Leserbeitrag
Kanti goes China!

Marcel Siegrist
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Die Schüerinnen und Schüler präsentieren ihre Recherchen zu religiösen oder kulturellen Themen.jpg
Campieren in der Wüste.jpg
Herrliches chinesisches Essen fern von Frülingsrollen.jpg
Jeden Tag kulinarische Köstlichkeiten.jpg
Manchmal waren auch wir die Sehenswürdigkeit - Mario Anderhub.jpg
Plauderei im Nachtzug.jpg
Regen in der Wüste!.jpg
Reiseleiter Andy erklärt uns die Maltechnik tibetischer Mönche.jpg
Unsere Delegation an der SEED-Konferenz in Shanghai mit Reiseleiterin Daisy in der Mitte.jpg

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Schülerinnen und Schüler der Kantonsschulen Baden, Wettingen und Wohlen bereisten während den Sommerferien China der Seidenstrasse entlang und nahmen an einer globalen Jugendkonferenz teil.

China – das Land der Frühlingsrollen, Menschenmassen, Riesenstädte voller Smog? Unsere Reisegruppe war gespannt, wie wir das Reich der Mitte erleben würden, das wir in den Sommerferien während zwei bzw. knappen drei Wochen entdecken wollten.

Die Reise führte zunächst nach Peking, wo die 14 Kantischülerinnen und -schüler und die beiden Lehrerinnen Caroline Streif und Barbara Schibli von der Kanti Baden die weiteren Mitglieder der Reisegruppe kennenlernten: 13 chinesische Schülerinnen und Schüler, mehrheitlich aus Shanghai. Das Entdecken von Peking beschreibt Viviane Soldenhoff so: „Wir stürmten das nahegelegene Shoppingquartier, liessen uns am erstbesten Souvenirstand übers Ohr hauen, liessen uns am nahegelegenen Markt von aufgespiessten, federlosen Küken und langen Tintenfischarmen beeindrucken, und fielen dann, müde von den vielen Eindrücken, erschöpft in unsere Hotelbetten.“ Von Peking ging es mit dem Flugzeug weiter nach Urumqi, in den Westen Chinas. Von dort führte unsere Reise ostwärts quer durch China, der Seidenstrasse entlang, bis nach Xian. Wir setzten uns mit dem Handel entlang dieser Route auseinander, und lernten viel über die Kultur und Religion verschiedener Minoritäten Chinas (Uiguren, Kasachen, Tibeter).

Die Tausenden von Kilometern legten wir mit Bus und Nachtzug zurück, so bekamen wir die verschiedenen Gesichter chinesischer Landschaft zu sehen und hatten in den Zügen Gelegenheit für spannende Bekanntschaften mit Chinesen und ihrem Reiseproviant – immer wieder wurden wir eingeladen, Spezialitäten zu probieren. In diesen Situationen wurden auch unsere (nonverbalen) Kommunikationsfähigkeiten auf die Probe gestellt, denn mit Englisch kamen wir meist nicht sehr weit. Eindrücklich waren nicht nur das geschmeidige Fortbewegen der Chinesen entlang der schmalen Korridore in den Wagons, sondern auch das Verhalten der riesigen Menschenmassen an den Bahnhöfen, das ohne jegliche Aggressivität ablief.

Die Nächte verbrachten wir öfters unterwegs in Nachtzügen, wo wir zwar recht gut schliefen, aber nicht immer von Wohlklängen geweckt wurden (Rahel Senn und Juliane Streitberg: „Da musste ein Chinese wohl etwas Falsches in den Magen bekommen haben!“). Waren wir nicht „on the road“, waren Hotelzimmer, Hausdächer oder Zelte unsere Unterkünfte. Das Campieren im tibetischen Hochland und in der Wüste war denn wohl auch eines der grössten Abenteuer – wir erlebten dabei beides Mal Regen und ein Zelt hat sich in der Wüste durch eine höhere Gewalt (oder auch eine tiefere) aus dem Staub gemacht. Das Ganze wurde dann auch in einer selbst produzierten Nachrichtensendung, den „Silky News“, am Schluss der Reise nochmals witzig präsentiert. Neben abenteuerlichen Erlebnissen und Sehenswürdigkeiten waren die Höhepunkte jeden Tages auch die Mahlzeiten. Hier brauchte es manchmal etwas Gewöhnung ans Fremde (Fabienne Louys: Frühstück mit heissem Orangensaft, sehr gewöhungsbedürftig, aber gut.“). Robin Rebmann meinte: „Manchmal habe ich das Gefühl, wir machen nichts anderes als essen!“ Wir assen uns denn auch durch die verschiedenen Küchen Chinas, die je nach Region sehr unterschiedlich sind. Meist wurden unzählige Schalen auf einer sich drehenden Glasplatte serviert, so dass man sich aus den vorbeifahrenden Gerichten sein eigenes Menü zusammenstellen konnte – nur Frühlingsrollen waren kein einziges Mal dabei!

