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Zeigt her eure Königskinder: Warum Meghan und Harry die Briten verärgern

Die Briten warten sehnsüchtig auf die Geburt von «Baby Sussex». Doch Meghan und Harry wollen ihre Familie schützen. Keine Fotos, keine News. Dürfen die das? Nein, meint die englische Presse und schlägt zurück.
Katja Fischer De Santi
Prinz William und Kate, Duchess of Cambridge auf dem Flughafen Berlin mit ihren Kindern Prinz George and Prinzessin Charlotte 2017 (Steffi Loos/Pool Photo via AP, File)

Prinz William und Kate, Duchess of Cambridge auf dem Flughafen Berlin mit ihren Kindern Prinz George and Prinzessin Charlotte 2017 (Steffi Loos/Pool Photo via AP, File)

Gestern Dienstag vor einem Jahr – am 23. April – stand Herzogin Kate im roten Kleid mit weissem Spitzenkragen vor dem Londoner St. Mary’s Hospital und winkte. Wenige Stunden zuvor hatte sie ihr drittes Kind – Louis – auf die Welt gebracht. Stolz und etwas blass um die Nase präsentierte sie Thronfolger Nummer fünf den Fotografen und der Welt. Das Riesenrad «London Eye» erstrahlte zeitgleich in den Farben des Union Jacks, Kanonenschüsse wurden zu Ehren den jüngsten Mitglieds der englischen Königsfamilie abgefeuert. Die Queen wird ihre helle Freude daran gehabt haben.

Seit seiner Geburt ein Posterboy: Der am 23. April einjährig gewordene Prinze Louis, fotografiert von seiner Mutter Kate, Herzogin von Cambridge,. (Duchess of Cambridge/Kensington Palace via AP)

Seit seiner Geburt ein Posterboy: Der am 23. April einjährig gewordene Prinze Louis, fotografiert von seiner Mutter Kate, Herzogin von Cambridge,. (Duchess of Cambridge/Kensington Palace via AP)

Nun wartet die Welt wieder mit angehaltenem Atmen auf eine royale Niederkunft. Es kann nur noch wenige Tage dauern, bis Meghan Markle, Duchess of Sussex und Prinz Harrys Frau, ihr erstes Kind zur Welt bringt. Bereits machen Gerüchte die Runde, das Baby sei schon längst da. Zur Welt gekommen im Geheimen, ganz ohne Tweet ab der ersten Wehe wie bei Kate.

Möglich wär es. Denn Meghan Markle, geschiedene farbige Amerikanerin, Feministin und sonst noch einiges, was konservativen Aristokraten das blaue Blut gefrieren lässt, ist bekannt dafür, pro Woche mit mindestens einem Hofprotokoll zu brechen. Den Rocksaum etwas zu kurz, die Nägel zu bunt, die Schultern zu nackt, Avocadoschnitze statt Scones zum Tee gereicht. Die Liste ihrer Tabubrüche ist lang.

Prinz Harry and Meghan, auf Besuch in Marokko im Februar 2019. (Facundo Arrizabalaga/Pool Photo via AP, File)

Prinz Harry and Meghan, auf Besuch in Marokko im Februar 2019. (Facundo Arrizabalaga/Pool Photo via AP, File)

Doch Meghan schien man das lange zu verzeihen, die coole Herzogin von Sussex hatte die Medien und die Öffentlichkeit hinter sich. Ihr und Harrys Instagram-Account, erst Anfang April aufgeschaltet, sammelte innerhalb von knapp sechs Stunden mehr als eine Million Follower: Weltrekord.

In aller Stille und privat ihre Familie geniessen

Doch letzte Woche wendete sich das Blatt. Prinz Harry und Herzogin Meghan gaben in einem offiziellen Statement bekannt, dass sie die Geburt ihres Kindes und die erste Zeit mit dem Neugeborenen in aller Stille und privat geniessen wollen. Es werde keine detaillierte Berichterstattung während der Wehen und keinen Fototermin kurz nach der Geburt geben. Es ist noch nicht einmal bekannt, wo die Duchess gedenkt niederzukommen. Möglicherweise wird es eine Hausgeburt, offenbar ein stiller Wunsch Meghans. Sie träte damit in die Fussstapfen der Queen, die ihre vier Kinder zu Hause gebar.

Aber eben: «Baby Sussex» könnte längst auf der Welt sein – und niemand weiss davon! In England, wo man neben dem Brexit-Elend nach Good News lechzt, liegen die Nerven blank. «The Sun», ­Englands auflagestärkste Boulevardzeitung, schreibt, dass ­Meghan und Harry mit einer 40 Jahre alten Tradition brechen und dem Volk, die ihm zustehenden Bilder vorenthalten würden.

