Futter
Wildlachs-Glacé für Bello, Geflügelpastete für Miezi - Haustiere als Gourmets

Beim Futterangebot für Haustiere sind der Fantasie kaum Grenzen gesetzt. Vor allem das Geschäft mit Premium-Produkten boomt. Aber auch Komplementärmedizin hat die Tierweilt erreicht. Zum Beispiel gibt es Schüssler-Salz und Bachblüten für Vierbeiner.

Sabina Galbiati
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Was für Frauchen und Herrchen Mars, Snikers oder M&Ms, das sind für Bello die Hundeguetzli von Pedigree oder für Miezi Whiskas Crunch Biscuits. Gehören tun die Produkte freilich alle unter das gleiche Dach: unter jenes von Mars International. Dort gehören auch Sheba, Kitekat oder Cesar hin.

Zusammen mit Nestlé führt der US-amerikanische Konzern Mars den globalen Markt für Haustierfutter weit vor allen anderen an. Die beiden Konzerne liefern sich in der Sparte ein Kopf-an-Kopf-Rennen. Selbst für Insider war es bisher schwierig, dem einen oder anderen die Führungsrolle zuzusprechen. Denn Mars gibt keine Zahlen bekannt.

Dank den jüngsten Entwicklungen im Hause Mars dürfte der Konzern nun aber tatsächlich eine Nasenlänge voraus sein: Der Schoko-Konzern übernimmt den grössten Teil der drei Futtermarken von Procter and Gamble (P&G), Eukanuba, Iams und Nature. 2,9 Milliarden Dollar lässt sich Mars den kulinarischen Zuwachs kosten. Betroffen sind die USA, Lateinamerika und einige Länder Europas.

Warum machte Nestlé dem Deal keinen Strich durch die Rechnung? «Nestlé hätte die Marken von Procter and Gamble in den USA wegen des Kartellrechts wahrscheinlich gar nicht kaufen können», sagt ZKB-Analyst Patrik Schwendimann. Zu gross sei der Marktanteil seines Tiernahrungsbereichs in den USA. Tatsächlich bleibt Nestlé selbst nach den Zukäufen von Mars immer noch Marktleader auf dem neuen Kontinent.

In Europa ist jedoch Mars die klare Nummer eins - noch. Denn Nestlé hat mit seiner Tochterfirma Purina in den vergangenen Jahren auf dem alten Kontinent Marktanteile dazugewonnen. «Nestlé als Nummer zwei auf dem europäischen Tierfuttermarkt wird versuchen, den Vorsprung von Mars weiter wettzumachen», ist Schwendimann überzeugt. «Falls die Tierfuttermarken von P&G in den verbleibenden europäischen Ländern Nestlé zum Kauf angeboten würden, dann würde Nestlé sich dies sicher gut anschauen.» Allerdings seien die Marktanteile von P&G in Europa vergleichsweise klein.

Auch wenn das Duopol die Konkurrenten bereits heute weit hinter sich lässt, erwartet Schwendimann, dass die beiden Big Player Nestlé und Mars in den kommenden Jahren weiter Marktanteile gewinnen werden zulasten der in diesem Bereich kleineren Konzerne wie Colgate-Palmolive oder eben P&G.

Produkte-Flut in den Regalen

Den Kampf um Marktanteile bekommen auch die Tierfreunde zu spüren: Die Regale in den Geschäften quellen fast über. Bei den bekannten Fachhändlern Fressnapf oder Qualipet findet man alles, was das Herz des Haustiers oder des Herrchens begehrt: fettreduziertes Futter, Low-Carb-Futter, glutenfreies Futter, funktionelles Futter gegen Nierenprobleme oder für Tiere, die an Diabetes erkrankt sind, Rassenfutter, Biofutter, Hundefutter aus 100 Prozent Känguru-Fleisch oder Mineralwasser für die Katze. Der wachsende Anteil an Premiumprodukten ist denn auch Haupttreiber des Marktes.

Das Angebot wird rege genutzt: Laut aktuellen Zahlen des Bundes gibt der Schweizer Haustierbesitzer im Schnitt 88 Franken pro Monat für seinen Liebling aus. 70 Franken davon für Futter und Haustierzubehör, den Rest bekommt der Tierarzt. Zum Vergleich: Für Süsswaren wie Schokolade, Honig oder Eis geben Herr und Frau Schweizer lediglich 40 Franken aus pro Monat und Haushalt.

