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Wo grosse Musikschöpfer gewohnt haben: Klassikreise nach Sachsen

Dresden und Leipzig sind zwei Klassikhochburgen im Osten Deutschlands. Es lohnt sich, nebst den Konzerten auch die zu hervorragenden Museen umgestalteten Musikerstätten zu besuchen.
Antonio Russo
Ein Konzert im Leipziger Gewandhaus ist ein grossartiges Erlebnis. (Bild: Jens Gerber)

Ein Konzert im Leipziger Gewandhaus ist ein grossartiges Erlebnis. (Bild: Jens Gerber)

Wer hätte gedacht, dass über die Hälfte der Stadtfläche Dresdens – grün ist. Das wird unserer Reisegruppe klar, als der Kleinbus das Stadtzentrum mit der markanten Silhouette verlässt und in südöstlicher Richtung der Elbe entlang aufs Land hinausfährt. Am Abend davor waren wir Gäste der 42. Dresdner Musikfestspiele, die im Kulturpalast mit Carl Maria von Webers Ouvertüre der Oper «Euryanthe» eröffnet wurden.

Der Elbufer-Radweg in Dresden.

Der Elbufer-Radweg in Dresden.

Nun reisen wir nach Hosterwitz bei Pillnitz zum Sommerhaus des Komponisten, der sich 1818 im Haus eines Winzers eingemietet hatte und dort bis 1824 mit seiner Familie die Sommermonate verbrachte.

Carl Maria von Webers Sommerhaus in Hosterwitz

Carl Maria von Webers Sommerhaus in Hosterwitz

An diesem idyllischen Ort, umgeben von Garten, Weinbergen und Auen, hat Weber unter anderem grosse Teile des «Freischütz» zu Papier gebracht. Die originalen Räume beherbergen Kunstobjekte, Gemälde, Schriften und andere Zeitzeugnisse. Wir erfahren, dass Weber das deutsche Singspiel revolutioniert und so einen Kontrapunkt im von italienischen Komponisten geprägten Opernrepertoire gesetzt hat.

Das Sommerhaus in Dresden-Hosterwitz ist das einzige noch erhaltene Haus, in dem Weber gewohnt hat.

Wagner auf dem Land, Mendelssohn in der Stadt

Die Nähe zur Natur hat auch andere Komponisten inspiriert. Wenige Kilometer weiter östlich erreichen wir Graupa, heute ein Stadtteil von Pirna. Im Sommer 1846 zog Richard Wagner zur Erholung für zweieinhalb Monate aufs Land. Auf dem Gut einer Bauernfamilie bezog er eine kleine Kammer. Die ausgiebigen Wanderungen in der nahe gelegenen Naturlandschaft, bekannt als «Sächsische Schweiz», haben Wagner offenbar derart inspiriert, dass er während dieses Sommers praktisch den ganzen Kompositionsentwurf der Oper «Lohengrin» niederschrieb.

Heute findet man auf dem damaligen Bauerngut die Wagner-Gedenkstätten, die mit einem zeitgemässen Ausstellungskonzept auch Nicht-Wagnerianer zu fesseln wissen. Das Versprechen der Ausstellungsmacher lautet denn auch: «Keine Angst vor Wagner! Oper ist ein Erlebnis!» Die nächste Etappe wartet in Wagners Geburtsstadt Leipzig auf uns, wo ein anderer grosser Komponist seine Spuren hinterlassen hat: Felix Mendelssohn Bartholdy, der fünfte von bis heute 21 Kapellmeistern des weltweit bekannten Gewandhausorchesters.

Mendelssohns Musikzimmer in Leipzig

Mendelssohns Musikzimmer in Leipzig

Mit einer gewissen Ehrfurcht nehmen wir die breiten, dunkelbraunen Stufen der historischen Holztreppe unter die Füsse. Es knarrt bei jedem Tritt, und ich stelle mir vor, wie Mendelssohn durch dieses Treppenhaus hinauf- und hinuntergestiegen ist. Im spätklassizistischen Gebäude an der heutigen Goldschmidtstrasse 12 in Leipzig hat der Komponist, Dirigent und Pianist mit seiner Familie die letzten zwei Jahre seines kurzen Lebens verbracht. Er starb am 4. November 1847, mit nur 38 Jahren.

