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«Zwingli»-Frau Sarah Sophia Meyer:
«Es war speziell, die Angst vor dem Fegefeuer zu spielen»

Sensibel und ohne viele Worte spielt Sarah Sophia Meyer im Kinofilm «Zwingli» die starke Frau an der Seite des Reformators. Jetzt ist sie für den Schweizer Filmpreis als beste Darstellerin nominiert.
Melissa Müller
Sarah Sophia Meyer setzt zum Karrieresprung an. (Bild: Thomas Hary)

Sarah Sophia Meyer setzt zum Karrieresprung an. (Bild: Thomas Hary)

Sarah Sophia Meyer hat ein buddhistisches Mantra. Hat sie Lampenfieber, flüstert sie: «Om mani padme hum» – «Alles kommt gut!» Zur Zeit läuft es gerade wie am Schnürchen für die 34-jährige St. Gallerin: Sie ist im Schweizer Kinohit «Zwingli» in der weiblichen Hauptrolle neben dem charismatischen Reformator zu sehen. Und wurde soeben für den Schweizer Filmpreis nominiert.

Deutsche Schauspielerin sagte ab

Anfangs war die deutsche Schauspielerin Julia Jentsch für die Rolle der Anna vorgesehen, sie sagte jedoch ab. «Durch einen glücklichen Zufall stiess ich auf Sarah Meyer», sagt Regisseur Stefan Haupt. Schon beim Casting sah er in ihrem Gesicht «etwas sehr Heutiges. Und zugleich spiegelte sich darin die Welt des Mittelalters.» Dieses Gesicht! Haupt kommt nicht aus dem Schwärmen. In «Zwingli» gibt es einige Szenen von Menschenmengen, in denen die Kamera auf ihrem Gesicht ruht. «Sarah ist ein Magnet in diesem Film.» Andere Schauspieler könnten sich von ihren Rollen her über das Reden und Handeln ausdrücken. Meyer hingegen habe viele Szenen, in denen sie nur still zuhören müsse:

«In ihren Blicken passiert so viel. Angst, aber auch tiefe Freude. Fragilität. Innere Stärke.»

Man nimmt ihr die leidgeprüfte Witwe ab. Meist trägt sie im Film lange Röcke und eine strenge weisse Haube.

Die Kamera ruht oft auf dem Gesicht von Sarah Sophia Meyer. (Bilder: PD)

Die Kamera ruht oft auf dem Gesicht von Sarah Sophia Meyer. (Bilder: PD)

Kampf für ein Leben ohne Knechtschaft

Im echten Leben ist sie fest angestellt im Ensemble des Schauspielhauses in Graz. Beim Treffen in einem Zürcher Café kommt die zierliche Ostschweizerin sportlich daher, in Jeans, mit Ledertasche aus dem Brockenhaus. «Es war toll, in der Krypta des Zürcher Grossmünsters zu drehen, umhüllt von Weihrauch», sagt sie. Dort begegnen sich Anna und Zwingli zum ersten Mal. Sie kniet betend vor einem Gemälde, welches Teufel und Menschenfiguren im Fegefeuer zeigt. Anna zittert, fürchtet sich vor Gottes Strafe. Da nähert sich ihr Zwingli, sagt: «Es gibt kein Fegefeuer.» Worauf Anna schockiert zurückweicht und davon rennt. Später wird sie sich in ihn verlieben und an seiner Seite kämpfen – für ein freies Leben ohne die Knechtschaft der Kirche.

Anna und Zwingli kämpfen für ein freies Leben ohne die Knechtschaft der Kirche.

Anna und Zwingli kämpfen für ein freies Leben ohne die Knechtschaft der Kirche.

«Es war für mich am Anfang recht abstrakt, die Angst vor dem Fegefeuer zu spielen», sagt Sarah Sophia Meyer. Wie ihre Filmfigur setzt auch sie sich für Gleichberechtigung ein. Und sie engagiert sich gegen die Lohnungleichheit am Theater. Die meisten Stücke stammten von Männern, würden von Männern inszeniert, mit männlichen Schauspielern, die sich da breitmachen dürfen. «Und die Frauen dienen oft nur zu. Da müssen wir aktiv dagegenarbeiten.»

Die gottesfürchtige Witwe hat ihren Mann verloren, bevor sie Zwingli trifft.

Die gottesfürchtige Witwe hat ihren Mann verloren, bevor sie Zwingli trifft.

Fasziniert von Tilda Swinton

Die 34-Jährige mag den Wechsel von der Bühne vor die Kamera, hat bereits eine Bauerntochter in einem «Tatort» gespielt und eine Rolle im «Schellenursli»-Film. Nach Vorbildern gefragt, nennt sie die rothaarige Schottin Tilda Swinton. «Sie fasziniert mich, weil sie so eigen ist und sich nicht einordnen lässt. Das macht vielen Leuten Angst.»

Die Mutter ist Kunsttherapeutin, der Vater Musiker

Aufgewachsen ist sie in einer Künstlerfamilie: die Mutter ist Keramikerin und Kunsttherapeutin, der Vater Musiker. Beim Musiktheater Open Opéra, das er gegründet hat, steht Sarah schon mit elf Jahren auf der Bühne, spielt und musiziert. Bis heute singt sie gern: «Gerade übe ich eine Arie von Händel ein.» Mit 21 Jahren schafft sie den Sprung an die renommierte Otto-Falckenberg-Schule in München. Ihr erstes Engagement ist gleich in einem grossen Haus, in Stuttgart. Das Ensemble aus 45 Leuten ist ihr aber fast «eine Nummer zu gross» als Einstieg. «Ich war damals scheu und zurückhaltend, brauchte Zeit, um mein Selbstvertrauen zu stabilisieren.» Manche Regisseure hatten wenig Verständnis für ihre Unsicherheit. «Das waren so Macho-Alpha-Tiere.» Einer sagte: «Sarah, improvisiere mal was über Karl Marx. Okay, wenn dir nichts einfällt, dann mach halt was übers bedingungslose Grundeinkommen.» Da sei sie überfordert gewesen, fühlte sich blossgestellt. Das änderte sich, als sie den Regisseur Michael Thalheimer traf. «Ihm war es egal, was man davor gemacht hat, man erarbeitete halt zusammen dieses Stück und begegnete sich auf Augenhöhe.»

Das nächste Mal gern eine moderne Figur

Nach 14 Jahren im Ausland fühle sie sich etwas entwurzelt. Früher belächelte sie den Traum vom Eigenheim mit Kind und Hund; «inzwischen kann ich das gut verstehen». Bei Fragen zu ihrem Privatleben winkt Sarah Sophia Meyer ab. Nur so viel: «Ich bin vergeben und wohne in einer schönen Altbauwohnung in Graz.» Auf jeden Fall will sie wieder in einem Kinofilm mitspielen. «Ich kann nicht nur historische Rollen.» Das nächste Mal würde sie gern eine Figur in einer Grossstadt spielen.

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