Wirkstoff aus dem Roten Sonnenhut tötet Coronaviren: Wir beantworten die 8 wichtigsten Fragen zu Echinaforce

Das renommierte Labor Spiez hat der Arznei Echinaforce der Thurgauer Arznei-Firma A. Vogel AG eine mögliche Wirksamkeit gegen Coronaviren attestiert. Seither reisst die Nachfrage nach dem Mittel bei Apotheken nicht ab, vielerorts ist es ausverkauft. Die vorliegenden Studienresultate weisen jedoch noch keine Wirksamkeit am Menschen nach.

Bruno Knellwolf
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Aus dem Roten Sonnenhut wird der Wirkstoff Echinacea gewonnen, der anti-virale Wirkung hat.

Aus dem Roten Sonnenhut wird der Wirkstoff Echinacea gewonnen, der anti-virale Wirkung hat.

Pius Amrein

Ist die nun in der neuen Studie des Labor Spiez belegte anti-virale Wirkung von Echinaforce neu entdeckt worden?

Nein, das Thurgauer Arznei-Unternehmen A. Vogel AG forscht schon seit fünf Jahren an Coronaviren und anderen Erkältungsviren. Der Wirkstoff aus der Sonnenhut-Pflanze wurde auch gegen Sars, Mers und andere Erkältungs- und Atemwegsviren getestet. Aus aktuellem Grund wurde nun Sars-CoV-2 in die neue Studie des Labors Spiez miteinbezogen und die Resultate wurden nun im britischen Fachmagazin «Virology Journal» publiziert.

Was zeigt die Studie des Labors Spiez?

Im Reagenzglas, also in-vitro, wurden Versuche mit menschlichem Gewebe aus Zellen der oberen Atemwege gemacht. Echinacea inaktivierte die vier untersuchten Coronaviren im Gewebe. Das am meisten verbreitete Erkältungsvirus HCoV-229E, Mers-CoV, Sars-CoV-1 sowie das neue Sars-CoV-2 wurden abgetötet. Das bestätigt frühere wissenschaftliche Studien, die nachgewiesen haben, dass der Wirkstoff des Roten Sonnenhuts einen anti-viralen Effekt hat.

Welcher Effekt von Echinacea ist wissenschaftlich belegt?

Die Echinacea-Präparate haben verschiedene Wirkungen, aufgrund der Tausenden von Molekülen im Wirkstoff. Sie wirken vorbeugend und heilend. Sie wirken direkt gegen Viren, hemmen die Virus-Vermehrung, töten sie direkt ab und verhindern, dass sich die Viren in den Atemwegszellen anheften. Frühere Echinaforce-Studien zeigen, dass der Wirkstoff auch entzündungshemmend wirkt und gleichzeitig das Immunsystem fördert. Fresszellen werden aktiviert, die Viren und Bakterien abtöten können.

Ein weiterer Effekt ist, dass Echinacea die Anheftung von Bakterien an die menschlichen Atemwegszellen blockiert. Virus-Infekte bahnen oft bakterielle Infekte. Das heisst, das Virus-Infekt schädigt die Atemwegszellen und fördert dadurch das Eindringen der Bakterien in die Zellen. Dadurch kann ein bakterieller Superinfekt entstehen. Echinacea verhindert sowohl den Virus- als auch den Bakterieninfekt. Zudem ist bei Echinacea keine Resistenz-Entwicklung bekannt, weshalb der Wirkstoff auch als Hoffnungsträger im Kampf gegen Antibiotika-Resistenzen gilt.

Was nützt der Wirkstoff Echinacea gegen Covid-19?

