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Wie viel Sport ist zu viel Sport?

Krankenkassen empfehlen, täglich 10 000 Schritte zu machen. Doch die Grenze des gesunden Masses könnte weit höher liegen.
Niklaus Salzmann
Die Statistik prophezeit den Teilnehmern der Tour de France (hier Julian Alaphilippe) ein langes Leben. (Bild: Epa/Yoan Valat)

Die Statistik prophezeit den Teilnehmern der Tour de France (hier Julian Alaphilippe) ein langes Leben. (Bild: Epa/Yoan Valat)

Kurz vor dem Zieleinlauf brach am 16 Kilometer langen Grand Prix von Bern ein 41-jähriger Mann zusammen. Trotz rascher medizinischer Hilfe konnte er nicht gerettet werden - er verstarb im Spital. Das war am 11. Mai. Davor war am 29. April ein 32-Jähriger gestorben, nachdem er bei einem Halbmarathon in Düsseldorf kollabiert war. Und am 7. April war ein Mann von über 60 Jahren bei einem Marathon in Wien zu Tode gekommen.

Solche Meldungen verunsichern Hobbysportler und bestätigen diejenigen, die jegliche körperliche Anstrengung meiden. Doch es sind Einzelfälle. In der Summe haben Menschen, die Sport treiben, ein sehr viel kleineres Risiko, an Herz- oder Kreislaufproblemen zu sterben. Bei Fällen wie den oben beschriebenen stellt sich meist heraus, dass die Betroffenen bereits vorher ein Herzleiden hatten.

Trotzdem bleibt das ungute Gefühl, dass manche Hobbysportler das gesunde Mass überschreiten. Doch wie viel ist gesund? Derzeit empfehlen viele Experten und Krankenkassen, jeden Tag 10 000 Schritte zu gehen. Das entspricht sechs bis acht Kilometern, also der Hälfte der Strecke des Grand Prix von Bern und rund einem Sechstel eines Marathons. Wird es darüber ungesund? «Nein», sagt Sportprofessorin Katrien De Bock.

Der Vorteil an dieser einfachen Regel: Schritte können von einem Smartphone in der Tasche recht zuverlässig gezählt werden – und es ist eine Zahl, die sich jede und jeder merken kann. Doch die zehntausend Schritte sind ein ziemlich willkürliches Mass. Ab welchem Punkt sportliche Aktivität ungesund wird, darüber ist man sich in der Fachcommunity nicht einig. Katrien De Bock stellt gar infrage, ob es überhaupt ein Zuviel an Sport geben kann.

Wer die Tour de France fuhr, kann auf ein langes Leben hoffen

Um diese Frage zu klären, haben spanische Forscher vor einigen Jahren untersucht, wie lange ehemalige Teilnehmer der Tour de France lebten. Wer in den vergangenen Wochen verfolgt hat, wie sich die Veloprofis bei annähernd vierzig Grad stundenlang Berge hoch quälen, wird keine Zweifel haben: Diese Sportler tun ihrem Körper keinen Gefallen. Doch die Studie zeigte ein anderes Bild. Die 834 untersuchten Velofahrer, die zwischen 1930 und 1964 an der Tour teilgenommen hatten, wurden im Mittel 81,5 Jahre alt – was acht Jahre über dem Wert der Gesamtbevölkerung lag.

Nicht von der Hand zu weisen ist bei Velorennen ein erhöhtes Unfallrisiko. Zu einem Todesfall wegen Überanstrengung kam es an der Tour de France bislang aber nur ein einziges Mal: Im Jahr 1967 kollabierte der Brite Tom Simpson beim Aufstieg auf den Mont Ventoux – mit Alkohol und Aufputschmitteln im Blut.

Abgesehen von Doping pflegen Profisportler aber einen gesünderen Lebensstil als die Durchschnittsbevölkerung. Sie rauchen nicht, essen gesund, treiben oft auch nach Ende der professionellen Karriere noch Sport. Die höhere Lebenserwartung der Tour-de-France-Teilnehmer könnte sich durch diese Faktoren erklären. Doch die Studie lässt vermuten, dass sich die Sportler mit dem exzessiven Radfahren zumindest nicht geschadet haben.

Nach aktuellem Stand der Forschung sind auch nicht nur Ausdauersportarten wie Radfahren und Joggen gut für die Gesundheit. Am besten ist es laut De Bock, Ausdauertraining durch intensives Krafttraining zu ergänzen. Auch das ist in der Empfehlung von täglich 10 000 Schritten nicht enthalten. Trotzdem findet sie die Schritte-Faustregel sinnvoll: «Sie nimmt die Aufmerksamkeit vom Sport weg und zeigt, dass auch andere körperliche Aktivitäten gesund sind.» Es muss kein Marathon sein, zu Fuss gehen statt Bus fahren oder Treppensteigen statt Lift fahren hat ebenfalls positive Auswirkungen. De Bock selber hat als Professorin wenig Zeit für Sport, doch sie erledigt zum Beispiel alle Telefonate stehend statt sitzend.

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