Auf unserer Reise mussten auch viele andere Klischees begraben werden, etwa die vermeintliche Verschlossenheit der Chinesen – wir trafen fast durchwegs auf offene, interessierte Menschen! Einiges an China-Bildern fanden wir aber auch bestätigt: So wurde uns bei der „Opening Ceremony“ des chinesischen Reiseveranstalters WeExplore nahegelegt: „Don't ask any political question“. Und entsprechende Fragen an die lokale Bevölkerung wurden denn auch von unserem Reiseleiter Andy nicht übersetzt – vermutlich um sie zu schützen. Die Besichtigung eines tibetischen Dorfes, die auch auf dem Programm stand, wurde unkommentiert gestrichen. Unsere Tour in einigen Gebieten wurde vermutlich sehr genau kontrolliert – so interpretieren wir zumindest das plötzliche Auftreten eines Arztes, angeblich Chefchirurg des lokalen Spitals, der uns auf einer absolut ungefährlichen Hikingtour im Notfall medizinische Hilfe leisten sollte, der dann aber wohl in Bezug auf unsere Reisegruppe eine ganz andere Funktion hatte. Er war jedenfalls ein sehr genauer Zuhörer und Beobachter.

Ein weiteres Klischee bestätigte sich: Chinas Bauboom - während der ganzen Reise sahen wir Hochhäuser in die Höhe schiessen – die Bauwut kennt keine Grenzen! Doch viele Gebäude verharren im Rohbau – eine Immobilienblase, die bald platzen könnte? In unmittelbarer Nähe zu den Hochhausschluchten auch immer wieder sehr ärmliche Behausungen. Ins Auge stach uns ebenfalls immer wieder der viele Abfall, ein ungelöstes Problem Chinas, dem man aber nicht ins Auge sehen will. Als einige Schüler unseren Reiseleiter Andy bei der bereits erwähnten Hikingtour beim Anblick riesiger Rückstände von Picknickgelagen über den Umgang mit dem Abfall befragen wollten, wich er aus. Auch in Bezug auf die Minderheiten erhielten wir nicht immer so ausführliche Auskünfte, wir wir uns erhofften.

In Xian, wo wir die Terrakottaarmee besichtigten und auf der Stadtmauer mit Fahrrädern, einige mit Tandems, den historischen Kern der Stadt umfuhren, ging unser Trip der Seidenstrasse entlang zu ende. Danach reisten 6 Schülerinnen und Schüler noch weiter nach Shanghai. Und da – endlich wieder blauer Himmel, den wir in den Städten Xian und Peking vor lauter Smog nicht zu Gesicht bekamen! Markus Suter in diesem Zusammenhang: „Der Verkehr in China ist etwas vom Eindrücklichsten!“ Anlass der Weiterreise nach Shanghai war die internationale SEED-Jugendkonferenz mit 300 Teilnehmenden. Während 4 Tagen bearbeiteten die Jugendlichen in unterschiedlichen Komitees (Healthcare, Environment, Urbanisation, Technology, Economy, Enterpreneurship) globale Probleme. Die argumentative Auseinandersetzung war anspruchsvoll, auf hohem Niveau. Beeindruckt haben uns vor allem die Schüler aus Malaysia – Ramona Achermann: „Die waren extrem gut!“ Aber auch unsere Delegation war gut mit dabei, Mario Anderhub erhielt gar eine Auszeichnung für seine Arbeit innerhalb seines Komitees (Technology): The Outstanding Delegate Award. Sein Engagement und Interesse waren aber auf der ganzen Reise spürbar und hilfreich: Mario war vor einem Jahr Austauschschüler in China und hat ein Jahr in der Nähe von Shanghai gelebt. Sein Chinesisch war uns mehrmals sehr dienlich und beeindruckte nicht nur uns, sondern vor allem die Chinesen!

Eine Gruppe von 4 Schülerinnen und Schülern bereiste im Anschluss auf eigene Faust Peking und eine Schülerin reiste weiter nach Hainan, wo sie im Rahmen eines sozialen Projektes teilnahm.

Eines können wir mit Sicherheit sagen: Unser China-Bild hat sich mit der Reise differenziert – wir haben viel gelernt und den Anreiz bekommen, noch viel mehr über dieses Land zu erfahren.

Es haben sich während der Reise auch Freundschaften zwischen den Schülern gebildet, und so werden wohl einige von uns auch wieder nach China reisen und einige der chinesischen Mitreisenden werden uns auch hier in der Schweiz besuchen. Unsere chinesische Reiseleiterin Daisy war jedenfalls gleich nach unserer Rückkehr schon hier – und hat die Schweiz in chinesischer Manier bereist: die Rheinfälle, Zürich, das Jungfraujoch, Lausanne und Genf im Dreitagemarathon!

Barbara Schibli

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