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Winterreise zu Rentieren und Nordlichtern

Kuusamo ist das Tor zum Norden Finnlands. Durch eine zauberhafte Schneelandschaft führt die Strasse nach Ruka, dem Mekka der Wintersportler. Hier treffen sich Familien und Weltklasseathleten. Und von hier aus sind Ausflüge in mehrere Nationalparks möglich. Eine halbe Stunde entfernt steht die Scheune des Weihnachtsmannes, wo er und seine Rentiere rasten. Man kann ihn auch persönlich treffen.
Text und Bilder: Stefan Borkert, Ruka
Die Hundeschlitten-Safari ist ein Höhepunkt jeder Tour durch das winterliche Finnland.Die Hundeschlitten-Safari ist ein Höhepunkt jeder Tour durch das winterliche Finnland.
Beim Besuch der Kujala-Farm erfährt man viel über die Rentierzucht.Beim Besuch der Kujala-Farm erfährt man viel über die Rentierzucht.
Eine Winterwanderung auf der kleinen Bärenrunde, dem Pieni Karhunkierros Trail, führt unter anderem zur romantisch gelegenen Myllykoski-Mühle. Eine Winterwanderung auf der kleinen Bärenrunde, dem Pieni Karhunkierros Trail, führt unter anderem zur romantisch gelegenen Myllykoski-Mühle.
Kalt und klar muss es sein, dann können Polarlichter am Nordhimmel aufleuchten.Kalt und klar muss es sein, dann können Polarlichter am Nordhimmel aufleuchten.
Das Skigebiet von Ruka befindet sich am 493 Meter hohen Fjell Rukatunturi.Das Skigebiet von Ruka befindet sich am 493 Meter hohen Fjell Rukatunturi.
Für Lappländer ist das Schneemobil praktisch der Zweitwagen für den Winter.Für Lappländer ist das Schneemobil praktisch der Zweitwagen für den Winter.
6 Bilder

Finnland

Es ist dunkel, der Himmel sternenklar. Die Luft ist kalt und trocken. Das Thermometer zeigt 22 Grad Celsius unter Null. Plötzlich sieht man Gestalten nackt aus einer Holztüre schlüpfen. Auf dem Kopf tragen sie spitze Wollmützen. Sie werfen sich dampfend in den Schnee, prusten laut, schwenken die Arme und sind rasch wieder verschwunden.

Christian, im normalen Leben Manager bei einem niederländischen Stahlkonzern, atmet tief durch und tritt ein in die heisse schummrige Dunkelheit der traditionellen finnischen Sauna. In Sekundenschnelle schmilzt der Schnee auf seinen Schultern. Ein Kollege greift zu einem Wacholderzweig und peitscht den Mann. Blätter bleiben auf dem Rücken kleben und ein aromatischer Duft erfüllt die Holzsauna. Die Haut rötet sich leicht. Das reinigt die Poren von aussen und den Körper von innen.

Das erste Gebäude war eine Rauchsauna

Die Sauna befindet sich auf dem Landgut Pohjolan Pirtti. Der Besuch dort ist ein Erlebnis. Matti kocht traditionelle finnische Speisen mit lokalen Produkten und wild wachsenden Zutaten. Und er ist in der Küche ein wahrer Meister seines Fachs. Derweil erzählt Tanja die Geschichte des Anwesens, das zum Dorf Vuotunki gehört. Der Ursprung geht auf das Jahr 1686 zurück. Und der Legende nach war das erste Gebäude eine finnische Rauchsauna. Heute wohnt hier in der 11. und 12. Generation immer noch dieselbe Familie.

Die russische Grenze ist nur einen Steinwurf entfernt. Um dem russischen Zaren Einhalt zu gebieten, wurde vor etwa 400 Jahren das Gebiet besiedelt.

