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Wie schnell fahren wir eigentlich?

Temporeduktionen auf den Strassen sind heutzutage fast eher die Regel als die Ausnahme, aber der Tachometer bietet keine verlässliche Anzeige.
Alles klar? Schwierig ist nicht nur, die Tachoanzeige einzuschätzen, sondern manchmal auch, welche Höchstgeschwindigkeit gilt. (Bild: Urs Jaudas)

Alles klar? Schwierig ist nicht nur, die Tachoanzeige einzuschätzen, sondern manchmal auch, welche Höchstgeschwindigkeit gilt. (Bild: Urs Jaudas)

Baustellen auf Autobahnen, Baustellen innerorts, Baustellen ausserorts. Eine florierende Wirtschaft ist auch an der Zahl ihrer Baustellen zu erkennen. Für Autofahrer bedeutet dies, dass sie oft den Fuss vom Gaspedal nehmen müssen. Der Blick auf den Tacho soll uns Gewissheit geben, dass wir die Geschwindigkeit auch einhalten.

Doch kann er oder sie sich verlassen auf die Anzeige? Sind wir tatsächlich im Tunnel der St. Galler Stadtautobahn mit 80 unterwegs, wenn die Nadel bei 80 km/h steht? Die Antwort: Wahrscheinlich fahren wir etwas langsamer. Um wie viel, ist aber verschieden.

Ursache für die Abweichung ist Artikel 55 der Verordnung über die «Technischen Anforderung an Strassenfahrzeuge», wonach das vom Tacho angezeigte Tempo nie unter der tatsächlichen Geschwindigkeit liegen darf. Die Hersteller reagieren darauf mit einer Sicherheitsmarge nach oben, um ja nicht diese Bestimmung zu missachten.

Durchschnittlich um 5 Prozent

Gemäss Erhebungen des Touring-Clubs der Schweiz zeigt der Tacho eines Personenwagens ein um durchschnittlich 4 bis 5 Prozent höheres Tempo an als das effektiv gefahrene. Bei angezeigten 90 Stundenkilometern fahren wir also in Wirklichkeit rund 86 km/h. Da es sich aber um einen Mittelwert handelt, kann sich darauf niemand ganz verlassen. Ein Autofahrer kann jedoch die genaue Tachoangabe herausfinden: bei einem der Technischen Zentren des TCS, in einer Filiale der Auto Meter AG oder in der Garage. Eine genaue Messung erfolgt auch bei der gesetzlichen Kontrolle, bei der Vorführung des Autos.

Die digitale Technik ermöglichst es den Autoproduzenten inzwischen, die Abweichung genau festzulegen. So kann sich der Lenker eines BMWs darauf verlassen, dass er bei einer Geschwindigkeitsanzeige von 100 Stundenkilometern immer mit 97 bis 98 Stundenkilometern unterwegs ist, ein Porschefahrer bei 120 mit effektiv 117.

Es gibt aber auch eine Grenze nach oben: Ein Tacho darf maximal 10 Prozent plus die Zahl 4 vom tatsächlichen Tempo abweichen, bei Tempo 50 also höchstens 59. «Eine ganz genaue Anzeige gibt es aber nicht», sagt Beat Wyrsch vom Technischen Dienst des TCS in Emmen. Denn die Abweichung kann durch unterschiedliche Pneutypen und Reifengrössen weitere 1,5 Prozent betragen. Bei einer Geschwindigkeit von über 120 Stundenkilometern kann die Abweichung noch höher sein, sollte es aber nicht. Doch da wir ja alle brav die Höchstgeschwindigkeit einhalten…

Kritisch bei tiefen Limiten

Bei solcher Zahlenakrobatik erstaunt es nicht, dass manche Autofahrer ein wenig verunsichert sind – zumindest solche, für die ihr Gefährt nur Mittel zum Zweck ist und die nicht Abonnent der «Automobil-Revue» sind. Viele meinen, die Abweichung sei bei den Radarmessgeräten festzustellen. «Doch die messen seit Jahr und Tag ziemlich genau», sagt Wyrsch. Die Verwechslung mag dadurch entstehen, dass bei Kontrollen der Polizei ein Toleranzwert besteht in Bezug auf eine Busse. Je nach Messart (stationär, mobil und so weiter) und Tempo kann die effektiv erlaubte Geschwindigkeit um 3 bis 15 Stundenkilometer überschritten werden – ohne Sanktion. Sehr gering ist aber die Reserve bei tiefen Limiten, in Tempo-30-Zonen vor allem.

Bei solchem Margen-Wirrwarr, einerseits beim Tacho, andererseits bei den Bussen, mag mancher auch schon resigniert haben. «Ich fahre ohnehin immer nach Gefühl, das Tempo, das mir angemessen erscheint», sagt der Arbeitskollege von nebenan. Der dritte Unsicherheitsfaktor sind wechselnde und verwirrende Geschwindigkeitsangaben wie im Bereich der St. Galler Stadtautobahn. Einheimischen mögen die Uhrzeiten bekannt sein, wann 80 und wann 100 gilt. Bei Lenkern mit auswärtigem Nummernschild fällt hingegen auf, dass sie bei einer durchgestrichenen 100er-Tafel manchmal erst recht Gas geben und weit übersetzt durch den Tunnel sausen.

Lastwagen mit Temposperre

Wer sich auf das Gefühl verlässt, der mag vielleicht schon den Eindruck erhalten haben, dass ein Lastwagen oder ein Car mit «unverschämter Fahrt» daherkommt. Hier wiederum könnte die Abweichung vom eigenen PW-Tacho eine Rolle spielen. Denn in Tat und Wahrheit ist ein Lastwagenchauffeur an eine Tempolimite von 80 Stundenkilometern gebunden, und bei 90 tritt eine automatische Bremse in Kraft. Für Cars gilt ein maximales Tempo von 100, automatische Sperre bei 110. Die Abweichung des Tachos beträgt maximal 2 Prozent. «Diese Toleranzgrenze besteht aufgrund der unterschiedlichen Pneuumfänge», sagt Stephan Müller, Betriebsleiter der St. Galler Filiale von Auto Meter AG.

Bei aller Verunsicherung können sich Automobilisten an eine einfache Regel halten: Wer die Tachoangabe einhält, fährt bestimmt nicht zu schnell.

Fredi Kurth

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