Zauber des Advents

Advents- und Weihnachtsmärkte Traditionen helfen uns, die Vorweihnachtszeit bewusst zu begehen. Dazu gehört ein Spaziergang durch liebevoll dekorierte und beleuchtete Altstädte. Wir stellen Märkte in Deutschland, Frankreich, Italien und Österreich vor – abseits des Rummels. Sybil Jacoby

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Stimmungsvoller Weihnachtsmarkt in Mulhouse bei der Kathedrale. (Bild: CRTA/Meyer)

Stimmungsvoller Weihnachtsmarkt in Mulhouse bei der Kathedrale. (Bild: CRTA/Meyer)

Ein klirrend kalter Abend, der Schnee knirscht unter den Füssen, die klammen Finger wärmen sich an einem Becher Glühwein. Und der Duft nach Lebkuchen, gebrannten Mandeln und Zuckerwatte verführt Schleckmäuler. Ursprünglich dienten Adventsmärkte dazu, damit sich die Bürger zu Beginn der kalten Jahreszeit mit winterlichem Bedarf eindecken konnten. Im Laufe der Zeit wurden sie zu einem festen Element vorweihnachtlichen Brauchtums.

Deutschland: Hanseromantik

Bei unserem Nachbarn haben Weihnachtsmärkte Tradition; es soll an die 2500 geben. Weniger bekannt sind diejenigen im Norden Deutschlands, etwa in Hamburg oder Lübeck, wo Tausende von Lampen und Kerzen die Häfen und Backsteinhäuser in ein Lichtermeer verwandeln. Bei Grog, Glühwein und Piratentrank lauscht man überlieferten Abenteuern und fühlt sich in die Zeit der Seefahrer und Wanderkaufleute zurückversetzt.

In Emden (Ostfriesland) gibt es den schwimmenden Engelke-Markt. Er liegt auf dem riesigen Ponton am Ratsdelft und ist nur über zwei Brücken zu erreichen. Umrahmt wird er von zwei festlich beleuchteten Museumsschiffen.

www.emden-touristik.com

In Wismar (Mecklenburg-Vorpommern) ist der Markt stilvoll eingerahmt vom hell erleuchteten Rathaus, von Wasserkunst und den altehrwürdigen Giebelhäusern. Der historische Platz soll im Advent ein Paradies für Familien sein; einmalig sind der Kinderweihnachtsmarkt.

www.wismar.de

In Lauscha (Thüringen), der Geburtsstadt des gläsernen Christbaumschmucks, dreht sich alles um die Kostbarkeiten aus Glas. Die Innenstadt ist eine grosse Fussgängerzone mit Ständen, Werkstätten und kleinen Läden. Hier werden Kugeln, Tannenzapfen und Glocken zu Kunstwerken.

www.lauscha.de

Die über 1200 Jahre alte Landeshauptstadt Magdeburg (Sachsen-Anhalt) erstrahlt dieses Jahr in neuem festlichen Licht. Vor der einzigartigen Kulisse des Rathauses werden gebrannte Mandeln, Zuckerwatte und grüner Glühwein angeboten. Ein Kinderprogramm verspricht spannende Unterhaltung auch für die Kleinen.

www.magdeburg-tourismus.de

In Wittenberg (Brandenburg) gibt die Predigtkirche mit dem grossartigen Flügelaltar von Lucas Cranach eine unverwechselbare Kulisse für den Weihnachtsmarkt ab. Die Stimmung in den Adventshöfen ist einzigartig. Nicht verpassen sollte man «Martin Luthers Weihnachtsspiel».

www.wittenberg.de

Ludwigsburg (Baden-Württemberg) soll einen der schönsten Barock-Weihnachtsmärkte der Region haben. Lichttore aus Tausenden von Leuchten spannen sich über den Dächern der rund 170 Buden; Engel breiten anmutig ihre glitzernden Flügel aus.

www.ludwigsburg.de

Frankreich: Krippen und Hirten

Der Weihnachtszauber im Elsass beginnt am 25. November und endet am Dreikönigstag. Die Region ist in verschiedene «Pays» aufgeteilt: es gibt zum Beispiel ein Pays des Mystères (etwa in Haguenau), ein Pays des Lumières (Saverne), ein Pays des Saveurs (Strassburg) oder ein Pays des Etoiles (Colmar). Auf den Strassen begegnet einem das Christkind, Hans Trapp oder der Heilige Nikolaus – die Sagenfiguren der Elsässer Weihnachten.

www.tourisme-alsace.com

Die Bräuche in der Provence sind auf ihre Weise einmalig: Hier spielen vor allem Hirten-Zeremonien eine grosse Rolle, und auch die Noëls, die Weihnachtsgesänge in provenzalischem Dialekt, werden gepflegt. Den Ursprung der berühmten Krippen kann man bis ins 12. Jahrhundert zurückverfolgen. Die echte besteht aus der idealisierten Darstellung eines Dorfes: mit einem Müller, Bäcker, Schäfer, Kupferschmied, der Fischhändlerin usw.

