Leserbeitrag

Diskussionsabend

Fukushima macht bescheiden

Marcel Siegrist
Drucken
Teilen

Die Schockwelle aus Fukushima hat auch hierzulande die Diskussion um die Energiesicherheit neu belebt. Selbst bürgerliche Parteien fordern jüngst den Atomausstieg. Japan stellt aber auch das ungebrochene Energiewachstum in Frage. Eine engagierte Diskussion dazu fand gestern Abend mit Energiefachleuten und einem Ethiker und Theologen in der Kirche Peter und Paul in Aarau statt. Eingeladen zum Diskussionsabend hatte die Römisch-Katholische Kirche im Aargau.

Die Folgeschäden von Fukushima für Umwelt und Mensch könne niemand abschätzen, meinte Claudia Nothelfer von der Fachstelle Bildung Mobil nach der Begrüssung. Die Bewahrung der Schöpfung sei im Christentum zentral und die Fastenzeit erinnere an Verzicht und Mässigung. Dass wir unseren Lebensstil in diesem Ausmass nicht weiterleben können, zeichne sich schon länger ab, meinte der Theologe und Leiter des Vereins „oeku Umwelt und Kirche" Kurt Zaugg in seinem Eingangsvotum. Das Atom-Denkwort von Berner Theologen hätte bereits 1981 zu mehr Bescheidenheit und einer Abkehr vom Atomstrom, der unabsehbares Leid in Kauf nehme, aufgerufen. Jedoch, so Zaugg, „ist der Energieverbrauch seit den 50er Jahren regelrecht abgehoben", der Strompreis hingegen in den letzten 30 Jahren um 27% gesunken. Gerade die Kirche müsse Verantwortung übernehmen, denn sie sei „Immobilienbesitzer mit Ausstrahlung". Der Ökofonds der Aargauer Landeskirchen sei hier ein positives Signal.
Als Beispiel zu einer Abkehr vom umgebrochenen Wachstum nannte er das Konzept der 2000-Watt-Gesellschaft. Dieses zu realisieren sei eine Frage des politischen Willens. Dieser Aussage schloss sich auch Werner Leuthard von der Fachstelle Energie des Kantons Aargau an. Die derzeitige Diskussion greife zu kurz. In einem Jahr sei Fukushima vergessen, was bleibe sei die Klima- und Ressourcenproblematik. Die Frage sei wohl, so Moderator Thomas Markus Meier, wie die 2000-Watt-Gesellschaft realisiert werden könne. Ob nicht etwas falsch liefe, wenn ein Flug nach London billiger sei, als die Zugfahrt vom Wohn- zum Arbeitsort. Hier waren sich die Experten einig: Die heutigen Förderprogramme seien wirkungsvoll, jedoch nicht ausreichend. Nebst einem effizienteren Energieverbrauch müssten die Energiepreise steigen, damit sich unser „ökologischer Fussabdruck" verringere. Nicht zuletzt forderten Stimmen im Publikum von der Kirche, die Ethik in die Diskussion einzubringen, so die Frage der gerechten Verteilung oder das Recht auf Nahrung, welches ein gutes Klima bedinge.

Bild: Fordern höhere Strompreise und mehr Bescheidenheit: Kurt Zaugg (li.) vom Verein Kirche und Umwelt und Werner Leuthard (mitte), Leiter Energiefragen des Kantons Aargau im Gespräch mit Theologe Thomas Markus Meier von der Römisch-Katholischen Kirche Aargau (re.)