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Zum Glück sind die Ferien vorbei

Seien wir ehrlich, dieses Reisen ist auch Stress: Erst die Packerei, dann Sonnenbrand oder Schlechtwetter, Beziehungsknatsch, Kommunikationspannen, Betrüger. Sieben kurze Geschichten aus der Redaktion.
Illustration: Patric Sandri

Illustration: Patric Sandri

Kulturschock und ­Zickenkrieg

(mem)

Meine Kollegin O. umarmte mich oft ganz fest, wir lachten viel, sie gab die warmherzige Süditalienerin. Aber als wir spontan zusammen nach Israel reisten, lernte ich sie von einer anderen Seite kennen. Schon im Hinflug eröffnete mir O. kühl, sie wolle in Tel Aviv einen Kerl aufreissen, und ich müsse dann auch mal einen Abend allein klarkommen. «Kein Problem», sagte ich, damals knapp
20 und noch ziemlich unsicher. Es war meine erste Reise in ein exotisches Land. In Tel Aviv schliefen wir in einem Hostel mit Löchern im Dach. Alles irritierte mich in diesem kargen Land: die Militärs, die Hitze, ein toter Esel am Strassenrand. Fassungslos sah ich Menschen, die in Zelten in der Einöde der Wüste hausten. Als mich ein kleines Mädchen anbettelte, wusste ich nicht, was tun. «Stell dich nicht so blöd an», zischte mich O. mehrmals am Tag an. Und als ich im Hostel einen gut aussehenden schwedischen Backpacker kennen lernte und mit ihm tanzte, hielt sie mir beleidigt eine Standpauke: «Noch nie hat mich eine Freundin so im Stich gelassen.» Unsere Bedürfnisse waren grundverschieden. Sie wollte Action und Sightseeing, ich wollte orientalischen Kaffee schlürfen und ohne Ziel durch die Marktgassen von Jerusalem schlendern. «Ich finde es daneben, dass du hier so wenig unternehmen willst», motzte O. Ihr zuliebe schleppte ich mich auf die ehemalige Festung Masada in der Wüste, die wir vor Sonnenaufgang erklommen. Dabei interessierte mich das nicht die Bohne. Statt O. die Stirn zu bieten, passte ich mich der Harmonie willen an. Der Preis dafür war ein beklemmendes Gefühl im Bauch, eine Woche lang. Ich war erleichtert, wieder nach Hause zu fliegen. O. habe ich nie wieder gesehen.

«Hast Du schon gepackt?»

(ys)

Aller Anfang ist schwer – stimmt nicht. In diesem Fall beginnt’s ganz einfach. Seit geraumer Zeit liegt er nämlich parat, der leichte, leere Koffer, viel versprechend oder besser gesagt: viel Platz versprechend.
Auf die Frage der Kollegin: «Hast Du schon gepackt?» kommt die Antwort wie aus der Pistole geschossen: «Aber nein, das mach ich doch immer erst am letzten Abend, easy.» Man will ja nicht wie eine dieser umständlichen und komplizierten Zeitgenossinnen dastehen, die bei allem immer so ein Gschiss machen. Flexibel, spontan, unerschrocken heisst die angesagte Devise, nicht nur beim Reisen. Als ob man die ganze Welt im Sack hätte oder eben im Koffer. Kleider spielen doch keine Rolle, Hauptsache praktisch, in den Ferien sind doch ganz andere Dinge wichtig – tönt es von den Abenteuerlustigen. Das Resultat ist dann oft auch abenteuerlich, begegnet man ihnen in der Stadt, im Museum oder am Buffet.
Für eine, die in der vermeintlich schönsten Zeit des Jahres für alle möglichen Eventualitäten Schönes und Passendes zum Anziehen dabeihaben will, wird es am Abend vor der Abreise dann doch langsam, aber sicher etwas schwierig: Stadtbummel, Velotour, eine Wanderung vielleicht, Theater (man weiss ja nie), chic essen gehen. Wenn dieses Kleid, dann auch jene Schuhe, oder doch lieber die schwarzen . . . ein Fass ohne Boden. Der Koffer hingegen hat einen – und einen Deckel, der zugehen muss.
Bis die Zeit reif ist für die definitiven Entscheide, widmet man sich vorzugsweise der schon längst bereitgestellten Ferienlektüre. Das ist tatsächlich easy. Beim Bücherverstauen schiessen die Detailfragen durch den Kopf: Nagellack? Nagellackentferner? Wo ist das seidene Halstuch? Das braucht man immer. Gefunden. Dazwischen zappt sie durchs TV-Programm, putzt den Badzimmerspiegel, es ist ja erst Mitternacht. Irgendwann ist der Koffer zu – und schwer, und die Packerin am Ende. Zwei, drei Stunden Schlaf müssen ihr nun genügen, so flexibel ist sie dann schon.

