Wilder Jura: Eine Fahrt durch die  mystisch schöne Kulisse der Fernsehserie

Abgelegene Dörfer, zauberhafte Schluchten und majestätische Felsen: Ein Besuch in der Kulisse von «Wilder», in der man dem Alltag entfliehen und das Fernweh stillen kann.

Annika Bangerter
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Das Ermittlerteam von «Wilder» sucht nach dem Mörder.

Das Ermittlerteam von «Wilder» sucht nach dem Mörder.

Bild: SRF

In der engen Schlucht klebt dunkelgrünes Moos am grauen Stein. Zwischen den Silhouetten der mächtigen Tannen dringen Sonnenstrahlen in milchigem Licht. Kurz darauf wabern Nebelschwaden über grüne Wiesen. Es sind die ersten Szenen der Serie «Wilder» – und sie machen klar: Hier ist es mystisch schön.

Das Kleid des Indian Summer hat die Natur inzwischen abgelegt. Schnee ziert sie, als wir diese Woche die Drehorte aufsuchen. Dennoch ist der Weg gepflastert mit Déjà-vus: die Pferde auf den Weiden, die geschwungene Brücke und die Hügel, die sich wie Wellen durch die Landschaft schieben.

Dass man nicht breites Berndeutsch, sondern Französisch spricht: tant pis. Wir sind im Jura – und der ist zu zauberhaft, um sich mit sprachlichen Finessen herumzuschlagen. Hier gibt es Schluchten, um sich vor dem Alltag zu verkriechen und Hochebenen mit einer Weite, die Fernweh stillen.

Der Polizeiposten war in der früheren Raiffeisen-Bank

Die zweite Staffel von «Wilder» spielt im Berner Jura, im Dorf Thallingen. Es ist Teil des Drehbuchs, nicht der Landkarte. Ein guter Ausgangspunkt, um die Region zu erkunden, ist daher die jurassische Gemeinde Saignelégier. Die Schauplätze liegen wie ein Puzzle verstreut rund herum.

Zum Beispiel das Dörfchen Undervelier, das die Kulisse für die Szenen vor dem Polizeiposten und dem Restaurant Adler bot. Der kleine Ort liegt etwas versteckt zwischen zwei Klusen. Ein Hahn krächzt, ein Schwein quietscht. Anders als in «Wilder», wo die Sägerei für Jobs sorgte, gibt es in Undervelier nur auf den Bauernhöfen Arbeitsplätze. Auch die Raiffeisenbank hat ihre Türen längst geschlossen. In deren früheren Räumlichkeiten zog der fiktive Polizeiposten von Thallingen ein. Wo einst Polizist Leo Mott seiner Chefin Susann Walter Kaffee kochte, herrscht wieder Leere: Nur die grauen Vorhänge hängen noch in den Fenstern.

Die grauen Vorhänge hängen heute noch in Undervelier. Das Ermittlerduo Rosa Wilder und Manfred Kägi sind hingegen längst abgereist.

Die grauen Vorhänge hängen heute noch in Undervelier. Das Ermittlerduo Rosa Wilder und Manfred Kägi sind hingegen längst abgereist.

Bild: SRF

Einige Meter entfernt sitzt ein junger Mann auf einem dicken Ast und schneidet Zweige. Der Baum steht vor dem Restaurant Adler, das in Echt «Hôtel des Galeries du Pichoux» heisst. Oder besser: hiess. «Das Restaurant ist längst geschlossen, jetzt wohnen Leute drin», sagt der Mann. Bislang habe die Serie kaum Besucher angelockt, in die Region würden sich sowieso nur wenige verirren, sagt er und zwickt einen weiteren Zweig ab.

Schnipo statt Avocado- Quinoa-Salat

Nicht nur der Tourismus ist in dieser Ecke der Schweiz spärlich, auch die Besiedlung. Es empfiehlt sich, die ÖV-Verbindungen im Voraus herauszusuchen. Und wer zu Fuss unterwegs ist und in einem der Dörfchen übernachten oder Essen will, muss wissen, ob die Gaststuben offen sind. Statt Avocado-Quinoa-Salat kommen hier Fischknusperli oder Schnipo auf den Tisch. Die währschafte Küche dominiert.

Am schönsten ist es im Jura aber freiem Himmel: in den ausgedehnten Wäldern, auf den ausschweifenden Wiesen und entlang der wild-romantischen Flusslandschaft des Doubs. Steile und stolz wirkende Felswände zieren die Wege – und reihen sich nicht selten wie eine Burgmauer aneinander. Selbst an Wochenenden mit bestem Wetter findet man im Jura einsame Rast- und Badeplätze abseits von Freizeittrubel.

Zeigt sich die Sonne, ist jedoch am «Etang de la Gruère» viel los. Gleich neben dem Moorsee, an dessen Ufern man sich in Schweden wähnt, liegt der Weiler Les Cerlatez. Dort, direkt am Wanderweg, wohnen Dora und Peter. Ihr wunderschön erhaltenes, altes Haus fällt auf. Auch der Szenenbildnerin von «Wilder» erging das so. An einem Samstagmorgen klopfte sie an die Tür. Monate später zog das Ehepaar zu den Nachbarn, damit sich Polizistin Susann Walter mit ihrem Mann Georg an den Küchentisch setzen konnte.

Wenn die eigenen Pferde im Fernsehen auftauchen

Draussen wirbeln Schneeflocken durch die Luft, drinnen knistert das Feuer im Kamin. Dora reicht Fotografien vom Filmset: Sie zeigen die Küche und das Wohnzimmer – eingerichtet, wie man die Räume aus dem Fernsehen kennt. Längst sind diese Möbel weggebracht worden wie auch die Falltüre im Pferdestall. Einen Keller wie in der Serie gibt es nicht. Am Fernsehen sahen Dora und Peter zu, wie sich der Dreifachmord klärte – und blickten in die Abgründe ihrer temporären Untermieterin. «Es war spannend! Doch ganz konnte ich mich nicht auf die Story einlassen. Ich war zu sehr damit beschäftigt, Details vom Filmset auszumachen», sagt Dora. Kein Wunder, wenn die eigenen Camargue-Pferde plötzlich als Statisten in «Wilder» auftauchen.

Wie Sie zu den schönsten Drehorten kommen, lesen Sie im unten verlinkten Artikel.

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Die Verbrechen wurden aufgeklärt, Kommissarin Rosa Wilder braucht nicht mehr in die abgelegenen Jura-Dörfer zu kurven. Geblieben von der zweiten Staffel «Wilder» ist die Kulisse. Sie zu besuchen, lohnt sich – auch wenn man keinen Mörder jagt.
Annika Bangerter