Jeden Sonntag Hauskonzert

Seit 1997 ist Mendelssohns letzte Privatadresse ein Museum, das einen faszinierenden Einblick in das bürgerliche Leben des 18. Jahrhunderts bietet. Die gut erhaltenen und klug inszenierten Exponate sorgen für ein rundum lebhaftes Sittenbild: Man staunt etwa über die originalen Wandfarben und Tapeten, Mendelssohns Arbeitszimmer mit Klavier und Schreibtisch, das Frauen- sowie das Kinderzimmer und über den grossen Musiksalon, wo Felix zusammen mit seiner geliebten Schwester Fanny Hauskonzerte vor illustrem Publikum gab. Auch heute wird für die Besucher im Musiksalon jeden Sonntag um 11 Uhr zum Hauskonzert geladen.

Multimedialer Dirigierraum im Mendelssohn-Haus. (Bild: Andreas Schmidt)

Multimedialer Dirigierraum im Mendelssohn-Haus. (Bild: Andreas Schmidt)

Im modernen Museumsteil regt ein multimedialer Dirigierraum mit Bildschirm und Klangsäulen dazu an, sich mit Hilfe einer digitalen Partitur als Dirigent zu versuchen. Der Selbstversuch macht riesig Spass.

Fast ein Stadtheiliger: Johann Sebastian Bach

Im Bose-Haus steht das Leben einer weiteren Grösse der Musikgeschichte im Fokus: Johann Sebastian Bach, der in Leipzig die Stelle als Thomaskantor antrat und während 27 Jahren bis zu seinem Tod 1750 innehatte.

Thomanerchor vor der Thomaskirche in Leipzig.

Thomanerchor vor der Thomaskirche in Leipzig.

In der «Schatzkammer» des Museums sind seine Handschriften zu sehen, die sorgsam unter Glas präsentiert und laufend ausgewechselt werden. Auch die letzte erhaltene Bach-Orgel gehört zu den Höhepunkten des Museums, das sich intensiv der Erforschung des Bach’schen Werks und der weitverzweigten Bach-Familie widmet. Gegenüber des Museums blickt man auf die Bach-Statue vor der Thomaskirche, in der Bach gewirkt hat. In den musikalischen Gottesdiensten, den Motetten, wird Bachs kirchenmusikalische Erbe gepflegt: Jeden Freitagabend um 18 Uhr sowie am Samstagnachmittag um 15 Uhr kommt hier eine Bach-Motette respektive eine Bach-Kantate zur Aufführung, natürlich unter Mitwirkung des Thomanerchors.

Dass Bach in Leipzig fast wie ein Stadtheiliger verehrt wird, dazu hat Felix Mendelssohn beigetragen, der die in Vergessenheit geratene Matthäus-Passion «wiederentdeckt» sowie einige weitere Bach-Werke bearbeitet und damit eine Bach-Renaissance eingeläutet hat.

Die Reise wurde von Sachsen Tourismus unterstützt. Umfangreiche Informationen unter: www.sachsen-tourismus.de

Musikereignisse in Sachsen

Die nächsten Dresdner Musikfestspiele finden von Mitte Mai bis Mitte Juni 2020 an 22 Spielorten statt. Das Programm reicht von Klassik bis Jazz und Pop – mit einheimischen und internationalen Orchestern, Ensembles und Solokünstlern. www.musikfestspiele.com
Das Bachfest Leipzig feiert den Komponisten mit zahlreichen Konzerten vom 14.–23. Juni 2019 und ab dem 11. Juni 2020. www.bachfestleipzig.de
Clara 19: An den 200. Geburtstag Clara Schumanns erinnert Leipzig das ganze Jahr über mit Konzerten und im September mit einer Sonderausstellung im Schumann-Haus, wo Clara und Robert Schumann vier Jahre lang gewohnt haben. www.clara19.leipzig.de
Das Gewandhausorchester führt im Gewandhaus vom 13.–24. Mai 2021 alle Sinfonien von Gustav Mahler auf. www.gewandhausorchester.de

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