Rechnet man allein die Ausgaben für Futter und Zubehör auf ein Jahr aus, so kommen 856 Millionen Franken für Schweizer Haustiere zusammen. Trotzdem spielt der Schweizer Futtermarkt für Nestlé und Mars kaum eine Rolle. Sie setzten lieber auf die wachsende Mittelschicht in Südamerika und im gesamten asiatischen Raum.

Trend zum Partnerersatz

Mit wachsendem Portemonnaie wachsen auch die Ansprüche der Haustierbesitzer. «Die Kunden kaufen schon mal Hundezahnpaste und Zahnbürste», sagt eine Verkäuferin im Fachhandel. Und beim Fachhändler für Tierbedarf Fressnapf heisst es: «Das Angebot für Haustiere gleicht sich immer stärker dem Konsumangebot für Menschen an.» Snacks, Luxus- oder Convenience-Produkte fänden eine steigende Nachfrage.»

Die Entwicklung hat zwei Ursachen: Einerseits wird das Tier immer häufiger zum Partner- oder Kinderersatz, andererseits übertragen die Besitzer die eigenen Bedürfnisse auf ihre Tiere. Da kauft man für seinen Hund auch mal einen Zehn-Kilo-Sack veganes Bio-Trockenfutter von Yarrah für knapp 50 Franken. Oder belohnt ihn mit einer laktosefreien Hunde-Glace in den Geschmacksrichtungen Wildlachs oder Bio-Rind. Das Büsi bekommt Geflügelpastete.

Sollte das Tier einmal krank werden, greifen immer mehr Kunden auf komplementärmedizinische Produkte aus der Drogerie zurück. Dort finden sie unter anderem homöopathische Mittel, Bachblüten oder Schüssler-Salz für Vierbeiner.

Kleine Hunde, kleines Geschäft

Trotz des Trends zu Premiumprodukten und Snacks verzeichnen Detailhändler leicht rückläufige Umsätze. Wie passt das zusammen?

Seit Paris Hilton ihren Chihuahua namens Tinkerbell der Welt präsentiert hat, ist die Zahl der kleinen Hunde stark gestiegen. Chihuahuas verdrängten 2011 den Labrador von Platz eins der beliebtesten Hunderassen in der Schweiz. Auf Platz drei folgt der Yorkshire Terrier - auch er gehört zu den Kleinsten unter den Kleinen. Diese Hündchen fressen gerade mal einen Viertel der Menge, die ein Labrador verputzt. Das wiederum merken die Detailhändler. Coop und Migros sehen in dieser Entwicklung einen der Gründe für die rückläufigen Umsatzzahlen beim Tierfutter.

Was den klassischen Detailhändlern wie auch dem Fachhandel zusätzlich zu schaffen macht, ist die wachsende Onlinebranche. Internetshops wie «Tierfutter24.ch», «zooplus.ch» oder «Amazon.ch» bieten eine ungeheure Produktpalette an. «Die Leute bestellen Hunde- und Katzenfutter zunehmend im Internet», sagt Adrian Gebhard, Mitglied der Geschäftsleitung bei «Tierfutter24.ch». Zudem nehme das Vertrauen der Kunden in den Online-Handel zu.

Die Möglichkeit, rund um die Uhr einkaufen zu können, werde geschätzt und gerade beim Tierfutter komme der Vorteil hinzu, dass durch die Heimlieferung das Schleppen der schweren Säcke entfalle. «Es ist schon möglich, dass die konventionellen Händler das an ihren Umsatzzahlen merken», sagt Gebhard.

Zumindest Fressnapf mit europaweit 1300 Filialen will dieser Entwicklung die Stirn bieten. Der Fachhändler baut nicht nur laufend seine Eigenmarken aus, sondern auch die Zahl der Filialen: Zu ihren 47 Schweizer Filialen kommen dieses Jahr 3 dazu. Bis zu 75 Filialen liesse der hiesige Markt zu, so das Unternehmen.

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