Frauenrechte
Wie Hollywood-Feministinnen mit ihrem Erfolg gegen Sexismus kämpfen

Schauspielerinnen wie Emma Watson und Jennifer Lawrence setzen sich vermehrt gegen Sexismus und für Gleichberechtigung ein. Ihre weltweite Berühmtheit nutzen sie dafür gekonnt.

Silvana Schreier
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Jennifer Lawrence (links) und Emma Watson setzen sich beide für die Gleichstellung der Frauen ein.Getty Images

Jennifer Lawrence (links) und Emma Watson setzen sich beide für die Gleichstellung der Frauen ein.Getty Images

French Select/Getty Images

Sie ist jung, erfolgreich und schön. Ein Film nach dem anderen kommt in die Kinos. Meist spielt sie die Hauptrolle. Mit einem Oscar wurde sie bereits geehrt. Jennifer Lawrence («Hunger Games»-Filme) ist definitiv im Hollywood-Olymp angelangt. 2014 verdiente keine andere Schauspielerin mehr: 52 Millionen Dollar spielte die 25-Jährige mit ihrer Arbeit ein. Ein schönes Sümmchen, keine Frage. Doch: Hollywood-Star Robert Downey Jr. («Iron Man») hat im selben Jahr fast 30 Millionen Dollar mehr verdient.

Als Hacker im vergangenen Jahr interne Dokumente und E-Mails der Produktionsfirma Sony veröffentlichten, kamen brisante Daten zum Vorschein. Lawrence fand heraus, dass sie für den Film «American Hustle» weniger Gage erhalten hatte als ihre männlichen Kollegen. Darüber liess sich die Schauspielerin vergangene Woche in einem Beitrag für den Newsletter «Lenny» aus, einem feministischen Online-Magazin von Lena Dunham. «Lenny» richtet sich vor allem an junge Frauen und möchte die politische Sicht Dunhams vermitteln. Wie Lawrence in ihrem Artikel schreibt, wolle sie nun härter über ihre Filmgagen verhandeln und sich nicht mit einem tieferen Lohn zufriedengeben, wenn ihre männlichen Co-Stars mehr verdienen.

Männliche Feministen gesucht

Jennifer Lawrence ist mit ihrem Vorwurf, Hollywood sei sexistisch, nicht allein. Emma Watson («Harry Potter») ist in erster Linie Schauspielerin, hin und wieder auch Model. In ihrer Freizeit setzt sie sich seit einem Jahr als UN-Botschafterin für Frauenrechte ein. Als erste Amtshandlung lancierte sie die Gleichstellungskampagne «HeForShe», die Männer dazu auffordert, sich gemeinsam mit den Frauen für Gleichberechtigung zu engagieren. Ein löbliches Vorhaben. Frau Watson überlegt sich bestimmt gut, wo und wie sie ihre spärliche Zeit investieren will. Dass sie sich so aktiv für Frauenrechte einsetzt, muss also bedeuten, dass ihr diese wirklich am Herzen liegen.

Vielleicht fragt man sich, ob die 25-Jährige sich wirklich der Frauenrechte wegen so stark für das weibliche Geschlecht engagiert. Denn bringt ihr die Rede vor dem UN-Parlament nicht viel Aufmerksamkeit in den Medien? Sieht der Titel der UN-Botschafterin nicht fast zu gut aus in ihrem Lebenslauf? Im harten Filmbusiness schadet gute Publicity bestimmt nicht. Fabienne Amlinger vom Interdisziplinären Zentrum für Geschlechterforschung der Universität Bern ist anderer Meinung: «Ich bezweifle, dass die Hollywood-Stars durch ihr Engagement für Frauenrechte einen Karriereschub bekommen. Denn noch immer gibt es extremen Widerstand gegen die Forderung nach Gleichberechtigung.»

Die eidgenössische Kommission für Frauenfragen begrüsst das Engagement der Stars. Doch: «Viel wichtiger zur Erreichung des Ziels der Gleichstellung von Frau und Mann sind konkrete und alltägliche Bemühungen jenseits des Scheinwerferlichts», sagt die Kommission. Die Produzentin, Regisseurin, Drehbuchautorin und Schauspielerin Lena Dunham versucht genau das in ihrer Fernsehserie «Girls». Das Erfolgsrezept der «Vorzeige-Feministin» Hollywoods ist es, alles öffentlich zu machen. Fast schon exhibitionistisch präsentiert sich Dunham mit ihren psychischen Problemen und ihrem scheinbar gewöhnlichen Leben vor der Kamera. Keine Frage, Lena Dunham ist eine Durchschnittsfrau: nicht zu hübsch, nicht zu schlank, nicht zu intelligent. Doch die Schauspielerin ist vor allem eines: eine gewitzte Geschäftsfrau. Sie vermarktet ihre Unperfektheit gekonnt in ihrer Fernsehserie, ihrer Autobiografie und ihrem feministischen Newsletter «Lenny». Sie ist das erfrischende Gegenstück zum stereotypen Frauenbild in Hollywood.

Lena Dunham spielt mit ihrer Unangepasstheit, sträubt sich und ist die typische Emanze. Emma Watson hingegen gehört zu einer neuen Generation von Feministinnen, den Hollywood-Feministinnen. Sie bewegen sich weg vom rebellischen und männerhassenden Image der Frauenbewegung. Nur zufälligerweise heisst sie gleich wie das feministische Frauenmagazin «Emma» von Alice Schwarzer. Es geht für sie nämlich nicht mehr darum, sich nicht mehr zu rasieren, die Highheels zu verbannen und kein Make-up mehr zu tragen. Vielmehr orientieren sie sich an der Grunddefinition des Feminismus. Sie stehen ein für Gleichberechtigung und Selbstbestimmung der Frauen und kämpfen gegen Sexismus. Erfolgreich, schön und weiblich: Frauen dürfen so sein, wie sie wollen.

«Grundgedanke ist wichtig»

«Feminismus bedeutet nicht Männerhass», sagte Emma Watson 2014 in ihrer Rede vor der UN-Versammlung. Trotzdem ist ihr bewusst, dass der Begriff Feminismus unbeliebt geworden ist. Frauen wollen nicht damit in Verbindung gebracht werden. Noch immer widerspiegelt diese Frauenbewegung das Bild aggressiver Emanzen. Von diesen Klischees distanziert sich Watson gekonnt. Ebenso wie andere Hollywood-Feministinnen betont sie lediglich die Wichtigkeit der Frauenrechte, die auch die Männer etwas angeht: «Es geht nicht um den Begriff, sondern um die Idee dahinter.» Emma Watson ist mit ihrem Engagement nicht alleine. Schauspielerinnen wie Kristen Stewart («Twilight») versuchen sich seit längerem gegen Ungerechtigkeiten in der Filmwelt zu wehren. Viel verändert hat sich nicht. Noch immer haben es weibliche Stars schwer, sich unabhängig von ihrer äusseren Erscheinung durchsetzen zu können.

Jennifer Lawrence hat mit ihrem Beitrag über die Lohnungerechtigkeit in Hollywood immerhin einen Mann wachgerüttelt: Bradley Cooper, der im Film «American Hustle» gemeinsam mit Lawrence vor der Kamera steht. Vor wenigen Tagen versprach der Schauspieler, dass er von jetzt an immer gemeinsam mit seinen weiblichen Co-Stars über die Filmgagen verhandeln werde. «Das ist mein Beitrag, den ich leisten kann, um die ungleiche Bezahlung von männlichen und weiblichen Schauspielern zu verringern», sagt Bradley Cooper zur Nachrichtenagentur Reuters.