Vielen Dank für Ihre Registrierung. Sie haben jetzt den Aktivierungslink für Ihr Benutzerkonto per E-Mail erhalten.

Vielen Dank für Ihre Anmeldung.

Ihr Konto ist aktiviert. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

Vielen Dank für Ihre Bestellung. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

Wiesn und Madln, Madln in Dirndln, Brezen und Bierleichen

Tschüss Oktoberfest – eine kleine Polemik.
Susanne Holz
Besucher am diesjährigen Oktoberfest in München. (Bild: AP Photo/Matthias Schrader)

Besucher am diesjährigen Oktoberfest in München. (Bild: AP Photo/Matthias Schrader)

Wenn die Mass zum Mass aller Dinge wird – dann ist Oktoberfest. Heute klingt in München die 185. Ausgabe des alkoholgetränkten Massenspektakels aus. Kein Grund zur Trauer. Ein Grund aber, warum man das von Michel Houellebecq im Roman «Unterwerfung» erdachte Gesellschaftsszenario eines islamisierten Westens gar nicht so unsympathisch findet, ist der: Es würde wohl endgültig ein Ende haben mit dem Oktoberfest.

Mit dem in München und mit sämtlichen Ablegern anderswo. Ein Ende mit sinnlosem Saufgelage, mit lautem Gejohle, mit diesem ganzen «Brezen-Wiesn-Lederhosen-Dirndl-mir-san-mir-und-trinken-unser-Bier-nur-literweise-und-am besten-ex-bis-dass-der-Sanitäter-kommt-Wahnsinn».

Man fragt sich schon länger, ob in München die Sanitäter und Ärzte so unterbeschäftigt sind, dass es alljährlich unzählige Bierleichen braucht, um ihnen ein Auskommen zu sichern. Zumindest wäre die Sorge um die Vollbeschäftigung des heilenden Berufsstands ein halbwegs ehrenhafter Grund, sich hemmungslos unter den Tisch zu trinken. Ein anderer plausibler Grund mag einem einfach nicht einfallen.

Man fragt sich zudem recht erstaunt, was junge Frauen dazu bringt, etwas anzuziehen, das noch vor gar nicht allzu langer Zeit nur Maria und Margot Hellwig trugen, beim Singen deutscher Volkslieder. Gerne in einer Sendung namens «Musikantenstadl». Die schaute sich die ältere Generation im Fernsehen an, während die Jugend alles Mögliche unternahm – das Tragen knielanger Dirndl gehörte nicht dazu.

Die Sehnsucht nach der Uniform – sie hat uns wohl leider wieder. Sie schwappt über wie das Bier in den Masskrügen, die die Kellnerinnen auf die Tische wuchten. Kopftuch oder Dirndl? Man kann sich auf viele Arten unterwerfen. Manchmal entgeht einem die eigene Unterwürfigkeit auch völlig. Man kann sich einer Gruppendynamik unterwerfen, einer Tradition, einer Mode, einer Droge. Wenn es sein muss, bis zur Besinnungslosigkeit.

Muss Trinken schön sein. Vielleicht wäre es an der Zeit, einen Waffenschein dafür einzuführen. Und das Dirndl? Welch eigenwillige Renaissance. So richtig publik wurde das Dirndl nämlich damals, als sich die «Mittelstelle Deutsche Tracht» der NS-Frauenschaft seiner annahm. Gertrud Pesendorfer, «Reichsbeauftragte für Trachtenarbeit», kreierte die geschnürte Taille und das tiefe Dekolleté, stilbildend bis heute. Bitte aufschnüren. Und bitte nicht mehr alles austrinken.

Merkliste

Hier speichern Sie interessante Artikel, um sie später zu lesen.

  • Legen Sie Ihr persönliches Archiv an.
  • Finden Sie gespeicherte Artikel schnell und einfach.
  • Lesen Sie Ihre Artikel auf allen Geräten.