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Nun liegt es an den Führungskräften

Marcel Siegrist
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Prof. Dr. Hans A. Wüthrich
Alex Hürzeler

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Die sechs führenden Höheren Fachschulen für Wirtschaft HFW, luden Führungskräfte und HR-­ ‐ Verantwortliche zu ihrem ersten nationalen Anlass «Musterbrecher in der Führungsausbildung» ein. Im Mittelpunkt des Informations-­ ‐ und Weiterbildungsanlasses standen die Referate von Dr. h.c. Beat Kappeler und Prof. Dr. Hans A. Wüthrich.

Aus der ganzen Deutschschweiz waren sie nach Baden gereist. Die rund 250 interessierten Führungskräfte und HR-­‐Verantwortlichen. Eingeladen hatte die Qualitätsallianz «HFWpremium.ch», der führenden Höheren Fachschulen für Wirtschaft HFW. Mitgliederschulen sind die HFW Aarau, HFW Baden, HFW Basel, HFW Bern, HFW Schaffhausen, HFW Zug. Der Aargauer Regierungsrat und Bildungsdirektor Alex Hürzeler nutzte denn auch die Gelegenheit, während seiner Begrüssungsworte beim regional bunt gemischten Publikum kräftig Werbung für den Kanton Aargau als attraktiven Wirtschafts-­‐ und Bildungskanton zu machen. «Rund 200 verschiedene Grundbildungen bietet der Kanton Aargau an», sagte Hürzeler und fügte hinzu: «Drei Viertel der Aargauer Jugendlichen finden denn auch den Einstieg in den Arbeitsmarkt via die Berufsbildung.» Der Aargau tut also einiges für die Ausbildung von Fachpersonen. Bei dieser Arbeit sei die Vernetzung von Wirtschaft, Bildungspolitik und Bildungsinstitutionen für das Vorwärtskommen des Kantons zentral, betonte Hürzeler.

Musterbruch in der Weltwirtschaft
In das Thema des Musterbruchs in der Führungsausbildung stimmte Dr. h.c. Beat Kappeler, Sozialwissenschaftler, Publizist und Autor, das Publikum mit seinem Referat «Höhere Fachschulen für Wirtschaft als Musterbrecher – passt genau in die neue Weltwirtschaft!» ein. Kappeler referierte gewohnt leidenschaftlich und pointiert. Das «New Normal», also das neue Normale in der Wirtschaft, zeichnet sich gemäss Kappeler durch sich wiederholende Schläge in der Konjunktur aus. Führende Industriestaaten wie die USA und China erholen sich zwar langsam wieder. Südeuropa und auch Westeuropa fallen aber als Zugpferd der Weltwirtschaft definitiv für längere Zeit aus. Das Heilmittel, nämlich die Nachfrage durch Erhöhung des Staatsdefizites anzukurbeln, hat ausgedient. Frankreich hat seit den 60er-­‐Jahren ein unausgeglichenes Staatsbudget, Italien seit den 70er-­‐Jahren. Auch die in den letzten Jahren stetig stattfindenden Zinssenkungen sind am Ende. Ein Musterbruch ist notwendig. «Jetzt müssen Schulden zuerst abgebaut werden, bevor neu investiert wird», erklärt Kappeler. «Die fachliche Führungsperson stehe dabei im Zentrum der Neuausrichtung.» Besonders die gut ausgebildeten fachlichen Führungskräfte aus der Schweiz seien sehr beliebt. «Sie können planen, organisieren, koordinieren und allgemein ganze Prozesse managen», wusste Kappeler zu berichten. Vier ebensolche gut ausgebildeten Führungspersonen, Absolventen der HFWPremium-­‐Gruppe, erzählten nach einer Kaffeepause von ihren Erfahrungen. Sie betonten den hohen Praxisbezug, das Aufbauen eines Netzwerkes, aber auch die hohe Doppelbelastung durch Weiterbildung und Job. Das Intermezzo gab den veranstaltenden sechs Schulen die Möglichkeit, die Weiterbildung an Höheren Fachschulen weiter bekannt zu machen.

Musterbruch in der Führung
Den letzten Teil des Informations-­‐ und Weiterbildungsanlasses gestaltete Prof. Dr. Hans A. Wüthrich, Managementforscher und Professor für Internationales Management, mit seinem Referat: «Exzellenz durch Musterbruch – Führung neu denken». Wüthrich betonte gleich zu Beginn, dass er keine neue Führungslehre präsentieren, sondern lediglich Denkimpulse mit auf den Weg geben werde. Und damit startete er auch umgehend: «Unterbrechen sie den Wahnsinn durch einen Musterbruch», forderte Hans A. Wüthrich das Publikum auf. Denn Wahnsinn ist gemäss Albert Einstein «immer wieder das Gleiche zu tun und andere Ergebnisse zu erwarten.» Wüthrich rät stattdessen: «Führen Sie kontraintuitiv und gewähren Sie Ihren Mitarbeitenden mehr Freiheiten.» Die einseitige Effizienzorientierung mache Firmen seelenlos. Alles sei bis ins kleinste Detail geregelt. «Ihre Mitarbeitenden ersticken in der Bürokratie. Resultat: Fehlende Motivation und fehlender Spass an der Arbeit», mahnte Wüthrich die Anwesenden. Stattdessen müssen alle ihre Denkmuster durchbrechen. Nicht immer vom Gewohnten ausgehen, sondern Neues zulassen und so auch Neues sehen. Ein wichtiger Punkt sei dabei auch ein verändertes Menschenbild. Nämlich das Bild von mündigen Mitarbeitenden, die dank mehr Freiheit sich mehr entfalten können und so auch mehr leisten. Wüthrich erzählte von einem Experiment in Holland, dem «Shared Space», dem geteilten Raum. Auf den Strassen wurden fast alle Schilder abmontiert. Was geschah: Das allgemeine Fahrverhalten verbesserte sich und es ereigneten sich weniger Unfälle. «Stellen Sie sich eine schilderlose Firma vor», übertrug Wüthrich das Beispiel auf den Arbeitsalltag und fügte gleich noch ein Beispiel hinzu: Google gewährt seinen Mitarbeitenden 20 Prozent Kreativzeit. Nicht selten entstehen während dieser Zeit auch Ideen, die Google verwenden kann. "Beginnen Sie jetzt, denn nur Narren verzichten auf Experimente", schloss er sein Referat ab und gab damit ausreichend Gesprächsstoff für den anschliessenden Apéro riche. Joseph Sutter, als Gastgeber der HFW Baden und Vertreter der HFWPremium.ch-­Gruppe, schloss den spannenden Anlass ab mit der Bemerkung, dass die gehörten Denkangebote in der einen oder anderen Form auch in der HFWPremium.ch aufgenommen werden müssten.