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Wir (Un-)Glücklichen: Warum es nicht hilft, sein Glück auf Social Media zu teilen

Auf Instagram zeigen sich Millionen von Menschen an ihrem Happy Place und lassen die Umwelt an ihrem Glück teilhaben. Zufriedener macht das aber weder den Abgebildeten noch den Betrachter.
Diana Hagmann-Bula
Sein Glück auf Instagram posten und sich dadurch noch mehr Glück durch Likes erhoffen – ein Irrtum. (Bild: Illustration: Stefan Bogner)

Sein Glück auf Instagram posten und sich dadurch noch mehr Glück durch Likes erhoffen – ein Irrtum. (Bild: Illustration: Stefan Bogner)

Haben Sie einen Happy Place? Nein? Sie wissen nicht einmal, wovon hier gerade die Rede ist? Was man früher als Lieblingsort bezeichnet hat, heisst heute auf Social Media trendy Happy Place. 6,5 Millionen Menschen haben unter diesem Hashtag auf Instagram bereits ihren Lieblingsort geteilt. Zu sehen sind auffallend viele Strände und auffallend viele leichtbekleidete Menschen. Sonnenuntergang in Mozambique, Strandkorb in Devon, die perfekte Welle auf Bali, der Hashtag geht um die Welt.

Orte und andere Menschen machen glücklich

Eine Eigenschaft von Happy Places soll diese sein: Sie geben Kraft, wenn es im richtigen Leben drunter und drüber geht. Durchatmen, sich gedanklich an den Happy Place beamen, schon ist alles wieder gut. Happy Places sind meist wunderschön. Sie kommen lediglich auf zweierlei Webseiten vor. Auf Meditationsseiten. Und auf Instagram und Co., wo jeder sein Leben in Bestform präsentiert. Wer sich durch die Aufnahmen unter #happyplace klickt, erblickt hauptsächlich Landschaftsbilder. Eine der Ausnahmen: ein Mann, der vor seinem Porsche im amerikanischen Niemandsland posiert. Er hat vergessen, dass Orte glücklicher machen als Dinge.

Das ist nur eine der Glücksregeln, die sich aus diesen Fotos ableiten lässt und die tatsächlich wissenschaftlich belegt ist: Bedeutsame Orte verstärken die Aktivität in jenen Bereichen des Gehirns, die Emotionen verarbeiten. Sie lösen Gelassenheit, Freude und Zufriedenheit aus, wie britische Forscher herausgefunden haben. Ländliche Regionen verstärken den Effekt, Städte verringern ihn. Die Glücklichen auf Instagram verherrlichen zurecht die Natur. Sie zeigen sich am Meer, im Wald, in den Bergen, äusserst selten in Betonwüsten. Sie machen es fast wie die Schweden, die gerne im Morgengrauen barfuss durch das taufrische Gras spazieren. Das Land liegt immerhin auf Platz 9 des World Happiness Report.

Die Bilder zeigen auch: Glück ist ein egoistisches Thema. Es geht um die persönliche Erfüllung, um die Optimierung seiner selbst. Auf vielen Fotos ist nur eine Person abgebildet. Dabei betonen Forscher immer wieder: Soziale Beziehungen sind ein wichtiger Glücksfaktor. Die wahren Glückseeligen sind also jene, die ihren Partner am Strand herzen oder mit Freunden unter Bäumen sitzen. Zeigen sie den perfekten Moment am perfekten Ort nicht nur her, sondern schätzen ihn tatsächlich, multipliziert sich das wunderbare Gefühl: Dankbarkeit trägt wesentlich zur Zufriedenheit bei.

Der Neid muss weg

Mit dem Betrachter passiert derweil urmenschliches. Zuerst mag er den Menschen ihre Freudenmomente gönnen. Doch irgendwann nimmt die Begeisterung mit jedem Foto ab und der Neid zu. Wollte man nicht selber schon lange an diesen Strand in Mozambique reisen, in einem Strandkorb am englischen Meer entspannen, die perfekte Welle in Bali erwischen? Was ist dagegen schon das winzige Glück, das erste Schneeglöckchen der Saison entdeckt zu haben? Er spürt sogleich, dass das, was da mit ihm geschieht, nicht zuträglich ist für sein Glück. Grosszügigkeit, so sagen die Niederländer, ist der wirksamste Weg, jemanden happy zu machen. Diese Freundlichkeit anderen gegenüber versüsse einem selbst den Tag.

Bilder verheimlichen auch die Wirklichkeit

Der Neid muss also weg. Man kann sich nun einreden, dass die Suche nach dem Glück überbewertet ist. Dass gerade zu viele Ratgeberautoren am Thema mitverdienen möchten und es wirklich nicht auch noch eine Happy-Place-Ausstellung braucht, in der Erwachsene ins Konfettibad eintauchen und quietschen wie Kinder. Glück macht auch bequem, Unglücklichsein hingegen kreativ. Und vielleicht hilft das: Instagram gibt nur Lebensausschnitte wieder. Zwar schlürft jemand fotogen Cocktails vor einer Traumkulisse. Dass der fünfte Drink aber einer zu viel war, der Abgebildete sich übergeben musste und den schönsten aller schönen Sonnenuntergänge verpasste, verheimlicht die Plattform. Die Glücksmomente muten zwar spontan an, sind meist aber von langer Hand inszeniert: Erst die dritte Pose sass perfekt. Dabei lässt sich Glück doch nicht arrangieren.

Wer sein Glück jagt, um es online herzuzeigen, ist weniger happy als er zugibt. Schon im 6. Jahrhundert meinte der chinesische Philosoph Laotse, dass erst wirklich glücklich ist, wer aufhört nach dem Glück zu schielen.

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