Tiersender
Wissenschaftler erforschen Verhalten von Wildtieren – nur Schweizer Wölfe sträuben sich

Auch hierzulande erforschen Wissenschafter das Verhalten von Wildtieren mittels Fernüberwachung. Allerdings lassen sich nicht alle Tiere überwachen.

Merken
Drucken
Teilen
Urs Breitenmoser (rechts) und sein Kollege gaben 1984 einem betäubten Luchs ein Sender-Halsband mit.Foto: U. Breitenmoser

Urs Breitenmoser (rechts) und sein Kollege gaben 1984 einem betäubten Luchs ein Sender-Halsband mit.Foto: U. Breitenmoser

Urs Breitenmoser

In der Schweiz begann die Erforschung von Tieren mittels Sender Anfang der 1980er-Jahre. «Damals dachten viele Experten, im alpinen Gelände funktioniere die Verfolgung über Funksender gar nicht», sagt Urs Breitenmoser, Leiter des Wildtierprogramms Kora. Denn in den Bergen werden die Funkstrahlen oft abgelenkt.

Der Biologe liess sich aber nicht entmutigen: Im Jahr 1983 stattete er erstmals einen Luchs mit einem Sender-Halsband aus. Er unternahm lange Wanderungen, um den Funkkontakt zu seinem Schützling nicht zu verlieren. So konnte er dessen Reviergrösse ermitteln – und staunte: Die Raubkatze durchstreifte ein über 1800 Quadratkilometer grosses Territorium. Auch Dachse, Hirsche und Füchse untersuchten Forscher schon früh mittels Sendern. Später ermöglichten immer leichtere Geräte, auch kleinere Tierarten aus der Ferne zu verfolgen: beispielsweise Birkhühner, Störche oder Waldschnepfen.

Rotmilanen auf der Spur

Vor wenigen Jahren brachten Forscher der Vogelwarte Sempach an mehreren hundert Rotmilanen Ortungsgeräte an. Die Greifvögel geben den Biologen Rätsel auf: Sie haben sich in der Schweiz in den letzten Jahrzehnten rasant verbreitet. Nun wollen die Forscher mittels Sendern die Gründe dafür herausfinden. Auch im Schweizerischen Nationalpark sind GPS-Geräte im Einsatz, um das Verhalten von Rothirschen, Gämsen und Steinböcken aufzuzeichnen.

Bei einer Tierart hingegen hat in der Schweiz bisher erst ein einziges Exemplar einen Sender erhalten: ein junger Wolf. Mehr Wölfe mit Sendern auszustatten wäre wünschenswert, sagt Christina Steiner, Präsidentin des Vereins CHWolf. Zur Forschung, aber auch, um Schafherden zu schützen. Doch: «Wölfe aufzuspüren und zu fangen ist, schwierig und kostspielig.» Und die GPS-Ortung am bisher einzigen Exemplar überlebte das grobe Spiel der Jungwölfe genau eine Woche. (now)