Der falsche Polizist

(phb)

Betrügerei  Vor vier Jahren reiste ich nach Kiew, der Hauptstadt der Ukraine. Kaum im Hotel, bemerke ich auf dem Nachttisch einen Zettel, auf dem vor Fake-Polizisten gewarnt wurde, die Touristen Geld aus der Tasche ziehen. Ich denke, naja, mir passiert so was nicht. Schliesslich habe ich schon ganz andere, ärmere und gefährlichere Länder bereist. Ich breche auf ins Zentrum der Stadt. Als ich in eine Strasse einbiege, überholt mich plötzlich ein Mann im Eiltempo. Sekunden später fällt sein Portemonnaie zu Boden. Meine natürliche Reaktion ist, «hey!». Er dreht sich um, nimmt das Portemonnaie und bedankt sich übertrieben freundlich: «Thank you very much, thank you.» Es kommt mir seltsam vor, weshalb spricht er mich auf Englisch an? Ausser «hey!» habe ich ja nichts gesagt. Ein paar Meter weiter steht wie aus dem Nichts ein Polizist vor mir. Mir dämmert es sofort und ich erinnere mich an den Zettel auf dem Nachttisch. Der kostümierte Polizist fragt, was los sei. Als ich es ihm erkläre, fordert er mich auf, eine Busse zu bezahlen. Ich verneine vehement, aber er lässt nicht locker. Als ich bemerke, dass ich in einer schwierigen Situation steckte, sage ich «Forget it, go away», gehe schnell weiter und verschwinde hinter der nächsten Ecke. Zum Glück passierte mir in den nächsten Tagen nichts Ähnliches mehr, und ich konnte die schöne Stadt und die wunderbaren Menschen in Kiew geniessen.

Wenn ein Serienjunkie verreisen muss

(sh)

Da ich ein Gewohnheitstier bin, passiert es mir nicht oft, dass ich mich in die Ferien zurücksehne. Aktuell vermisse ich die poetischen Olivenbäume, in deren Schatten ich eine Woche in Südfrankreich verbringen durfte. 2011 weinte ich den sonnigen Amerikanern im sonnigen Florida nach, die mir ständig Komplimente für meine einjährige Tochter gemacht hatten. Gefühlt war ich damals ganz plötzlich und über Nacht die grandiose Mutter des süssesten Kinds dieser Welt. Echt amerikanische Dimensionen eben.
Meist bin ich aber froh, wieder zu Hause zu sein, ich gestehe es. Und letzten Dezember konnte ich mich kaum aufraffen, für vier Tage in den Zug nach Hamburg zu steigen, mit Sack und Pack und drei Kindern, um dort die Zeit zwischen Weihnachten und Neujahr zu verbringen. Zu gemütlich hatte ich es mir damals zu Hause gerade eingerichtet – jede Nacht, wenn die Familie schlief, freute ich mich darauf, ein paar Kerzen anzuzünden, mich zwischen Christbaum und Fenster mit Blick auf eine schlafende Dorfstrasse zu setzen und ein paar Folgen «Homeland» am Stück zu schauen. Ich war süchtig nach der bezaubernden CIA-Analystin Carrie Mathison, dem undurchsichtigen Marine Nicholas Brody und dem hinreissenden Spezialagenten Peter Quinn.
Klingt verrückt, verrückt war aber auch, mitten im Winter in den Norden zu reisen, in einem Intercityzug ohne Schlafwagen. Ich fühlte mich heimatlos, und kaum waren wir zurück aus dem schönen Hamburg, stürzte ich mich auf die nächste Staffel «Homeland». (sh)

Die Ferien der anderen

(ken)