Queen Elizabeth noch als Prinzessin mit ihrem Sohn Charles, kurz nach dessen Geburt 1948. (Bild: Getty)Queen Elizabeth noch als Prinzessin mit ihrem Sohn Charles, kurz nach dessen Geburt 1948. (Bild: Getty)
William und Kate nach der Geburt ihres dritten Kindes vor dem St. Mary’s Hospital. (Bild: Chris Jackson/Getty (23. April 2018))William und Kate nach der Geburt ihres dritten Kindes vor dem St. Mary’s Hospital. (Bild: Chris Jackson/Getty (23. April 2018))
Hinten stehen von links nach rechts: Herzogin Kate, Prinz Louis, Prinz William, Prinz Harry, Herzogin Meghan und vorne v.l.n.r.: Prinz George, Prinz Charles, Herzogin Camilla und Prinzessin Charlotte. (Bild: Chris Jackson/Pool Photo, 5. September 2018)Hinten stehen von links nach rechts: Herzogin Kate, Prinz Louis, Prinz William, Prinz Harry, Herzogin Meghan und vorne v.l.n.r.: Prinz George, Prinz Charles, Herzogin Camilla und Prinzessin Charlotte. (Bild: Chris Jackson/Pool Photo, 5. September 2018)
Die Taufe von Prinz Louis wurde im Juli 2018 gefeiert und mit diesem Foto der Öffentlichkeit präsentiert. (Bild Keystone/EPA/MATT HOLYOAK / CAMERA PRESS / HANDOUT, 16. Juli 2018)Die Taufe von Prinz Louis wurde im Juli 2018 gefeiert und mit diesem Foto der Öffentlichkeit präsentiert. (Bild Keystone/EPA/MATT HOLYOAK / CAMERA PRESS / HANDOUT, 16. Juli 2018)
Diana und Charles mit ihrem erstgeborenen Sohn vor dem St. Mary’s Hospital. (Bild: Jon Hoffman/Getty (22. Juni 1982))Diana und Charles mit ihrem erstgeborenen Sohn vor dem St. Mary’s Hospital. (Bild: Jon Hoffman/Getty (22. Juni 1982))
Prinz William und Kate, Duchess of Cambridge auf dem Flughafen Berlin mit ihren Kindern Prinz George and Prinzessin Charlotte 2017 (Steffi Loos/Pool Photo via AP, File)Prinz William und Kate, Duchess of Cambridge auf dem Flughafen Berlin mit ihren Kindern Prinz George and Prinzessin Charlotte 2017 (Steffi Loos/Pool Photo via AP, File)
Die schwangere Meghan Markle, Duchess von Sussex. (Bild: Chris Jackson/Keystone)Die schwangere Meghan Markle, Duchess von Sussex. (Bild: Chris Jackson/Keystone)
7 Bilder

Zeigt her eure Königskinder

Ältere britische Journalisten verfassen weinerliche Aufsätze, in denen sie den guten alten Zeiten nachtrauern:

«Früher konnte man mit Prinz Harry ein Bier trinken gehen, heute sagt er nicht einmal guten Morgen.»

Und beschwören den ungeschriebenen Vertrag zwischen dem Königshaus und der Presse. Der da laute: Ihr gebt uns gute Storys und Bilder, wir legitimieren eure dekadente Existenz auf Steuerzahlers Kosten.

Im Dienste der Krone Babys produzieren

Ein Ruf, der nicht ungehört verschallt. Prinz Harrys letzter bezahlter Job ausserhalb des Königshauses war bei der Armee, und den beendete er 2015. Seither ist er nur noch Prinz. Für die Bewilligung seines zweiwöchigen Vaterschaftsurlaubs musste er bei der Queen anklopfen. Und Meghan? Sie ist seit der Heirat in erster Linie Harrys Frau und ebenfalls im Dienste der Krone tätig. Kinder gebären gehört definitiv in ihren Aufgabenbereich.

Ein Baby zu bekommen, sei ein zutiefst persönliches und privates Ereignis, schreibt ein Kolumnist der «Daily Mail», aber ein königliches Baby sei eben auch ein Leuchtfeuer britischer Freude. «Was ist der Sinn unseres Königshauses, wenn wir ihre Kinder nicht in einer völlig verrückten britischen Orgie feiern können?»

Enttäuschte Fans, verzweifeltes Tourismusbüro

Die Orgie ist nun abgesagt, es gibt keinen Ort, keinen Zeitpunkt für sie. Zwar sind die Hotels in London für die nächsten Tage gut gebucht. Fans aus der ganzen Welt sind angereist, in der Hoffnung, einen Blick auf «Baby Sussex» erhaschen zu können – aber wohl vergeblich. Das Londoner Tourismusbüro versucht sie mit speziellen «Baby-Tours» und «Baby-Hotel-Packages» bei Laune zu halten. Ein Wickeltisch im Hotelzimmer dürfte jedoch ein schwacher Trost sein.

Noch mehr verstören können Meghan und Harry die Briten jetzt nur noch, wenn sie ihrem Baby einen amerikanischen Namen wie Abigail oder Mike geben und damit nach Afrika auswandern. Beide Storys geisterten denn auch prompt im Netz herum, was zeigt: die britische Presse hat ihre Kampfhandschuhe montiert, die Schonzeit ist vorbei, «Baby Sussex» muss einiges gutmachen.

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