Zwischen Fussball und Wahnsinn

Fussballfans funktionieren wie Fussballer oder Trainer: Sie sind vom Aberglauben besessen.

Philippe Reichen
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Ottmar Hitzfelds grauer Mantel sei ein Symbol für den Erfolg, heisst es. Wenn er ihn trage, sei die Chance auf einen Sieg besonders hoch. Freiwillig würde er ihn kaum hergeben. Nach dem Spiel gegen Spanien präsentierte der Schweizer Nationaltrainer eine bislang unbekannte Geste: Er bekreuzigte sich.

Am liebsten Fussball zu Hause

Wie Trainer und Fussballer pflegen auch männliche Fans Rituale.

Die Firma Logitech wollte Genaueres wissen und beauftragte das Institut Lightspeed Research damit, mehr über die Hintergründe der Fankultur herauszufinden. Nun liegen die Resultate der Studie vor; was fehlt, sind Angaben, wie viele Personen befragt wurden. Es heisst: Schweizer und Deutsche verfolgen Fussballspiele am liebsten in ihren eigenen vier Wänden, weil sie glauben, ihrer Mannschaft damit am ehesten zum Sieg zu verhelfen.

Situation kann eskalieren

65 Prozent der Männer gaben an, immer auf dem gleichen Platz zu sitzen. Auch das Erscheinungsbild soll die Idole vor Niederlagen bewahren. 18 Prozent der Schweizer Männer verzichten während der gesamten Weltmeisterschaft auf ihre Rasur.

Es gibt weitere Beispiele für abergläubisches Verhalten: Fast 12 Prozent der Befragten singen die Hymne mit der Nationalmannschaft, etwa 5 Prozent tragen dabei einen Glücksbringer. Beliebte Accessoires sind Kleidungsstücke wie ein Schal, ein T-Shirt, eine Unterhose oder Socken.

Die Situation während eines Fussballspiels kann durchaus eskalieren – selbst in der eigenen Wohnung. Insbesondere Frauen sollten sich darauf vorbereiten.

Entspricht die Studie den tatsächlichen Verhältnissen, geht von den fussballverrückten Schweizern eine erhebliche Gefahr aus. Nach eigenen Angaben haben sich etwas mehr als 10 Prozent der Befragten verletzt, 8,4 Prozent haben ihre Partnerin oder einen Freund verletzt, als sie zum Jubeln aufschossen.

Mehr als die Hälfte verschüttete schon Bier auf den Boden, und erstaunliche 22 Prozent haben gar einen Tisch, Stuhl oder einen anderen Einrichtungsgegenstand, der gerade greifbar war, zerstört.

Der Firma Logitech ging es in der Studie noch um eine andere Erkenntnis. Das Unternehmen hat eine neue Fernbedienung entwickelt und wollte von den Fussballfans wissen: «Für wie viel Geld würden Sie Ihre Fernbedienung bei einem Fussballspiel der Nationalmannschaft Ihres Landes

aus der Hand geben?» Die Frage spaltete die Fans in zwei Lager: 34 Prozent wären für einen Betrag von 200 bis 300 Franken dafür zu haben, 5 Prozent müssten 300 bis 500 Franken bekommen, 27 Prozent wären erst mit 500 bis 1000 Franken zufrieden, und respektable 34 Prozent würden die Fernbedienung «für kein Geld der Welt aus der Hand geben».

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