Den alten Erzählungen nach macht der Weihnachtsmann auf seiner anstrengenden Reise hier in einer Scheune stets Rast. Kinder können ihm ihre Wünsche direkt überbringen. Draussen leben Elfen, so heisst es. Gibt man ihnen zu essen und trinken, dann beschützen sie das Haus. Auf Elfen und Geister, Kobolde und rätselhafte Gestalten trifft man im Norden Finnlands allerorten. Und wandert man durch die verschneite Winterlandschaft in den Stunden der Dämmerung, dann kann man sie auch sehen und hören. Die Fantasie spielt einem beim Anblick der Silhouetten so manchen Streich. Glühwein und geistige Getränke tragen möglicherweise auch zu den ­sagenumwobenen Gestalten und Geschichten bei.

Wandern im Nationalpark Oulanka

So kann man in den finnischen Wäldern auch mal auf eine eigenartige Kreatur stossen. Hiisi ist ihr Name. «Ja», bestätigt Monika, «Hiisi treibt auch im Oulanka-Nationalpark, der zum 5800 Quadratkilometer grossen Gemeindegebiet von Kuusamo gehört, sein Unwesen.» Die Biologin aus Deutschland arbeitet im neuen Besucherzentrum des Nationalparks. Glaubt man den alten Geschichten, dann ist Hiisi eine Furcht einflössende Kreatur, die in den Wäldern selbst über die grossen Tiere wie Elche, Bären und Wölfe herrscht. Hiisi wird für viele unerklärliche Dinge und Vorkommnisse verantwortlich gemacht: Für grosse Steinbrocken, die er mitten in die Landschaft getragen hat, für tiefe Löcher, die er gegraben haben soll, Öffnungen in Felsen und riesige Steinhaufen, die Hiisi von Zeit zu Zeit für seine Sauna erhitzt.

Hiisi wird auch der Ort ­genannt, wo die Götter des Waldes wohnen.

«Vielleicht ist Hiisi einer von ihnen», sagt Monika und wünscht einem gute Wanderung durch den verschneiten Winterwald. Der Oulanka-Nationalpark ist 1956 gegründet worden. Er ist das ganze Jahr offen. Besonders im Herbst zieht es die Wandervögel, Pilz- und Beerensammler hierher. Er erstreckt sich über eine Fläche von 290 km2. Zahlreiche Wanderwege laden zum Erkunden ein. Für Mehrtagestouren gibt es Hütten und Campingplätze zum Übernachten. Unwegsames Gelände ist mit abenteuerlichen Hängebrücken oder Leitern erschlossen. Auch eine Winterwanderung mit Schneeschuhen lohnt sich.

Erst 40 Grad minus wirklich kalt

Stille umfängt den Wanderer auch kurz nach Juuma. Monoton knirscht der Schnee unter den Sohlen, knarzen die Riemen der Schneeschuhe. An den Bäumen hängen Bartflechten. Ein sicheres Zeichen für die sehr saubere Luft hier draussen. «Aus den Flüssen und Bächen kann man trinken», erklärt Joe, ein 43-jähriger Amerikaner, der mit Eiszapfen am Bart und schwerem Rucksack gerade über eine der Hängebrücken marschiert. Sein Atem dampft in der Kälte des Nachmittags. Aber 21 Grad unter Null findet er noch relativ angenehm. 40 Grad minus sei wirklich kalt, meint er und zündet ein Feuer bei der berühmten malerischen Mühle Myllykoski an. Wer den Rastplatz verlässt, sollte den Vorrat Schnee zum Schmelzen und Kochen wieder auffüllen und ebenso das verbrauchte Holz ersetzen. «Das klappt hier problemlos», sagt Joe, der schon eine paar Tage unterwegs ist. Er wandert den berühmten Bärenpfad entlang.

Die Bärenrunde (finnisch: Karhunkierros) ist eine rund 80 Kilometer lange Wanderroute, die in der hellen und warmen Jahreszeit viel begangen wird. Im Winter hingegen sei er froh, ab und zu auf eine Menschenseele zu treffen, ­erklärt Joe. Zum Abschied bekommt er Schweizer Kräuterbonbons als Wegzehrung und freut sich wie ein Schneekönig darüber. Ach ja, Hiisi ist er noch nicht begegnet. Aber die Götter des Waldes seien ihm wohlgesonnen, sagt er grinsend, schnallt seine Schneeschuhe an und winkt zum Abschied.

