Vielen Dank für Ihre Registrierung. Sie haben den Aktivierungslink für Ihr Benutzerkonto per E-Mail erhalten.

Vielen Dank für Ihre Anmeldung.

Vielen Dank für Ihre Bestellung. Wir wünschen Ihnen viel Spass beim Lesen.

Wie man guten Gewissens durch die Modesaison kommt

Weniger Kleider kaufen wäre das Beste. Tun aber nur wenige. Deshalb: Beim Material hinschauen, Hosen leihen oder im Fischernetz baden gehen. Der Weg zum Mode-Gutmenschen.
Diana Hagmann-Bula
So modisch sieht Fair Fashion aus. (Bild: pd)

So modisch sieht Fair Fashion aus. (Bild: pd)

Zippora Marti hat nur 40 Kleidungsstücke im Schrank. Sie stammen meist aus Secondhandläden oder sind über vier Jahre alt. «Ich gehe selten einkaufen. Und wenn, dann sicher nicht bei Billigmodeketten», sagt die Luzernerin. Vor kurzem hat sie Schlagzeilen gemacht, weil sie ein Jahr lang dasselbe Kleid getragen hatte. Ein Zeichen gegen die Wegwerfgesellschaft wollte sie damit setzen. Gleichgesinnte können bei der 26-Jährigen einiges abschauen. Soeben hat sie etwa ihre schwarze Jeans neu eingefärbt statt sie auszumustern. Von Trends hält Marti nichts: «Mode kann nicht nachhaltig sein. Eigener Stil hingegen sehr.»

Zwar bloggt mit Marie Nasemann (www.fairknallt.de) sogar eine ehemalige Gewinnerin von Germany’s Next Topmodel über Fair Fashion. Das Thema ist trotzdem noch nicht im Mainstream angelangt. «Der Konsum hat sich in den vergangenen fünf Jahren verdoppelt und er wird sich bis 2050 nochmals verdreifachen», sagt Friederike von Wedel-Parlow. Mit ihrer Berliner Firma Beneficial Design Institute berät sie Firmen, die sich punkto Nachhaltigkeit verbessern wollen. «Gemäss Studien fordern 80 Prozent der Konsumenten zwar fairere Produktionsbedingungen. Nur zehn Prozent der Kunden kaufen aber tatsächlich nachhaltig ein.»

(Bild: pd)

(Bild: pd)

Window Shopping statt Frustkauf

Die 48-Jährige begnügt sich oft mit Window Shopping. «So reduziere ich Stress-, Frust- und Spontankäufe», sagt sie. Von Wedel-Parlow empfiehlt Plattformen wie www.getchanged.net und www.fairfashionguide.de, um sich über die Ansätze verschiedener Labels zu informieren. «Manche Marken sprechen nur wahnsinnig gut darüber, wenn es um ihre nachhaltigen Bemühungen geht.»

Werden die Kleider getragen, hält Von Wedel-Parlow das schon mal für einen Anfang. «Durchschnittlich 40 Prozent der Textilien hängen ungenutzt in den Kleiderschränken. Sie werden umsonst produziert», sagt sie. Zehn Kilogramm neue Kleider kaufen deutsche Verbraucher gemäss Greenpeace jährlich ein. H&M, Zara und Co. helfen beim Anhäufen tatkräftig mit: Bis zu 24 Kollektionen werfen sie in zwölf Monaten auf den Markt. Hat man sich nach einmaligem Tragen mit dem Kleid doch nicht ganz angefreundet: weg damit! Hat ja nur 29.90 Franken gekostet! Ebendas widerstrebt Von Wedel-Parlow.

Gerade Jeans, Streifen, Leinen

Auch wenn 2013 der Einsturz der Textilfabrik Rana Plaza in Bangladesch mit über 1100 Toten vielen Konsumenten die Augen geöffnet hat: Die meisten Mode­interessierten bleiben gemäss Umfragen ihrem Einkaufsverhalten und der Fast Fashion dennoch treu. Mit einem Vorsatz lässt sich die Ökobilanz von Shoppingtouren bei Billigmodeketten immerhin etwas verbessern: Nur zeit­lose Stücke kaufen, die jahrelang Freude bereiten. Stilexperte Je­roen van Rooijen weiss, welche Modeinvestitionen sich diese Saison lohnen:

- «Zerrissene Jeans sind schon seit zwei Jahren out und wirklich kein guter Kauf mehr», sagt der Thurgauer. Die Schnitte werden entspannter. Wer eine Culotte in Dreiviertellänge mit ausgestelltem Bein ersteht oder die Slim-Fit-Hose gegen eine gerade Jeans tauscht, macht nun und für die nächste Zeit alles richtig. «Der Oversize-Blazer bleibt uns ebenfalls noch eine Weile erhalten», sagt Van Rooijen weiter.

- Streifen, Karos, Punkte sind gerade wieder und immer wieder angesagt. «Ein Matrosen-Shirt steht für den Maritim-Look. Ein Klassiker, der stets passt.» Auch ein Kleid mit Vichykaro dürfte man in fünf Jahren noch aus dem Schrank holen.

