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Balsam für die TVS-Seele

Andri Tatarinoff
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Bild: Andri Tatarinoff

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(chm)

NLB-Handball. Nach zuletzt dürftigen Auftritten in der Liga kann sich der TV Solothurn im Schweizer Cup mit einem Kantersieg zumindest teilweise rehabilitieren. Die Aarestädter dominierten den Erstligisten West HBC nach Belieben und siegen extrem hoch mit 34:12.

Gaudenz Oetterli

Es war nicht der beste Tag, den die Romands vom West Handball Club gegen den TVS einzogen. Dennoch war es sehr überraschend, wie enorm gross an diesem Abend der Unterschied zwischen den zwei Mannschaften oder eben der Erstliga und der NLB war. Solothurn spielte zwar befreit auf und steigerte sich im Vergleich zu den Auftritten in der NLB erheblich, dass am Ende eine Differenz von 22 Toren auf der Anzeige steht, damit konnte jedoch niemand rechnen.

Die Weichen für den klaren Sieg stellten die Gäste aus dem Mittelland schon früh in der Partie. Zwar harzte das Angriffsspiel der Solothurner zu Beginn noch etwas, doch da die Lausanner es fast acht Minuten nicht schafften, den Ball im TVS-Gehäuse unterzubringen, lagen die Ambassadoren bereits mit drei Toren vorne. Auch das erste Tor der Heimmannschaft vermochte den Knopf beim Underdog nicht zu lösen. Gleich reihenweise scheiterten die Westschweizer am überragenden Solothurner Keeper Fabio Brändle, während sich dessen Vorderleute im Angriff langsam gefunden hatten.

Überragende Torhüter und Tempogegenstösse

So dauerte es nur gerade gut 18 Minuten, bis der TVS das erste «Stängeli» erreicht hatte (3:13). Und die Mannen von Trainer Martin Prachar hatten nach den Rückschlägen in der Meisterschaft damit nicht genug. Die Solothurner schossen sich regelrecht den aufgestauten Frust der letzten Wochen von der Seele, zum Leidwesen der pitoyabeln Romands. Gegen den Angriff der Solothurner fanden sie während 60 Minuten kein Mittel. Und erspielten sie sich ihrerseits in der Offensive Mal eine Lücke in der Solothurner Abwehr – was selten vorkam – fanden sie ihren Meister in Fabio Brändle, der 12 von 16 Würfen (75% Haltequote) parierte.

Mit dem Pausenresultat von 18:4 für den TV Solothurn ging es in der zweiten Hälfte für den West HBC vor allem noch um die Ehrrettung vor heimischem Publikum. Kein leichtes Unterfangen gegen die entfesselten Solothurner, dennoch steckten die Lausanner bis zum Ende nicht auf und sie wehrten sich tapfer. Doch auch der zweite Torhüter, der Solothurner, David Pfister, erwischte einen Sahnetag und wehrte über 60% der gegnerischen Würfe ab. Aus den vielen Paraden ergaben sich jeweils Gegenstösse, welche die TVS-Akteure meist eiskalt ausnutzten.

Gute Leistung, aber in der NLB braucht es noch mehr

Der 34:12-Sieg ist einer der höchsten Siege des TVS in einem Ernstkampf, war aufgrund des riesigen Unterschieds der Teams aber auch in dieser Höhe gerechtfertigt. Bedenkt man, dass der TV Solothurn zusätzlich noch 21 Fehlschüsse und 11 technische Fehler zu verzeichnen hatte, so hätte der Sieg sogar noch höher ausfallen müssen. Für Solothurn ist dieses «Doppel-Stängeli» Balsam auf die Wunden der letzten Wochen in der Liga und ein grosser Kick für die Moral.

Auf den Lorbeeren ausruhen kann sich der TV Solothurn trotzdem nicht. Denn die insgesamt 32 Fehlwürfe und technischen Fehler gegen einen unterlegenen Unterklassigen zeigen, dass gegen Gegner aus der NLB noch viel Arbeit auf das Team von Martin Prachar wartet. In einem Duell auf Augenhöhe in der Liga kann sich der TVS sicherlich nicht so viele vergeudete Angriffe leisten. Der nächste Gegner in der Meisterschaft, Fortitudo Gossau, wird sich nämlich seinerseits nicht so viele Fehlwürfe leisten.

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