Zu Besuch auf der Burg von Kaiserin Sisi: Hier gibts seelische und kulinarische Entspannung

Das Südtirol: die Dolomiten, das mediterrane Flair der Hauptstadt Bozen, 300 Sonnentage jährlich, süsse Weine. Ist bekannt. Doch die italienische Provinz ist zudem eines der burgenreichsten Gebiete Europas.

Ursula Burgherr
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Burgen sind steingewordene Erinnerungen an eine längst vergangene Zeit. Dem heutigen Besucher bleibt das Staunen, wie die Menschen lebten und deren Kultur sich über die Jahrhunderte entwickelte.

Manche Burg in Südtirol sitzt wie angeklebt auf einem Felsvorsprung, wie die 1250 erbaute Brunnenburg bei Meran oder die historisch bedeutende Ruine Haderburg in Salurn, die als pittoreske Kulisse für Veranstaltungen genutzt wird.

Andere herrschaftliche Häuser schmiegen sich an sanfte Hügel, auf denen Weinreben die goldenen Sonnenstunden des Südtirols aufsaugen. Das Renaissanceschlösschen Castel Ringberg, von den Habsburgern erbaut, liegt im Zentrum des grössten Südtiroler Weinbergs.

Tscherms: Sieben Gärten – eine Oase

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Es muss nicht immer ein Schloss sein. Für Kulturinteressierte, Ruhesuchende oder Genussmenschen ist der Kränzelhof in Tscherms eine Oase. Das gotische Herrenhaus wird von der Besitzerfamilie bewohnt. Die uralten Kellergewölbe, in denen die Trauben der umliegenden hofeigenen Weingärten gekeltert werden, können bei einer Führung besichtigt werden.

Schlossherr Franz Graf Pfeil setzt als Kunstmäzen nicht nur auf edle Tropfen. Im Gourmet-Restaurant Miil erfüllen sich alle kulinarischen Wünsche. In den «7 Gärten» bietet sich Besucherinnen und Besuchern ein wunderschöner Skulpturenpark mit Werken zeitgenössischer Künstler. Mit verschiedenen Yoga- und Meditationsangeboten kann man dort in die Ruhe und Ästhetik des botanischen Gesamtkunstwerks eintauchen.

Das Ziel von Pfeil: «Ich will den Besuchern Genuss und Freude bieten, wie ich es für mich selbst wünschen würde.»

www.kraenzelhof.it

Schenna: Wo die Adligen Teil des Dorflebens sind

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Vier Kilometer oberhalb Merans liegt die Ortschaft Schenna, umgeben von Weinbergen und einer traumhaften Bergkulisse. Über dem Dorf thront Schloss Schenna, Stammsitz der Grafen von Meran und bis heute im Privatbesitz der Familie. Alle Räume im historischen Gemäuer sind original eingerichtet und öffentlich zugänglich.

Schenna ist somit nicht nur eines der schönsten Schlösser in einem schlossreichen Land; es ist das einzige, das bis hin zur Bettwäsche die Authentizität seiner Geschichte zelebriert. Franz Graf von Spiegelfeld sagt stolz:

«Man kann Gegenstände bewundern, mit denen die Menschen vor 200 Jahren wirklich gelebt haben.»

Der Schlosstrakt mit den herrschaftlichen Räumen beherbergt das Museum, im ehemaligen Gesindetrakt an der Westseite wohnt heute die Familie. Graf Spiegelfeld, der selber gerne Gäste durch das Schloss führt, liebt besonders das Turmzimmer.

Der gemütliche, runde Raum lässt ahnen, warum man hier gebaut hat: Im Westen geht der Blick bis nach Schloss Tirol bei Meran, auf der Südseite schaut man Richtung Bozen.

Schloss Schenna hat eine berühmte Bauherrin: Margarethe Maultasch, wie die letzte Gräfin von Tirol gemeinhin genannt wurde. Sie gab den Bau um 1350 in Auftrag. 1363 über- schrieb die kinderlose Landesfürstin ihre Grafschaft den Habsburgern. Im Lauf der Jahrhunderte wechselte auch das Schloss seine Besitzer, wurde renoviert und erweitert.

In den Besitz der gräflichen Familie Meran kam das Schloss durch den Urururgrossvater von Graf Spiegelfelds Frau, Johanna Gräfin von Meran: Erzherzog Johann von Österreich prägte als einer der grossen Weinpioniere die Zukunft des Südtirols nachhaltig.