- Naturmaterialien wählen oder intelligente Mischungen mit einem geringen Anteil an Kunstfasern, rät Van Rooijen. «Manchmal machen die durchaus Sinn.» Sie bewirken etwa, dass das ­Bioleinenhemd nach zehn Minuten nicht schon so zerknittert ­aussieht, als trage man es seit Wochen.

- Die Modemacher haben sich diesen Sommer in Senfgelb, Terracotta und andere Erdtöne verliebt. Van Rooijen spricht von «Weltverbessererfarben». Und nennt sie eine logische Konsequenz des Zeitgeistes. «Öko liegt gerade stark in der Luft.» Er empfiehlt, sich stattdessen für sichere Werte wie Dunkelblau, Grau, Weiss, Schwarz sowie Grau zu entscheiden. (dbu)

Sie wünscht sich eine Qualität, die Mode ein zweites Leben ermöglicht. Und freut sich über Modelle, wie das schwedische Label Filippa K sie ausprobiert. In 13 Läden kann man die Artikel der Marke unterdessen leihen, für vier Tage, zu 20 Prozent des Verkaufspreises. Tchibo bietet im Bereich Kinderkleider ein Sharing-Modell an. «Diese Angebote sind prima. Das Problem ist aber, dass Mode bei H&M, Primark etc. so billig ist. Kleidung für Kleinkinder kaufen, ist oft günstiger als sie zu leihen», sagt Mark Starmanns von Getchanged.net.

Greenpeace kritisiert das Fast-Fashion-Gebaren der Branchenriesen, lobt sie aber, wenn es um die Reduzierung von Chemikalien geht. In Bangladesch und anderen Textilländern gelangen Gifte aus der Produktion noch immer in die Flüsse. Im Rahmen der Detox-Kampagne haben sich die beiden Grossunternehmen deshalb verpflichtet, bis 2020 giftfrei herzustellen. «Sie entziehen der Branche damit die Ausreden», so Greenpeace.

(Bild. pd)

(Bild. pd)

Mikroplastik aus der Waschmaschine

Auch die Wahl des Materials kann auf dem Weg zum Mode-Gutmenschen helfen. Wer glaubt, mit der natürlichen Baumwolle auf der richtigen Seite zu liegen, der irrt. Starmanns: «Für konventionelle Baumwolle werden viel Wasser und viele Pestizide eingesetzt. Das ist für Mensch und Umwelt schlecht. Grundsätzlich gibt es fast zu jeder Faser eine ökologische Alternative. Bei Baumwolle ist das Biobaumwolle.» Polyester macht 60 Prozent der Mode aus. Der Rohstoff dafür: Erdöl. Die Produktion frisst massenweise Energie, verursacht viel CO2. Kommt hinzu: Beim Waschen lösen sich kleinste Faserteile aus dem Polyester – Mikroplastik, das im Meer endet. Bessere Alternative: recyceltes Polyester. Viskose ist bestimmt ökologischer, denkt man sich. Doch: Sie besteht oft aus Baumholz. «Manchmal werden dafür Regenwälder gerodet», ist auf der Homepage Fairfashionguide.de zu lesen. Bessere Alternative: zertifiziertes Lyocell, gewonnen aus Buchen- und asiatischem Eukalyptusholz aus nachhaltig bewirtschafteten Wäldern. Modeanbieter Hess Natur sieht die Zukunft im Hanf: Die Pflanze wächst so schnell, dass keine Herbizide nötig sind. Grünes Licht gibt es auch für Bioleinen; der verwendete Flachs braucht wenig Wasser, gedeiht oft in Europa. Im konventionellen Anbau verhindern Wachstumshemmer lange Fasern, die sich nur unschön verarbeiten lassen.

Immer wieder überraschen Firmen mit neuen Materialien. Das Zürcher Label Neumühle schickt Badefreudige in einem Stoff ins Wasser, der aus dem Meer kommt: Es lässt zurückgelassene Fischernetze, in denen sich Meerestiere verfangen, zu Econyl verarbeiten. Nachhaltiges Garn, das zudem der Fauna hilft. Da kann man den Sommer mit gutem Gewissen geniessen, auch wenn er immer heisser wird.

Schöne faire Mode

Armed Angels, Jungle Folk, Freitag, Lanius, Thinking Mu, Elsien Gringhuis, Cossac, Thoose: Die Liste der Marken, die nachhaltige Mode entwerfen, wird immer länger. Die Mission der Labels: Die Welt verbessern und die Kunden trotzdem nicht mehr wie Weltverbesserer aussehen lassen. Stilexperte Jeroen van Rooijen zählt die US-Marke Black Crane zu seinen Fair-Fashion-Favoriten: «Sie interpretiert nachhaltige Mode mit einem Augenzwinkern und nicht mit dem Mahnfinger. Das macht Spass.» Welches Label welche Massnahmen für Umwelt und Arbeiter umsetzt, erfährt man etwa unter www.getchanged.net. Informationen zu Materialien gibt es zum Beispiel unter www.fairfashionguide.de. (dbu)

Merkliste

Hier speichern Sie interessante Artikel, um sie später zu lesen.

  • Legen Sie Ihr persönliches Archiv an.
  • Finden Sie gespeicherte Artikel schnell und einfach.
  • Lesen Sie Ihre Artikel auf allen Geräten.