natur-und Vogelschutzverein Lenzburg
Im Dienste von Hermelin, Neuntöter und Co.

Crista Ruedlinger
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(chm)

In den Diensten von Hermelin, Neuntöter und Co.

Am Samstag, dem 30. Oktober 2021, wurde um und auf dem Gofi emsig gewirkt. Rund 30 grosse sowie kleine Helfer und Helferinnen leisteten unter der Leitung des Natur- und Vogelschutzvereines Lenzburg (NVSVL) und des Landwirtschaftsbetriebes Mooshof wichtige Arbeiten zugunsten des Artenschutzes und der Biodiversität. Was 2019 im Wildenstein mit der Förderung von Kleinstrukturen begonnen wurde, sollte nun in Richtung Mooshof fortgesetzt und vernetzt werden.

Sowohl die kantonalen Organe als auch die Natur- und Landschaftskommission der Stadt Lenzburg wie auch die Stiftung Kultur Landschaft Aare Seetal (KLAS) sind an der Förderung der Artenvielfalt interessiert, unterstützen die entsprechenden Massnahmen und analysieren den Tierbestand. Die Planung von Lebensräumen und Vernetzungsgebieten sowie deren Umsetzung sind Ziele der Abteilung Biodiversität Schweiz des Bundes. Ebenso fördert die Stiftung «Kultur Aare -Seetal» die ökologische Infrastruktur, womit unsere Umgebung unmittelbar angesprochen wird.

Die Projektierung und Organisation des Arbeitstages lag in den Händen des NVSVL. Für Vorarbeiten, die Bereitstellung und den Transport des Materials war Lukas Häusler vom Mooshof verantwortlich, welcher aber auch bei der bedürfnisgerechten Lokalisierung der Kleinstrukturen auf seinem Land mitwirkte.

Zielsetzung und Evaluation des Arbeitseinsatzes

Der Fokus lag in der Förderung und Vernetzung der Kleinstrukturen, d.h. konkret ging es um die Anlage von Ast- und Steinhaufen, von Hecken und einem Feuchtgebiet. Der neu erstellte Teich knüpft an weitere Feuchtgebiete, u.a. beim «Chaibegarte» an. Damit haben die Amphibien Ausweich- bzw. Austauschmöglichkeiten und der Lebensraum wird erweitert.

Ast- und Steinhaufen dienen u.a. Mauswieseln und Hermelinen als Deckung und als Rückzugsmöglichkeiten und bieten Gelegenheiten, um Junge aufzuziehen. Das Nahrungsangebot ist vorhanden, womit der Lebensraum durch diese Massnahmen gefördert werden kann.

Der Mooshof hat bereits gute Strukturen, wie z.B. Hecken oder Feuchtgebiete als Teil der Biodiversitätsförderung. Es waren bereits Wiesel gesichtet worden, was eine Vernetzung mit den Strukturen des Wildenstein sinnvoll machte. Die weitergehende Planung galt dem Gofi, welcher ebenfalls vom Mooshof bewirtschaftet wird.

Motivation aus der Optik des Landwirtschaftsbetriebes

Über Jahrtausende hat die traditionelle Landwirtschaft in der Schweiz zu einem starken Anstieg der Biodiversität geführt. Mit der Mechanisierung, der Rationalisierung und dem Einsatz chemischer Mittel ist ein Teil dieses Artenreichtums in den letzten 80 Jahren stark unter Druck geraten. Der Mooshof und auch andere ökologisch wirtschaftende Landwirtschaftsbetriebe fühlen sich verpflichtet, diesem Verlust entgegenzusteuern und versuchen, diejenigen Flächen, welche sich nicht für Ackerbau eignen, möglichst vielfältig und naturnah zu gestalten. Gefördert wird eine vielfältige Kulturlandschaft und ein stabiles Agrarökosystem auch, weil sie Nützlingen Unterschlupf bietet (z.B. Mäusejägern wie dem Hermelin). Wesentlich ist die Beteiligung der Bevölkerung und die Förderung des Bewusstseins, etwas Sinnvolles zu tun. Damit wird das Wissen über ökologische Zusammenhänge breiter gestreut und die Identifikation mit der Landschaft kann gefördert werden. Ganz nach dem Motto: Was wir kennen, schützen wir.

Planung und Durchführung

Als Vorbereitung wurde eine Begehung mit Fachleuten aus dem Natur- und Landschaftsschutz durchgeführt. Anschliessend mussten das Material und die Vorleistungen organisiert und transportiert werden. Benötigt wurden rund 200 Pflanzen für die Anlage der Hecken (Dornengewächse), die Einrichtung der Tümpel sowie die Erstellung der Ast- und Steinhaufen. Hilfreich unterstützten die Forstdienste Lenzia und die Stadt Lenzburg, jeweils mit Materiallieferungen, sowie die grossen und kleinen Schwerarbeiter und Schwerarbeiterinnen, welche in kleinen Gruppen die geplanten Arbeiten zugunsten der Biodiversitätsförderung mit viel Freude durchführten.

Besondere Interessen und Anspruchsverhältnisse auf dem Gofi

Der Wunsch der Natur- und Landschaftskommission Lenzburg war es, dass die Natur auf dem Gofiplateau stärker gefördert wird. Allerdings musste dies im Einklang mit dem Aussichtsschutz und den Bedürfnissen der Freischaren und Kadetten geschehen.

Der Gofi bietet viel für Erholungssuchende aller Altersgruppen. Es ist ausserordentlich wichtig, dass die Ast- und Steinhaufen intakt bleiben und nicht als Spielplatz genutzt werden. Lose Äste und Steine können Schäden an den Landwirtschaftsmaschinen verursachen. Damit sich Wildtiere aber auch die landwirtschaftlichen Kulturen entfalten können, ist es wichtig, dass sich die Spaziergänger auf den Wegen bewegen und die Hunde angeleint bleiben. Infotafeln haben auf dem Gofi wegen Vandalismus leider einen schweren Stand. Trotzdem werden diese für das interessierte Publikum erneut aufgestellt.

Der NVSVL und der Mooshof freuen sich, wenn aufmerksame Spaziergänger Beobachtungen melden (z.B. von Mauswiesel und Hermelin oder vom Neuntöter).

Zukunftsvisionen

Ein Teil der Heuwiesen auf dem Gofi ist noch ziemlich artenarm. Mit der Agrofutura wurde vereinbart, dass diese in den nächsten zwei Jahren mit regionalem Blumenwiesensaatgut neu angesät werden. Zudem werden in den kommenden Jahren am Gofi-Südhang noch weitere Massnahmen für die Förderung des Neuntöters folgen.

Es wird spannend sein, die Entwicklung der Strukturen und deren Belebung in den nächsten Jahren zu beobachten. Der Kanton Aargau hat bereits Analysen zum Tierbestand um die neu erstellten Strukturen im Wildenstein durchgeführt.

Im Namen des Projektteams des NVSVL bedanken sich Flavia Geiger und Roman Egli ganz herzlich bei allen Helferinnen und Helfern für den erfolgreichen Arbeitstag und die tolle Stimmung auf dem Mooshof.

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