Die neuen Wasserstoff-Autos von Hyundai parken selber ein und stossen Wasser statt CO2 aus – Doch wie gut sind sie im Test?

Den Wasserstoff-Autos gehöre die Zukunft, wird prophezeit. Wirklich? Wir haben eines der erste Serien-Modelle ausprobiert.

Bruno Knellwolf
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Der Hyundai Nexo mit Brennstoffzellenantrieb: Die Brennstoffzelle wandelt die im Wasserstoff enthaltene Energie mittels einer chemischen Sauerstoff-Reaktion in Strom um, der den Elektromotor antreibt.

Der Hyundai Nexo mit Brennstoffzellenantrieb: Die Brennstoffzelle wandelt die im Wasserstoff enthaltene Energie mittels einer chemischen Sauerstoff-Reaktion in Strom um, der den Elektromotor antreibt.

Bilder: kn

Das Auto zieht die Blicke an – beinahe wie ein Ferrari. Weniger wegen des Designs, obwohl der Hyundai Nexo ein sehr ansehnlicher, eleganter SUV ist. Die Aufmerksamkeit hat mit der Beschriftung auf der Karosserie zu tun. Dort steht: «H2O statt CO2».

Die chemischen Formeln wecken die Aufmerksamkeit der Passanten: Wasser statt Kohlendioxid bedeutet, dass aus diesem Auto kein CO2 entweicht, sondern nur paar Tropfen Wasser.

Ich sitze im Brennstoffzellen-Auto. Prototypen gab es in den vergangenen Jahren einige, vor allem von asiatischen Marken. Doch Hyundai lanciert dieses Wasserstoff-Auto in der Schweiz nun besonders ehrgeizig als serienreifes Fahrzeug.

Das Auto gewinnt die Antriebsenergie aus Wasserstoff. Er befindet sich in Karbon-Tanks unter den Sitzen. Mit der Brennstoffzelle wird daraus im Auto selbst Strom gemacht, welcher den Elektromotor des Hyundai Nexo antreibt.

Grafik: Lea Siegwart
Redaktion: Bruno Knellwolf

Eigentlich sitze ich also in einem Elektroauto. Genauso beschleunigt das Auto auch – mit Wucht aus dem Stand, stufenlos, beinahe ohne Geräusche, nur mit einem Surren.

Der Nexo schleppt dafür keine ­halbe Tonne Batterien mit, sondern nur ein paar Kilogramm Wasserstoff im 700-bar-Tank. Mit einem Kilo Wasserstoff kommt man 100 Kilometer weit.

Einige Vorteile gegenüber anderen Stromautos

Die Beschleunigung ist wie bei Tesla & Co., doch der Alltagsgebrauch während der Testphase macht einige Vorteile des Brennstoffzellenautos deutlich. Zum Beispiel die Verlässlichkeit der Reichweite: Es steht 610 Kilometer auf dem grossen Display im modernen Cockpit. Kommt man mit dem Nexo wirklich so weit?

Beim Batterieauto kann es einem den Schweiss auf die Stirn treiben, wenn je nach Topografie oder Wetter die angezeigte Reichweite schrumpft wie Schnee in der Frühlingssonne. Beim Wasserstoffauto ist es auch nicht nötig, sich Gedanken über die Laderei machen zu müssen.

Zeigt die Nadel beim Nexo nach unten, fährt man zur Wasserstofftankstelle. Kein Kabelsalat und stundenlanges Laden, sondern eine Fünf-­Minuten-Betankung unter hohem Ladedruck .

Innert rund fünf Minuten lassen sich die drei Wasserstoff-­Tanks im Hyundai Nexo füllen.

Innert rund fünf Minuten lassen sich die drei Wasserstoff-­Tanks im Hyundai Nexo füllen.

Bilder: kn

Im Auto selbst fehlt es an nichts, im Gegenteil. Im komplett digitalen Cockpit sehe ich als Fahrer auf zwei Bildschirme. Stelle ich den Blinker, wird auf das Display hinter dem Lenkrad das Bild des Rückspiegels projiziert.

Modernes digitales Cockpit mit zwei Displays: Auf jenem hinter dem Lenkrad wird beim abbiegen das Bild der Rückfahrkamera eingeblendet.

Modernes digitales Cockpit mit zwei Displays: Auf jenem hinter dem Lenkrad wird beim abbiegen das Bild der Rückfahrkamera eingeblendet.

Bilder: kn

In der Mitte nimmt sich eine Konsole mit vielen Schaltern und Knöpfen viel Platz, sodass man sich wie Captain Kirk im Raumschiff Enterprise fühlt. Bequem sind alle fünf Sitze, und der Kofferraum ist so gross, dass darin sogar eine Hundebox Platz findet.

So surrt man mit gutem Sound im Ohr über die Autobahn und könnte sogar bis auf 180 km/h beschleunigen. Auch das autonome oder zumindest teilautonome Fahren bietet sich an. Das Auto hält selbst den Abstand zum vorausfahrenden, und ein bisschen James Bond ist auch dabei: Das Auto parkiert über eine Fernbedienung ein, ohne dass ich im Fahrzeug sitzen muss.

So fragen einige Mitfahrer, warum nicht mehr dieser Autos zu sehen sind. Zwar entwickelten auch die Marken ­Toyota und Honda schon Wasser­stoffautos für die Serie, doch standen dafür keine Tankstellen bereit. Hyundai hat sich dieses Problems mit In­dustriepartnern und dem H2-Förderverein angenommen und hilft bei der Ausweitung des Wasserstoff-Tankstellennetzes.

Tankstellennetz wird ausgebaut

Das beste Fahrzeug nützt nichts, wenn es fast nirgends betankt werden kann. Wer nun in der Nähe von St. Gallen oder dem aargauischen Hunzenschwil wohnt, kann auf Wasserstoff setzen. Und im Lauf dieses Jahres werden weitere Tankstellen dazukommen.

Gebaut wird in Zofingen, Rümlang, in Dietlikon und in Crissier bei Lausanne, womit ein Netz zwischen Bodensee und Genfersee entsteht. Um den teuren und schwierigen Aufbau einer industriellen Wasserstoff-Infrastruktur möglich zu machen, setzen die H2-Förderer in der Schweiz auf Lastwagen. Sie sollen im industriellen Einsatz einen Mindestabsatz an den Wasserstoff-Tanksäulen garantieren. Bis Ende Jahr wird Hyundai 50 solcher Lastwagen mit Brennstoffzelle in die Schweiz liefern.

Entscheidend ist, dass sich die Wasserstoff-Anbieter in der Schweiz verpflichtet haben, nur grünen H2 zu verkaufen, der mit erneuerbarer Energie erstellt wird. In anderen Ländern wird dazu Kohle und Öl verbrannt, was die Umweltwirkung natürlich vernichtet. Die Fahrfreude mit dem Wasserstoffauto hat ihren Preis. 84 900 Franken kostet der Hyundai Nexo, der 163 PS leistet und ein Drehmoment von 395 Newtonmeter vorweisen kann. Günstiger werden die Fahrzeuge erst, wenn mehr von ihnen abgesetzt werden.

Das war allerdings schon bei den Batteriefahrzeugen so, die auch erst seit kurzem günstiger werden.