Leserbeitrag
Der Meister der Töne und die Königin der Instrumente

Orgelkonzert von Christian Seidel in der Kirche Würenlingen im Rahmen 50 Jahre Pfarreiheim

Marcel Siegrist
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Mit zwei Werken aus dem deutschen Barock und drei Werken der französischen Romantik verzauberte Christian Seidel das zahlreiche Publikum.

Mit „Carillon von Westminster“ von Louis Vierne eröffnete am vergangenen Sonntagnachmittag Christian Seidel sein Orgelkonzert in der Kirche Würenlingen. Und hatten zuvor die Glocken nicht zum Konzert gerufen, wurden die Konzertbesucherinnen und –besucher nun mit den Glocken von Westminster, von Big Ben begrüsst. Hörte man die Glocken zuerst nur von Ferne, kam man diesen immer näher, um sich zum Schluss mitten im Glockenstuhl zu wähnen.

Effizienz ist keine Erfindung des 21. Jahrhunderts, wusste sonntags Nicole Fricker, OK-Mitglied 50 Jahre Pfarreiheim Würenlingen, die charmant durchs Programm führte, zu berichten. Hat doch Georg Philipp Telemann in seiner Fantasie in D-Dur den ersten schnellen Satz, nach dem langsamen zweiten gleich nochmals als dritten Satz verwendet. Für alle, achtung Neudeutsch eine Win-winsituation: Das Publikum hat den Wiedererkennungseffekt, der Komponist nicht ganz so viel zu komponieren, der Verleger spart Papier und der Interpret.. ..muss nicht so viel üben!

Mit Leon Boellmanns „Suite Gothique“ für die grosse Orgel folgte ein Standard-Werk der Orgelliteratur: Sprich eines derjenigen Stücke die gerne gehört und gerne gespielt werden.

Alles nur geklaut? Nein Johann Sebastian Bach hat für sein „Concerto I in G-Dur“ die Quelle angegeben: Inspiriert wurde er von einem Violinkonzert von Antonio Vivaldi. In den Satzabfolgen schnell, langsam, schnell wurde das Publikum auch ohne Wiedererkennungseffekt von Christian Seidel verwöhnt.

Den offiziellen Abschluss feierte Seidel mit der virtuosen „Toccata“ aus der Sinfonie NR.5 po.42, 1 von Charles-Marie Widor. Und entgegen der Ansage, dass dieser Abschluss ein sogenannter „Raus-Schmeisser“ sei, erfreute Seidel nach einer Standing-Ovation noch einer Zugabe.

Bei Christian Seidel verblüfft immer wieder die Natürlichkeit und Selbstverständlichkeit seines Spiels. Ohne Affektiertheit, aber mit allen Finessen entlockt er dem Instrument immer wieder neue, oft überraschende und unbekannte Töne und Facetten und lässt so das Publikum den Alltag vergessen und in die Musik eintauchen.

Haben sie das Konzert verpasst? Christian Seidel beglückt die Gottesdienstbesucher bei fast jedem Wochenendgottesdienst in der Kirche Würenlingen! (tde)

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