wie sie für Probleme Lösungen finden und wie sie in Stresssituationen miteinander kooperieren können. Lic. phil. Diethelm Raff, der Leiter des Bildungszentrum für Psychologie und Erziehung in Meilen erläute an der Delegiertenversammlung der Ökumenischen Eheberatungsstelle Lenzburg-Freiamt-Seetal in Widen (Kästchen), wie aufgrund dieser Erkenntnis zusammen mit den Rat suchenden Paaren eigene „Rezepte“ zur Stärkung der obgenannten Kompetenzen entwickelt werden können.

Eine begückende und dauerhafte Partnerschaft, in der Liebe, gegenseitiger Respekt, Zärtlicheit und Treue beider Partner verbinden, gehört für die meisten Menschen zum Wichtigsten in ihrem Leben. Um diesen sehnlichen Wunsch zu verwirklichen, gibt es Grundvoraussetzungen, die unabdingbar sind. Durch intensive Forschung auch über die unbewussten Abläufe beim Zusammenleben, weiss man heute mehr über die Ursachen für das Scheitern, für das Nichtfinden von Lösungen. Einfache Rezepte zur Abhilfe gibt es leider keine, Grundregeln aber schon.

Partnerschaft ist eine Aufgabe und kein Glücksfall oder Schicksal, das eben gelingt oder scheitert. Diese Aufgabe ist zu bewältigen, wenn man in der Lage ist, Alltagsschwierigkeiten zu bewältigen. Dazu sind drei Grundkompetenzen Voraussetzung: Kommunikation, Fähigkeit zur Problemlösung und zur Bewältigung sogenannt stressiger Situationen.

Kommunikation. Wie kommunizieren Paare? Zufriedene, glückliche Paare geben sich Wärme, Aufmerksamkeit, Zärtlichkeit, sie drücken ihr Wohlwollen aus. Sie bringen einander Mitgefühl und des Verständnis entgegen, auch wenn sie unterschiedlicher Meinung sind. Unzufriedene Partnerschaft ensteht durch Ablehnung, Abwehr, Verteidigungshaltung und Gegenangriffe gegenüber dem Partner, der eine andere Meinung vertritt.

Kommunikation ist eine Kompetenz, eine Fertigkeit, die gelernt werden kann wie andere Fertigkeiten auch.

Problemlösung. Probleme in besonders schwierigen Situationen kann nur lösen, wer auch Alltagsprobleme lösen kann. Im Alltag zeigt sich, wie weit und wie oft man sich motivieren kann, wie man sich organisieren, Aufgaben sinnvoll bewältigen und vorankommen kann.

Bei Problemlösungen in der Partnerschaft braucht es zusätzlich den Willen zur Zusammenarbeit, Freude an der gemeinsamen Bewältigung von Aufgaben, Verständnis für Stärken und Schwächen des Partners - und wiederum Respekt und Wohlwollen.

Bewältigung von Stresssituationen. Diethelm Raff gibt folgende Empfehlungen weiter: Stresssituationen verringern, wo immer es geht. Freiräume für gemeinsame Sachen und Erlebnisse schaffen, um bewusst zu werden, dass man aufeinander bezogen ist und sich gegenseitig versteht. In Stresssituationen keine Angst erzeugen, zum Beispiel durch lautes Auftreten oder umgekehrt durch beleidigten Rückzug.

Die Bildungsforschung hat auch die grosse Bedeutung der frühen Kindheit aufgezeigt. Kinder, welche bei den Eltern Mitgefühl, Vertrauen und Verständnis verinnerlicht haben, können diesen Mechanismus auch in der Partnerschaft – und im Berufsleben – anwenden. Wachsen Kinder in einem Elternhaus mit viel Streit und Missstimmung auf, sind sie schneller unsicher, eifersüchtig, labiler und ziehen sich bei Problemen zurück. Dagegen können verzärtelte Kinder sehr beleidigt sein, wenn sie vom Partner nicht unbegrenzt Bewunderung und Zuneigung erhalten.

Peter Jäggi, Muri.