Zug-Kolumnen

LESBAR JOURNALISTEN Katja Walder kennt sie alle: Die Türengel, die für anstürmende Pendler die Türen aufhalten. Die Frauenhelden und die Mitleser, die Railbar-Anschieber und die Kicher-Girls. Alle, einfach alle. Denn Katja Walder pendelt.

Merken
Drucken
Teilen

LESBAR JOURNALISTEN

Katja Walder kennt sie alle: Die Türengel, die für anstürmende Pendler die Türen aufhalten. Die Frauenhelden und die Mitleser, die Railbar-Anschieber und die Kicher-Girls. Alle, einfach alle. Denn Katja Walder pendelt. Und schreibt über ihre Mitpendler eine Kolumne im «Blick am Abend». Wahrscheinlich ist dies einer der zwei Gründe, dieses Blatt zu lesen (der andere ist schiere Langeweile). Walder hat ihre Kolumne bekommen, als die Leser noch gnadenlos abstimmen konnten, ob sie ihre Texte lesen wollten. Und sie wollten, waren auch nach 19 Kolumnen noch unersättlich. Das war 2008. Seitdem erscheint die Kolumne zweimal pro Woche. Der Grund für deren fortdauernden Erfolg ist wohl, dass Katja Walder ihre Mitpendler mag. Das zu verstehen, vor allem, das nachzumachen, fällt den meisten Pendlern schwer, weil es unter all den netten Mitreisenden eben immer einen gibt, der zu laut redet, stinkendes Essen isst oder aus einem anderen Grund nervt. Katja Walder, hinter der sich die Radiojournalistin Franziska von Grüningen verbirgt, beschreibt auch diese Nerver bestechend klar und pointiert. Aber eben: Sie mag sie doch.

Abgefahren! Im Zug mit Katja Walder. Pendlergeschichten, Limmat 2012, 191 S., Fr. 26.90

Alltags-Vermutungen

Das ist das Buch der ultimativ kurzen Sätze. Sieben Zeilen maximal, gesetzt in grosser Schrift. Kurz, aber gescheit. «Kinder hat man, um die Sinnfrage eine Generation weiterzureichen.» Oder: «Die Schweiz ist nicht mehr, was sie noch nie war.» «Zwischen dem Angry Young Man und dem Angry Old Man liegen ein paar Jahre, in denen Wütendsein nicht cool ist.» «366 Vermutungen» hat Niko Stoifberg in «Das Blaue Büchlein» gesammelt, Lina Müller sie lustig-krakelig illustriert. Je zwölf davon zusammen erschienen als Kolumne in «041 – Das Kulturmagazin» aus Luzern. Der Titel ist träf gewählt, Stoifberg behauptet nichts – und hat sich im schlimmsten Fall halt geirrt. Meist aber nicht. «Früher hat man die Geschenke an den Baum gehängt. Das ginge heute nicht mehr.» Da hat er auch dieses Jahr wieder recht gehabt, oder?

Niko Stoifberg: Das Blaue Büchlein. 366 Vermutungen, Der gesunde Menschenversand 2012, ohne Seitenzahlen, Fr. 25.90

Valeria Heintges