Das Schloss zu erhalten, ist die grosse Herausforderung

Unterhalb des Schlosses, am Kirchenhügel von Schenna, steht als letzte Ruhestätte Erzherzog Johanns und seiner Familie das Mausoleum. Die Grabkapelle hat die Grandezza einer in den Himmel strebenden Kathedrale und gilt als eine der gelungensten neugotischen Sakralbauten des 19. Jahrhunderts.

Eine Burg zu bauen, war im Mittelalter eine Meisterleistung der Technik; die Gemäuer in modernen Zeiten instand und rentabel zu halten, eine aktuelle. Mit Eintrittsgeldern allein sei es nicht getan, sagt Graf Spiegelfeld, aus der öffentlichen Hand komme viel zu wenig Unterstützung. «Aber wir warten nicht, bis uns jemand hilft, sondern krempeln die Ärmel hoch», sagt er.

Es geht um viel: «Wir wollen diesem Haus eine Zukunft geben.» Graf Spiegelfeld sieht darin seine Lebensaufgabe, die er stolz und engagiert erfüllt.

Das sieht man im Dorf ähnlich. Vom Hotel Erzherzog Johann in Schenna aus hat man einen Ausblick zum Schloss. Hotelier Hansi Pichlers Grossvater beaufsichtigte als Kastellan das Schloss, sein Vater verbrachte seine Kindheit darin. Mit den Adligen gehe man heute entspannt um, sagt Pichler: «Der Adel ist ins Dorfleben integriert.» Man arbeite zusammen, einen Sonderstatus gebe es nicht.

www.schloss-schenna.com

Trauttmansdorff : Weitblick in die Bergwelt

Bild: zvg

Über die Gärten, die ihm wie ein natürliches Amphitheater zu Füssen liegen, erhebt sich Schloss Trauttmansdorff. In über achtzig Gartenlandschaften gedeihen Blüten und Pflanzen aus aller Welt. Besucher erleben eine sorgsam geschaffene Symbiose von Gemäuer und gezähmter Natur.

Von kleinen Terrassen geniesst man zudem den Weitblick in die spektakuläre Bergwelt. Der sogenannte Sissi-Weg (anders als im deutschsprachigen Raum und anders als sie selbst schreiben die Italiener den Kosenamen der legendären Kaiserin nach wie vor mit doppeltem S) führt in 45 Gehminuten von Meran zu der zwölf Hektaren grossen Anlage.

Im Schloss untergebracht ist das Landesmuseum für Tourismus, das «Touriseum», das 250 Jahre Gastfreundschaft in Tirol würdigt. Dass es ausgerechnet Trauttmansdorff wurde, ist kein Zufall. Berühmtester Schlossgast war Kaiserin Sisi, die hier einige Winter verbrachte. Sie liebte die Kurstadt Meran und kurbelt damit bis heute den Tourismus in der Region an.

Vieles im Schloss ist im Zustand wie zu Sisis Zeiten erhalten: Tapeten, Kachelöfen, die Schnitzerei am Kopfende ihres Bettes. Habseligkeiten der Kaiserin sind zu sehen – wie der kleine, spitzengeschmückte Sonnenschirm oder der Fächer, mit dem sie sich die würzige Luft Südtirols zufächelte.

Skurril als Ausstellungsgegenstand und zugleich rührend anzusehen ist ein angeschnittener Kuchen: Sisi höchstpersönlich soll im September 1896 eine Scheibe davon gekostet haben. Die Reisetruhe steht zwar unter Glas, aber man möchte meinen, dass Ihre kaiserliche Hoheit nur kurz hinausgegangen ist, um ein paar Anweisungen zu erteilen. Wer die Kaiserin spüren möchte, kommt ihr hier sehr nahe.

www.trauttmansdorff.it

Die drei Burgmuseen des Extrembergsteigers

Der Südtiroler Extrembergsteiger Reinhold Messner besitzt drei Burgen in Südtirol und hat eine besondere Museumskultur geschaffen. Schloss Sigmundskron bei Bozen ist den Bergen gewidmet und der Geschichte ihrer Bezwingung. In der 700 Jahre alten Burganlage Juval, hoch über dem Schnalstal, erzählt er von der Mystik der Berge und zeigt eine beeindruckende Sammlung tibetischer Handwerkskunst sowie Masken aus fünf Kontinenten. Sehenswert ist der Park mit Bergtieren aus aller Welt. Hauptthema in Schloss Bruneck im Pustertal sind die Bergvölker.

www.messner-mountain-museum.it


Weitere Infos unter: www.suedtirol.info/de.

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