Zurück ins Glück

Katie Melua hat wegen Erschöpfung eine Pause eingelegt. Nun ist die 27jährige Britin zurück. Mit dem neuen Album Secret Symphony – und einem ganzen Orchester. Franco Brunner

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«Man darf den Druck nicht an sich heranlassen»: Katie Melua. (Bild: pd/Simon Fowler)

«Man darf den Druck nicht an sich heranlassen»: Katie Melua. (Bild: pd/Simon Fowler)

Katie Melua, wie geht es Ihnen heute?

Katie Melua: Nach schwierigen Zeiten geht es mir wieder sehr gut, danke. Ich fühle mich wohl.

Ende 2010 haben Sie wegen Erschöpfungssyndromen eine Auszeit genommen. Konnten Sie Ihre Probleme wirklich vergessen, wie Sie auf Ihrem neuen Album «Secret Symphony» singen? Das Lied «Forgetting all my troubles» tönt nach einem kompletten Neuanfang.

Melua: Ja, es ist tatsächlich so etwas wie ein Neuanfang. «Forgetting all my troubles» ist das einzige Lied auf dem Album, das ich selber geschrieben habe. Der Song repräsentiert äusserst gut, wer ich heute bin und wo ich stehe.

Der Song klingt aber auch nach «alles hinter sich lassen» und «früher war alles schlecht».

Melua: Nein, es ist ein ziemlich glückliches Lied. Es handelt davon, wie man die Probleme der Vergangenheit angehen, sie heilen lassen und gleichzeitig das Vergangene schätzen lernen kann. Es gibt ja immer gute und weniger gute Erinnerungen.

Das letzte Album «The House» realisierten Sie 2010 erstmals ohne Ihren Mentor und Produzenten Mike Batt. Bei «Secret Symphony» ist er nun wieder mit dabei. Weshalb? Geht es ohne ihn nicht?

Melua: Mike ist einfach eine tolle Person. Er weiss, wie ich das Beste aus meiner Stimme herausholen kann. Er ist ja auch mein Manager und war eigentlich immer da, auch bei «The House», nur etwas im Hintergrund. Er gibt mir eine Art Sicherheit – und auch einen Ausgleich. Und nicht zuletzt sagt er mal «stop», wenn man den falschen Weg eingeschlagen hat.

Apropos Weg: Weshalb haben Sie auf «Secret Symphony» den Cover-Weg eingeschlagen? Vier der elf Lieder sind Interpretationen alter Klassiker, darunter «All over the world» von der französischen Schlagersängerin Françoise Hardy.

Melua: Eigentlich sollte es ein komplettes Coveralbum werden. Wir suchten nach geeigneten Coversongs – und gleichzeitig kamen trotzdem stets neue Lieder auf den Tisch. So ist «Secret Symphony» eine Mischung aus neuen, eigenen und älteren Coversongs geworden. Gefunden und ausgewählt haben wir die Covers durch Tips und Vorschläge von Bekannten. Mike Batts Sohn schlug zum Beispiel vor, «Gold in Them Hills» des Kanadiers Ron Sexsmith aufzunehmen. Danach wurde im Studio natürlich noch jede Menge experimentiert und getüftelt, was wie arrangiert werden könnte.

Und weshalb suchten Sie sich für das Album die musikalische Unterstützung eines ganzen Orchesters?

Melua: Die Idee zum Album entstand vor vier Jahren an einem Konzert, das ich mit den Stuttgarter Philharmonikern gab. Das war die beste Erfahrung meines Lebens. Es war unheimlich faszinierend, mit dem Orchester im Rücken zu singen. Nach diesem Konzert sagte ich mir, dass ich unbedingt einmal ein Album in diesem Stil machen möchte.

Gehen wir nochmals in die Vergangenheit. Wie sehr setzt Sie der Erfolg der vergangenen Jahre unter Druck? Oder anders gefragt: Sind Sie enttäuscht, wenn «Secret Symphony» kein Nummer-1-Hit wird?

Melua: Lassen Sie es mich so sagen: Erfolg ist natürlich immer ein grossartiges Gefühl. Ob das neue Album nun aber Nummer 1 wird oder nicht – entscheidend ist, dass ich von mir behaupten kann, eine gute Arbeit abgeliefert zu haben und dass ich stolz darauf sein kann. Und das bin ich.

Schön und gut. Aber das Management wird Sie trotzdem hin und wieder an die Wichtigkeit der Verkaufszahlen erinnern.

Melua: Ja, klar. Man darf diesen Druck jedoch nicht an sich heranlassen. Man muss ihn ignorieren lernen, sonst dreht man ja tatsächlich noch durch. (lacht)

Katie Melua, «Secret Symphony», Dramatico. Ab morgen im Handel erhältlich.

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