Zu viel Kohle

Klima Eine Studie zeigt, was bis 2020 getan werden muss, um das Zwei-Grad-Ziel zu erreichen: Jede Woche ein Kohlekraftwerk abstellen.

Bruno Knellwolf
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An der Weltklimakonferenz in Doha wurde vor einigen Tagen beschlossen, den Kyoto-Vertrag bis 2020 zu verlängern. Für das Klima bedeutet das allerdings wenig, weil damit keine konkreten Massnahmen verbunden sind, sondern nur Rahmenbedingungen geschaffen werden. Viel mehr als ein Versprechen, die Treibhausgasemissionen zu reduzieren, ist das nicht und wurde beispielsweise von der Schweizer Delegation nur als Minimalziel für Doha bezeichnet.

Viel konkreter ist nun, was gestern die ETH Zürich zusammen mit anderen internationalen Instituten im Fachmagazin «Natur Climate Change» veröffentlicht hat. «Wir wollten herausfinden, was bis 2020 unternommen werden muss, um die weltweite Klimaerwärmung für das gesamte 21. Jahrhundert unter zwei Grad zu halten», sagt Joeri Rogelj, Erstautor der Studie von der ETH Zürich. Das Zwei-Grad-Ziel ist international als jener Erwärmungswert akzeptiert, welchen Mutter Erde noch verkraften könnte und wird von mehr als 190 Ländern unterstützt.

Sehr hoher Preis

Die Forscher rechneten mehrere Szenarien durch und bezifferten, was es kosten würde, wenn die Treibhausgas-Emissionen im Jahr 2020 über bestimmten Grenzwerten lägen. Die Forscher erklären, dass das Ziel auch dann erreicht werden kann, wenn die Emissionen nicht vor 2020 reduziert würden. Das allerdings zu einem sehr hohen Preis und mit grossen Klimarisiken. Und nur wenn beispielsweise, die CO2-freundliche Atomenergie weiterhin zur Verfügung stünde.

Doch weil immer mehr Strom mit Kohlekraftwerken produziert wird, sind diese ein grosses Problem. «Man müsste während der nächsten zehn Jahre jede Woche ein Kohlekraftwerk abschalten, wenn man das Zwei-Grad-Ziel erreichen möchte», sagt Keywan Riahi, vom Internationalen Institut für Angewandte Systemanalyse in Laxenburg (IIASA). Besser allerdings sei, sofort mit der Reduktion der Emissionen zu beginnen, damit man Reserven hätte, falls neue Technologien nicht umsetzbar wären, zu teuer oder mit Nebenwirkungen verbunden.

Die Studie gehe weiter als bisherige, schreibt die ETH Zürich. Sie zeige genau auf, wie hoch die Emissionen im Jahr 2020 sein dürften. Bis dann müssten die weltweiten Emissionen auf 41 bis 47 Gigatonnen CO2-Äquivalente reduziert werden. Experten rechnen allerdings damit, dass im Jahr 2020 ohne besondere Massnahmen weltweit 55 oder mehr Gigatonnen ausgestossen würden. Heute sind es rund 50 Gigatonnen pro Jahr.

Schlüsseltechnologien

Die Entwicklung hänge stark von Schlüsseltechnologien ab, wie beispielsweise das «Carbon Capture and Storage», also das Versenken von CO2 in der Erde. Aber auch von der Waldaufforstung und dem Anbau von Pflanzen für Biotreibstoffe. Die effizienteste Klimaschutzmassnahme ist laut der Studie die Reduktion des Energiebedarfs und die Steigerung der Energieeffizienz. «Es ist sicher einfacher, das Klimaproblem vor uns herzuschieben. Doch wenn wir dies tun, riskieren wir, dass uns einige Klimaschutzmassnahmen langfristig nicht mehr zur Verfügung stehen», sagt David McCollum vom IIASA.