Leserbeitrag

Die "Märlistube" - ein Begegnungsort für Jung und Alt

Ein Ennetbadener Pionierprojekt findet internationale Beachtung

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Seit einem Jahr gibt es in der "Alten Post" an der Hertensteinstrasse in Ennetbaden die Märlistube von Verena Deiss als Teil der "Wirk-statt". Rund zwanzig Vorstellungen sind seither über die "Bühne" des kleinen, stimmungsvollen Theaters gegangen.

Märchenaufführungen mag es viele geben, das Besondere an der "Märlistube" ist die bewusste Förderung der Begegnung von zwei durch viele Jahrzehnte getrennte Generationen: Im Zuschauerraum sitzen Kinder im Vorschul- und Grundschulalter wie auch Frauen und Männer aus dem Altersheim "Rosenau". Möglich wurde dies durch das Zusammentreffen der Puppenspieltherapeutin Verena Deiss mit der Ärztin Dr. Elisabeth Reinle von der "Rosenau". Beide begründen das Projekt so: "Früher war die gegenseitige Hilfestellung zwischen den Generationen innerhalb der Grossfamilie ganz natürlich. In der heutigen Zeit leben Jung und Alt zunehmend in getrennten Welten. Und wir sind aufgefordert, neue Wege zu suchen.".

Zu den Aufführungen kommen die Kinder mit ihren Eltern. Die Altersheimbewohner - im Rollstuhl oder an Stöcken - werden vom Pflegepersonal begleitet. Organisatorisch ist das nicht immer einfach. Die ständig steigende Zuschauerzahl zeigt jedoch den Erfolg dieses Experimentes. Es sei ein wunderschönes Zusammentreffen der verschiedenen Altersstufen, sagt Verena Deiss.

Dieses bisher einmalige Projekt hat auch international Beachtung gefunden: An der Europäischen Tagung über therapeutisches Puppenspiel in Frankfurt von Ende März referierte Verena Deiss auf Einladung der Veranstalter über "Die Märlistube - ein soziokultureller Wirkkreis für ein Zusammensein der Generationen".

Hauptberuflich arbeitet Verena Deiss als Kindergärtnerin in Neuenhof. 2009 hat sie in Frankfurt das Diplom als Puppenspieltherapeutin erworben. Früher hat sie auch als Schauspielerin und Kinderkrippen-Leiterin gearbeitet. Nach der bevorstehenden Pensionierung möchte sie sich in ihrer Ennetbadener "Wirk-statt" verstärkt dem Puppenspiel und der Puppenspieltherapie widmen.

In den kommenden Wochen wird das von den Gebrüdern Grimm bearbeitete Volksmärchen vom Rotkäppchen die dankbaren Besucher der "Märlistube" in Ennetbaden erfreuen. Die erste Aufführung findet Mittwoch, den 4. Mai um 14 Uhr statt. Weitere Daten siehe www.wirk-statt.ch. (PMR)