Die Studie zeigt, dass Echinacea im Zellkulturmodell eine vorbeugende Wirkung hat. Sinn macht die prophylaktische Behandlung gegen das Coronavirus gemäss den Studienautoren, weil der Wirkstoff nachgewiesen ein breites Wirkungsspektrum gegen Atemwegsviren hat, die entweder schwere Lungenerkrankungen oder Erkältungen verursachen. Die Studienautoren schreiben, dass gerade Beschäftigte im Gesundheitswesen, die schwere CoV-Infektionen behandeln, davon profitieren könnten, weil so die Übertragung und Morbidität hoch pathogener Coronaviren in der Allgemeinbevölkerung verringert werde. Aufgrund ihrer allgemeinen Wirkungsweise könnten neuartige zoonotische Coronaviren, wie bei SARS-CoV-2, auch empfindlich auf das Arzneimittel Echinaforce reagieren und möglicherweise eine zugängliche und kostengünstige prophylaktische Behandlung für andere neu auftretende Coronavirus-Infektionen bieten.

Wirkt Echinacea auch bei einer Covid-19-Erkrankung?

Die Wirkung von Echinaforce bei Sars-CoV-2 wurde nur in-vitro belegt, nicht im Körper. In der Petrischale hat eine bestimmte hohe Konzentration des Wirkstoffs zum 100-prozentigen Abtöten der Coronaviren geführt. Es stellt sich nun die Frage, ob die für eine anti-virale Wirkung nötigen Konzentrationen auch im menschlichen Körper erreicht werden können. Die Forscher haben deshalb auch untersucht, was passiert, wenn die Viren schon in den Zellen sind. «Dann hat der Wirkstoff aber praktisch nichts mehr gebracht», sagt Werner Albrich. Ein Effekt war nur mit sehr hohen Dosen erreichbar und das nur in geringem Ausmass. Man weiss nicht, ob Echinaforce in den handelsüblichen Dosierungen eine Wirkung auf die Heilung von Covid-19 hat.

Wie wird der Wirkstoff Echinaforce gewonnen?

Echinaforce wird aus dem roten Sonnenhut gewonnen. Aus dessen Frischpflanzen-Extrakt und Alkohol werden die Echinaforce-Produkte für den Handel hergestellt.

Aufgrund der ersten Meldungen über die Studienresultate des Labors Spiez, ist ein Ansturm auf Echinacea-Produkte entstanden. Lässt sich der Wirkstoff ohne Ende herstellen?

Bereits am frühen Montagmorgen, kurz nach dem der «Blick» von einem neuen «Wundermittel gegen Corona» berichtet hatte, hätten erste Kunden telefonisch ihre Echinaforce-Tabletten reserviert, berichtet eine Apothekerin aus dem Oberthurgau. Am Nachmittag seien ihre Vorräte aufgebraucht gewesen. Viele Kundinnen verlangten nach dem Präparat, die Tablettenform war schnell ausverkauft. In Basel wurde ein Kunden schon um neun Uhr morgens von seinem Apotheker wieder nach Hause geschickt: «Alles ausverkauft, sie sind schon der 50. Kunde der danach fragt.»

Das Problem: der Wirkstoff für das Präparat stammt vom Roten Sonnenhut und ist somit wie jede Pflanze nicht unumschränkt anbau- und lagerbar. Es gibt wie bei allen pflanzlichen Produkten also natürliche Grenzen bei der Herstellung.

Allerdings gibt es auch andere Hersteller, die Sonnenhut-Präparate herstellen, allerdings nicht in der genau gleichen Zusammensetzung wie das nun im Labor getestete Echinaforce von A.Vogel.

Wer steckt hinter der Studie?

Die Studie wurde am Labor Spiez durchgeführt, dem eidgenössischen Institut für den Schutz vor atomaren, biologischen und chemischen Bedrohungen. Es gehört zum Departement für Verteidigung, Bevölkerungsschutz und Sport (VBS) und ist das einzige Labor der Schweiz, das auch mit hochgefährlichen Erregern arbeiten darf. In der nationalen Covid-Taskforce ist das Labor Spiez bei Fragen zur Diagnostik und zu den Schutzmasken involviert. An der Echinaforce-Studie waren neben Virologinnen und Virologen des Labors Spiez auch zwei Mitarbeiter der A. Vogel AG sowie der Infektiologe Werner Albrich vom Kantonsspital St. Gallen beteiligt.

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