«Hoi, Mau», sagt sie schon, bevor ich sie um die Ecke geschoben habe, wo normalerweise eine Katze schläft. Auf dem Mäuerchen beim Parkplatz, 20 Meter vor der Kita. Immerhin also: Daran kann sie sich noch erinnern. Dann weiss sie auch, wohin der Kinderwagen geht. Und freut sich vielleicht sogar dar­auf, statt ein oscarreifes Drama zum Abschied zu inszenieren.
Endlich. Zwei Wochen hatte die ­Kindertagesstätte Betriebsferien. Nicht, dass ich den netten Betreuerinnen die Ferien nicht gönnen würde. Dass diese ihre Ferien aber mitten in den grossen Sommerferien machen, macht es nur noch schlimmer. Zumindest wenn man selber keine hat. Vielleicht läuft im Geschäft grad ferienhalber wenig genug, um mal einen Nachmittag zu Hause zu bleiben. Dabei hätte man den vielleicht gern genutzt, um mal wieder die Wohnung aufzuräumen, ohne dass die ebenso herzallerliebste wie neugierige Kleine hinterher alles wieder auf dem Boden verteilt. Oder lautstark Forderungen stellt: «Papi! Use! Bade! Glace!» Klar gäbe es Alternativen: Grosseltern, Göttis, Tanten, Nachbarn. Doch wie kriegen wir die Kleine noch vor der Arbeit dorthin? Sind die überhaupt da? «Ach so, ja, dann seid ihr in den Ferien? Na dann, ja . . .» Ja was?
Irgendwie haben wir uns durchgewurstelt. Und jetzt sind wir hier, die Schuhe sind ab, die Finken an, rein in die gute Kitastube. Sie schaut erst ein bisschen skeptisch, dann hat sie etwas Spannendes erspäht, ein buntes Spielzeug­gefährt. Sie dreht sich schnell um, «tüss, Papi». Und ich mich auch. Endlich.

Jeden Morgen Katze suchen

(miz)

Irgendwo in der sibirischen Pampa. Keine Zivilisation weit und breit. Nur Mücken, Wald, noch mehr Mücken und viele viele Steine. Den Selfmade-Katamaran der russischen Familie mussten wir mehr durchs seichte Wasser schieben, als dass wir wirklich paddeln konnten. Und wenn dann doch mal das Wasser tief genug war, dass wir fahren konnten, rammten wir jeden verdammten Felsbrocken im Flussbett. «Jul, nasad, nasad», rief der russische Vater mir zu. Er sass hinten links, von dort steuerte er das Schlauchboot durch die Felsen – allein, es gelang ihm nicht. Egal, wie sehr wir uns ins Zeug legten, ratsch, schliffen wir über einen Felsbrocken.
Auch die Landschaft bot keine Abwechslung: ewige Wälder, ewige Hänge. Grün, grün, alles grün. Und voller Mücken. Warum bloss hatten wir uns darauf eingelassen? Es klang spannend, der russische Kollege, den ich flüchtig kannte, machte einen netten Eindruck. Die Familie, mit der er auf Paddeltour ging, war auch nett. Man hatte sich nur leider nicht viel zu sagen. Wir waren die Gäste, wir durften unser Zelt aufbauen. Um den Rest kümmerten sich «Ol» und «Paw» (die Familie hatte die lustige Angewohnheit, Vornamen nach der ersten Silbe abzukürzen). Sie schickten ihre drei Kinder Feuerholz holen, sie bereiteten das Essen und den Tee zu, sie besorgten den Abwasch. Helfen durften wir nur beim allmorgendlichen Suchen nach ihrer Hauskatze. Ja, sie hatten ihre Katze mit auf den Paddelurlaub genommen. Die hatte allerdings keine Lust, sich ins Boot zu setzen. Also haute sie immer ab. Und wir hinterher.
Als am siebten Tag – wir waren wieder über einen Felsbrocken geratscht, ­einen grossen – ein grosses Loch im Schlauboot klaffte, ahnten wir Schlimmes. Ein Tag Zwangspause, bis der meterlange Riss geflickt war. Noch einen Tag länger Mücken, Wald und grün. Herrlich, als die Tour zu Ende war. Die anschliessende Russlandreise (ohne Schlauchboot) war aber super.

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