In Arles findet ab 20.11. bis 11. Januar 2009 der berühmte 51. Salon Internationale des Santonniers statt (Krippenfigurenhersteller). Santon-Märkte gibt es in Marseille, Aix-en-Provence, Sorgue, Saint-Maximin-la-Sainte-Baume oder Callian. In Menton dreht sich 2008 alles um die Kinderlieder (ab 6.12.), in Digne-les-Bains wird das Eselfest begangen (14.12.), und typisch provenzalisch geht's auf dem Bauern-Weihnachtsmarkt von Malijai zu (14.12.).

www.provenceweb.fr

Der grösste Weihnachtsmarkt Nordfrankreichs liegt in Amiens. Im Hof des Rathauses befindet sich eine begehbare Kugel, wo man die fabelhafte Welt des «Weihnachtsmannes» entdecken kann. Zudem wird die grösste gotische Kathedrale des Landes in Farben beleuchtet.

www.marchedenoel.fr

Auch Lille erstrahlt in unzähligen Lichtern, und an der Place Rihour bieten zahlreiche Aussteller Produkte aus der Region an, Honigkuchen, Krippenfiguren, Schmuck, alte Objekte oder Designstücke. Ein Riesenrad bietet den besten Blick auf die Stadt.

www.noel-a-lille.com

Italien: Kunsthandwerk

Im Süden fasst die Tradition des Weihnachtsmarktes immer mehr Fuss, vor allem in Südtirol.

In Bozen schmücken leuchtende Girlanden Strassen und Plätze des Mercatino di Natale, Pferdekutschen klappern durch die Gassen, Marroni-Duft hängt in der Luft. Vom 27. November bis 23. Dezember bieten die 80 Aussteller in den geschmückten Hütten ihre handgefertigten Produkte aus Holz, Glas, Keramik an sowie feines Weihnachtsgebäck. Im Innenhof des Palais Campofranco wird ein «Winterwald» aufgestellt, und das Lichterspiel des grossen Adventskalenders erfreut die Kinder.

www.bolzano-bozen.it

Der Meraner Advent bietet in einer märchenhaften Atmosphäre eine Vielzahl von Ideen für Geschenke, darunter auch traditionelle Webarbeiten, Holzfiguren und Wollpantoffeln, Spielsachen und Gebäck. Dieses Jahr wird wieder eine Feuerzangenbowle gereicht. Zudem kann man an zahlreichen Ständen Kunsthandwerkern über die Schulter schauen.

www.meraneradvent.it

Österreich: Besinnlichkeit

Im Bregenzerwald liegt Schwarzenberg. Mit seinen holzgeschindelten Häusern, dem denkmalgeschützten Dorfplatz und der kunsthistorisch beachtenswerten Pfarrkirche bildet es die ideale Kulisse für Konzerte und Lesungen in der besinnlichen Adventszeit.

www.schwarzenberg.at

Besinnlichkeit und Brauchtum werden auch bei den 18 Kleinen Historischen Städten (KHS) gepflegt: Zwischen Boden-und Neusiedlersee sind sie wie Schmuckstücke im ganzen Land versteckt: Baden bei Wien, Bad Ischl, Bad Radkersburg, Enns, Feldkirch, Gmunden, Hall (Tirol), Imst- Gurgltal, Judenburg, Kufstein, Lienz, Radstadt, Rust, Schärding, Spittal, Steyr, Wels und Zell am See.

Enns, die älteste Stadt Österreichs, wird zur Märchenwelt. Auf Schloss Ennsegg machen die 70 Aussteller den Adventsmarkt zu einem unvergesslichen Erlebnis. Bei Lesungen wird die besinnliche Seite des Advents angesprochen. Im Schlosshof verbreiten Feuerstellen und lodernde Fackeln eine romantische Stimmung.

www.enns.at

Wenn der Traunsee vom Schnee in eine glitzernde Landschaft verwandelt wird, ist Gmunden unvergleichlich schön. Rund um den See finden Adventsingen, Christkindlmärkte und Brauchtumsveranstaltungen statt, und bei einer Schifffahrt lässt sich der Adventszauber besonders stimmungsvoll erleben.

www.traunsee.at

In Radstadt stapfen Besucher in Weihnachtswanderungen entlang der mit Fackeln ausgesteckten Kaiserpromenade durch den tief verschneiten Wald, begleitet von weihnachtlichen Klängen und köstlichem Punsch. Im Zeughaus am Turm können sie sich mit Gebäck und Likören stärken.

www.radstadt.at

Sybil Jacoby

www.deutschland-tourismus/weihnachtsmaerkte www.franceguide.com www.enit.ch www.austria.info/www.khs.info

Gmunden am Traunsee: Schifffahrt zur Adventszeit. (Bild: Ferienregion Traunsee)

Gmunden am Traunsee: Schifffahrt zur Adventszeit. (Bild: Ferienregion Traunsee)

Engel als Wahrzeichen des Ludwigsburger Marktes. (Bild: Tourist Information Ludwigsburg)

Engel als Wahrzeichen des Ludwigsburger Marktes. (Bild: Tourist Information Ludwigsburg)

Der Mercatino di Natale in der Bozner Altstadt. (Bild: SMG/Alex Filz)

Der Mercatino di Natale in der Bozner Altstadt. (Bild: SMG/Alex Filz)

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