Leserbeitrag
Feine Spargeln und „Schwedentrunk“

Wandergruppe Spreitenbach: Wanderung vom 19.Mai

Marcel Siegrist
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53 Wanderfreudige liessen sich zum Thema „Wandern und Kultur" Zeitzeugen aus verschiedenen Epochen der Aargauer Geschichte zeigen. Wiederum mussten etliche Interessierte verzichten, weil die Gruppe sonst zu gross geworden wäre. Ausgangspunkt war Mandach, unser Ziel Hettenschwil. Auch auf dieser Wanderung war die Bise ein treuer Begleiter. Einige Aufhellungen erlaubten doch noch einen Ausblick über den Rhein hinüber zum Schwarzwald und hinunter ins Mettauertal. Ein grosser Markstein aus dem Jahre 1552 zeigt den Grenzverlauf zwischen dem Berner Aargau, der Grafschaft Baden und dem österreichischen Fricktal in vornapoléonischer Zeit. 1803 schuf Napoleon per Dekret den heutigen Kanton Aargau. Der Bezirk Laufenburg war bis dahin österreichisch und wurde von Wien aus regiert. Die Grafschaft Baden, der Berner Aargau waren Untertanengebiete der Innerschweizer, Zürcher und Berner. Mit ein bisschen „Wirtschaftsgeographie" lässt sich der Verlauf der Herrschaftsgebiete im Aargau heute noch leicht zeigen. Wirtshäuser zum Adler zeigen, wo die Österreicher das Sagen hatten. Wo die Zürcher regierten, hiessen die Gasthäuser oft Löwen, im Berner Aargau prostete man sich im Bären zu. Dass die Bevölkerung rund um Mandach Schlimmeres ertragen musste als die Bevogtung durch die alten Eidgenossen, zeigen das eindrückliche Schwedenkreuz ob Hettenschwil und die Flurnamen Schwedenhaus, Schwedenfeld, Schwedenholz, Schwedenbrünnli. Es sind alles Hinweise auf den dreissigjährigen Krieg. Ursprünglich war es ein Religionskrieg zwischen Deutschen, Österreichern und Schweden. Er dauerte ohne Unterbruch von 1618 bis 1648. Deutschland war danach eine Wüste, das Habsburgerreich wurde aufgeteilt. 1648 kam es zum westfälischen Frieden. Die Schweiz war während dieses Krieges neutral geblieben. Die Wettsteinbrücke in Basel erinnert daran, dass der damalige Basler Bürgermeister erreichte, dass die Eidgenossenschaft sich vom Kaiserreich der Habsburger lösen durfte und fortan ein eigener Staat war. Das Grenzgebiet um Mandach erlebte aber in diesem Krieg den Einfall von marodierenden schwedischen Truppen. Die Schweden waren besonders gefürchtet. Wer dem katholischen Glauben nicht abschwor, sein Hab und Gut sowie die Viehhabe nicht herausrückte oder keine Einquartierung von Soldaten erlaubte, dem verabreichten die verwilderten Soldaten einen „Schwedendrunk". Gefesselt legte man den Widerspenstigen auf den Boden, steckte ihm einen Knebel in den Mund und goss dem armen Kerl ein Kübel voll Jauche in den Leib. Da konnten die Wanderer schon mit Besserem den Magen füllen. Ihnen wurde in der Besenbeiz in Hettenschwil wahlweise feine grüne Spargeln, Saucen, Schinken und Bauernbrot oder Weisswein Spargelrisotto aufgetischt. Die Wanderung führte weiter zum Klingnauer Stausee, einem internationalen Wasservogelschutzgebiet, in dem während der Wintermonate oft ganz seltene Zugvögel aus Sibirien oder aus dem hohen Norden zu sehen sind. Die kühle Witterung hatte zur Folge, dass die Gruppe das Marschtempo erhöhte und mit einem Vorsprung auf die Marschtabelle in Döttingen eintraf. Eine mit den Wanderleitern höchst zufriedene Schar freut sich schon auf den 23. Juni und ist gespannt, mit welcher Tour Ruedi Kalt und Werner Stegmann dann aufwarten werden. (oho)

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