Die Bären halten zwar ihre Winterruhe, aber Elche sind unterwegs.

Noch vor Sonnenaufgang zeigt sich im Dämmelicht im Riisitunturi-Nationalpark eine frische Elchspur im Schnee. Doch selbst nach mehr als zwei Stunden Verfolgung der Spur im Schein der arktischen Morgensonne lässt sich das grosse Tier nicht blicken. Zeit also für ein spätes Frühstück in Ruka. Ruka ist inzwischen zum Leben erwacht. Die gut 30 Skilifte sind in Betrieb. Elegant und weniger gekonnt schwingen sich die Feriengäste die Hänge hinunter. In den Loipen herrscht ebenfalls Hochbetrieb. Etwas ausserhalb in Lamintupa werden Pfannkuchen über offenem Feuer gebacken, Huskies ziehen Schlitten und aus der Ferne hört man die Motoren der Ice-Karts oder Schnee­mobile.

Ruka ist ein Mekka für Schneesportler

Kuusamo ist auf Gruppenreisen für Familien und Reisegruppen gut vorbereitet. Das Programm, das man gebucht hat oder hinzubuchen kann, ist breit gefächert. Die Organisation klappt prima. Ob ein Winterritt gewünscht wird, ob Kinder in den Angry-Bird-Park oder ins Schwimmbad gehen wollen oder einfach nur mal von einem Rentier auf dem Schlitten gezogen werden, Langeweile sieht anders aus. Schneeschuhwandern, Langlaufen und Action auf Snowboards, für Abwechslung ist gesorgt. In Ruka finden Weltcup-Wettbewerbe statt. Man kann also Grossereignisse verfolgen und unverhofft auf Sportstars treffen. Ein besonderes Erlebnis ist der Besuch einer Rentierfarm, Fütterung inklusive. Und wer Glück hat, kann nachts Nordlichter sehen. So wie jene Gruppe aus Japan, deren Mitglieder die ganze Welt auf der Jagd nach dem Polarlicht Aurora Borealis bereisen und die perfekte Erscheinung suchen. Das Glück ist ihnen hold, die äusseren Faktoren sind günstig, und tatsächlich steht der Himmel im Norden plötzlich in grün-bläulichen Flammen.

Ruka entwickelt sich weiter. Mats Lindfors, der Chef von Ruka-Tourismus, sagt, dass ein weiteres Tal für den Skisport erschlossen werde. Neue Skilifte würden gebaut. Während der finnischen Winterferien herrsche in Ruka Hoch­betrieb.

Neben den Einheimischen sind Russen die grösste Gruppe der Touristen, gefolgt von Engländern und Deutschen.

Bei Reisenden aus der Schweiz stellt Lindfors eine starke Zunahme fest. Das Wachstum beträgt mehr als 20 Prozent pro Jahr. «Der Tourismus ändert sich», sagt Lindfors. «Wir wollen neben den Gruppenreisen vermehrt auch Individualreisende im Winter anlocken. Dafür werden Angebote geschaffen.» Gerade auch Schweizer Feriengäste würden gerne individuell buchen. Gemeinsam ist jedenfalls allen Winterreisenden im Norden Finnlands, dass sie Nordlichter sehen wollen, Rentiere und natürlich Hundeschlitten fahren.

Wintersport im Elfenland

Anreise: Direktflüge vom 29. Dezember 2018 bis 2. März 2019, samstags von Zürich nach Kuusamo mit Helvetic Airways ab 98 Franken pro Person.
Anbieter: Travelhouse, Nordeuropa-Spezialist für Individualreisen, bietet Flüge, Rundreisen, Aktivwochen und ausgewählte Unterkünfte in Finnisch-Lappland an. Die Reisen sind in Travelhouse- und Hotelplan-Filialen, den Globus Reisen Lounges sowie diversen Reisebüros erhältlich (www.travelhouse.ch). Für Individualreisende empfiehlt sich ein Miet­wagen: Bei Travelhouse ab Flughafen in Kuusamo ab 520 Franken für eine Woche.

Die Reportage entstand nach einer Medienreise, zu der Travelhouse und Ruka-Kuusamo-Tourismus eingeladen haben.

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