Leserbeitrag

Abendmusik zum Gründonnerstag

Kirche Seengen

Marcel Siegrist
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Das Wetter hält sich dieses Jahr an keine langjährigen Regeln, auch nicht ans Kirchenjahr, will sagen an die Passionszeit. Wir werden in Mitteleuropa mit viel Sonnenschein und Wärme verwöhnt, sozusagen Ostern vorweggenommen. Trotz dieses schönen Vorsommerabends strömten die Leute zur Kirche Seengen zur traditionellen Abendmusik am Gründonnerstag. Das bereits zur Begrüssung der Konzertbesucher an die Kirchenwand projizierte Dia der Rosette in der Fraumünsterkirche Zürich, die Marc Chagall noch im hohen Alter schuf und die 1978 eingeweiht wurde, erzielte wegen des schönen Abends und der noch vorhandenen Helligkeit nicht ganz die gewünschte Wirkung. Sie wird aber im Verlaufe des Abends nochmals gezeigt.
Zum Beginn der Abendmusik spielte das Streichquartett mit Markus Joho, Matthias Sager, Violinen, Annebeth Hauri, Viola und Lisa Vonder Mühll Violoncello den ersten Satz des Streichquartett KV 575 von Wolfgang Amadeus Mozart, komponiert 1789. Vom gleichen Komponisten sang der erweiterte Kirchenchor unter der Leitung von Christa Peyer „Jesu, wahrer Gottessohn", den Schlusschor aus der Grabmusik, KV 42, entstanden 1767 in Salzburg speziell zur Karwoche. Zur Begleitung des Chores spielte nicht nur das erwähnte Streichquartett. Die beiden Flötisten Christof Bischofberger und Alfred Schaffner, Benedikt Vonder Mühll, Kontrabass und Hansjakob Bruderer an der Orgel rundeten den Klang wunderschön ab. Es folgten die Sätze zwei und drei des Streichquartetts, ein ruhiges, besinnliches Andante, dann etwas tänzerischer das Menuetto.
Als nächstes sang der Chor auf lateinisch das Credo von Antonio Vivaldi, RV 591, wiederum begleitet von den erwähnten Musikern. Anschliessend an dieses musikalische Credo lasen die drei Pfarrpersonen im Wechsel „das Credo, das es (noch) nicht gibt" vom Berner Pfarrer und Dichter Kurt Marti. Zur visuellen Ergänzung wurden dazu nochmals die Bilder der Rosette und 4 Ausschnitte aus den „Chagall-Fenstern" der Fraumünsterkirche Zürich projiziert.
Der 4. Satz des Mozart Streichquartetts, ein Allegretto klang heiter und beschwingt und nahm, wie auch der letzte Satz des Credo von Vivaldi (Et resurrexit), die Freude der Auferstehung, des Ostersonntags voraus. Mit dem Benedictus sit deus, Offertorium KV 117, komponiert 1769 für Streichorchester und Bläser sowie Sopran solo und Chor klang die Abendmusik aus. Den Solopart im 2.Satz sang die Chorleiterin Christa Peyer. Jubilate, jubilate heisst es im 3. Satz und mit diesem Jubelgesang in den Ohren gingen die Zuhörer befriedigt ins lange Osterwochenende. eb